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Die heiligen Reiher

Hilda Bergmann: Die heiligen Reiher - Kapitel 33
Quellenangabe
authorHilda Bergmann
titleDie heiligen Reiher
publisherKrystall-Verlag
printrunZweite Auflage
year1933
correctorreuters@abc.de
senderAdolf Weishäupl
created20180525
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Kampf der Engel

Aufstöhnend lag ich diese Nacht
und hab' gezweifelt und gewacht
und hab' gerungen mit dem Geist,
der mit den schweren Bildnerhänden
mich angerührt, – mich wirken heißt,
mich kämpfen lässt und nie vollenden:

             »Wenn dein Gefieder windgebauscht,
            du dunkler Engel, mich umrauscht
            mit urgewalt'ger Melodie, –
            Posaunen scheinen deine Klänge
            und selbst dein Lächeln ist noch strenge, –
            ich fass' dich nie, ich halt' dich nie …
            An meiner Lampe Flackerlicht
            entzündet sich das Weltall nicht!
            Lass ihren sturmzerrissnen Schein
            in Nacht verwehn! … Lass mich allein!
            Zu Füßen brauste mir ein Meer
            und meine Hände blieben leer,
            gesegnet nahte mir ein Wort
            und eine Woge riss es fort,
            der Trank, den deine Hand mir bot,
            er gab mir Leid, er schuf mir Not,
            dein Hauch zerschmettert und zerbricht …
            Du bist zu groß! Ich fass' dich nicht …«

So stöhnend, wild und aufgeräumt,
entschlief ich denn und hab' geträumt:

            Aus Wolkenfernen kam Gesang
            begleitet von metall'nem Klang
            und eine Stimme glanzumloht
            deutete Leben mir und Tod.
            Torflügel sprangen auf … Es riss
            der Vorhang meiner Finsternis,
            ein Brunnen hob und senkte sich
            weiß überschleiert gegen mich
            und fiel in goldnem Tropfenschwarm
            in eines Beckens Marmorarm.
            Er ließ die Schale übersprühn
            und machte sie so reich und voll,
            dass über Rand und Grenze hin
            der Segen floss und überquoll.

Da beugt' ich mich in Demut tief
vor dem Gesicht und weint' und rief:

             »So fülle du mich bis zum Grund
            des Herzens! … Zeichne Stirn und Mund! …
            Gleichwie ein Becher glüh'nden Wein
            umschließt, lass mich Gefäß dir sein.
            Mach' meine Dunkelheiten hell
            durch deines Brunnens Funkenquell
            und meine Seele deinem Nah'n
            mit tausend Pforten aufgetan.
            und kann ich nie vor dir bestehn,
            wird meine Spur im Sand verwehn
            und geht verloren, was ich schuf:
            Was mich bewegte, war dein Ruf,
            dein Atem war es, der mich trug,
            auf deinem Fittig ging mein Flug,
            ich schwebte, – und zerbrech' ich auch,
            was mich zerschmettert, ist dein Hauch.
            Zünde die Fackel, – heb' das Licht, –
            segne mich denn, – ich lass dich nicht!« …

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