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Jakob Julius David: Die Hanna - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
authorJakob Julius David
titleDie Hanna
publisherAufbau-Verlag
addressBerlin und Weimar
printrun1. Auflage
editorPeter Goldammer
year1984
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100401
projectidac675c67
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Die stille Margareth

Am Feste Allerheiligen des Jahres 1585 ist der Pfarrer von Klein-Krasna im Gebirge gestorben. Er war mürrisch und wohl gar etwas vergrämelt darüber worden, daß er die ganze Zeit seiner Kraft also in der Einöde und in solchem Elend zubringen gemußt, und ließ endlich die Dinge gehen, wie sie konnten und wollten. Und weil er überdies alt und fast bis zur letzten Grenze der Tage gekommen war, so hat ihm niemand nachgeweint.

Schon um die Mitte desselben Monats begann der Winter, und zwar so grausam und wider alle Ordnung der Natur, daß niemand etwas Ähnliches erdenken konnte. Denn zuerst kam ein harter und klingender Frost und verwandelte das wilde Wasser der Betschwa, die durch den Ort rinnt, in hartes und blinkendes Eis, das eine kraftlose Sonne mit nutzlosem Glanze übergoldet. Danach fing ein unendliches, trockenes Schneewehen an und währte ohne Unterbrechung bis nahe an die Christzeit. Es füllte recht ebenmäßig die ganze Schlucht aus, die sich der tolle Fluß im Erdreiche aufgewühlt, so daß eine reinliche und glatte Straße durch das Weberdorf ging, die doch niemand befuhr. Noch trostloser als sonst sahen die Häuser und Hütten aus, die längs der steilen Bergeshalde emporklommen. Sie glichen Geängstigten: immer späht einer über den Kopf des anderen nach Hilfe aus, die doch von keiner Seite her naht. Und zu der Bedrängnis des Augenblicks, die manchen beten lehrte, gesellte sich, nun die Saaten gänzlich erfroren sein mußten, die Furcht vor einer trostlosen Zukunft ...

In diesem wüsten Wetter haben denn auch einige ihren Tod gefunden, die ausgegangen waren, durch den Verkauf von Leinwand sich und die Ihrigen vor dem Hungertode zu erretten, der sie mit stieren Augen näher und schrecklicher anstarrte. Es gab viel Wehklage, und des Weinens ward kein Ende bei der großen Anzahl der Kinder, die verwaist zurückblieben. Ganz zuletzt kam der Mesner um sein Leben. Er war nach der Hanna gegangen, sich dort etwas zu erbetteln. Man weiß nicht, ob er auf dem Rückwege der Ermüdung von dem vielen Erklimmen von Höhen und Hügelchen, ob er dem Froste oder dem Hunger erlegen ist. Sie haben ihn im Gesträuche an der Betschwa gefunden, in sich gekauert, wie etwa ein Wild, das sich ins Gestrüppe verkriecht, damit es sich dort erwärme, und haben ihn neben seinem Herrn bestattet. Da er auch ein weniges Schule bei den Reicheren gehalten, damit er noch etwas zu dem gewinne, was ihm Weben und Kirchendienst eintrugen, so waren durch sein Ableben Unterricht wie Seelsorge gänzlich verwaist.

Als es dann endlich Frühling geworden war, begannen neue Nöte. Die Betschwa trat aus, sie unterwusch die Häuschen, durchbrach den Karrenweg und vermurte Mit Schlamm und Geröll bedecken. die wenigen fruchtbaren Felder im Ebenen. Stumpf und traurig saßen die Männer von Klein-Krasna an ihren Webstühlen und sahen zu, wie sich die Weiber und das junge Volk abmühten, die Äcker wenigstens insoweit vom Gerölle zu säubern, daß man sie mit Sommerfrucht bestellen könne. Es ging nicht recht vorwärts, und inmitten so trübseliger und fast zweckloser Arbeit hielt ihr neuer Seelsorger, hielt Pater Felician Felix, der Sohn des Chropiner Bauernkönigs Victorin Stiaßny, seinen unfestlichen Einzug in das Dorf. Man zog ihm allerdings mit dem wehenden Banner der Kirche entgegen, man überreichte ihm feierlich an der Grenzmark die Schlüssel zum Gotteshause, aber die Gestalten, die ihm entgegentraten, waren so kraftlos, und auf ihren Schultern saßen so abgehärmte Gesichter, daß ihm bange ward nach der Heimat und ihren mächtig schreitenden Männern, die er vor kurzem erst bei seiner Primiz breitbeinig und selbstbewußt an der Tafel seines Elternhauses aufrücken gesehen. Denn er war noch jung und kaum ausgeweiht; nur die Ungunst der Zeiten und der Abfall vieler vom alten Glauben brachten ihm so zeitige Selbständigkeit. Er aber wäre lieber irgendwo im Unterlande Kaplan als hier Pfarrherr gewesen, und einzig der Gedanke, daß er sich hier bewähren müsse, ehe er anderwärts auf besserem Posten der Kirche dienen dürfe, hielt ihn in den ersten, endlosen Tagen eigentlich in Klein-Krasna zurück.

Auch war ihm von seinen Oberen in Olmütz ein ganz bestimmter Auftrag mitgegeben worden, an dessen Ausführung sie seinen Eifer und seine Fähigkeiten prüfen wollten. Unmöglich konnte die notgedrungene, monatelange Vernachlässigung aller seiner Glaubensbedürfnisse ganz ohne üble Folgen bei dem Volke geblieben sein, das sich so oft in solcher Verzweiflung und immer vergeblich an den Gott gewendet, den es bekannte. Nichts aber bereitet dem Unglauben so sehr den Boden als Enttäuschung. Zudem war Ober-Ungarn mit seinen Lutheranern nahe genug; manche Verwandtschaft oder sonstige Beziehung mochte zwischen den Anhängern der katholischen Lehre und den Neuerern bestehen. Es galt zuzugreifen und zu steuern, solange noch überhaupt etwas zu richten war. Und darum hatte man einen jungen, fähigen und ehrgeizigen Mann hingesendet, den überdies eine ansehnliche ererbte Habe der Notwendigkeit enthob, allzusehr auf das Erträgnis seines Amtes bedacht zu sein, dessen leichte Hand eher erwarten ließ, er werde aus Eigenem dazutun, wenn es Armen zu helfen und so Schwankende durch die Erinnerung genossener Wohltaten oder die Hoffnung künftiger Hilfe in der Gemeinschaft der Gläubigen erhalten galt. Und mit Gedanken darüber, wie er wohl am besten Zugang zu den Herzen seiner Pflegebefohlenen gewönne, mit dem Nachholen lange versäumter heiliger Handlungen, endlich damit, daß er den Hausrat in Ordnung bringen und mit Eigenem ausschmücken, die Wohnung, die weitläufig, aber sehr verwahrlost war, instand setzen ließ, verging ihm die bängliche erste Zeit, und er gewöhnte sich in seiner neuen Heimat ein, ehe er es selber noch recht gewahrt.

Freilich, mit ihren Bewohnern kam er dafür in keinerlei Weise in rechte Beziehung oder gar zu einem Ende. Umsonst spannte er auf der Kanzel und im Beichtstuhle alle seine Kräfte und seine beste Beredsamkeit an. Er vermochte nichts über diese von kleinen Kümmernissen ewiger Not verdumpften Seelen. Was er ihnen Gutes tat, das wurde ihm nicht gedankt; es war viel, aber ein heimlicher Neid fraß an aller Herzen. Er blieb ihnen immer der fremde und reiche Herr. Das grobe, flatternde Leinenhemd und der schwarze Talar wollten nicht Freunde werden; sie wurden es bei dem Mißtrauen der Armut sogar desto minder, je mehr und je sichtbarer sich Pater Felician darum bemühte. Sie fürchteten ihn, dem der weltliche Arm ausgiebige Strafmittel gegen Ungehorsam zur Genüge zu Gebote stellte; sie verhielten sich mit ihm, weil sie sich Vorteile davon erwarteten. Aber sie faßten kein Vertrauen zu ihm, und Pater Felician, der sonst zu gewinnen verstand und das wußte, wollte verzagen. Mochten seine Vorgesetzten immerhin damit zufrieden sein, daß er offenem Abfalle steuerte und die Leute wiederum zu Kirchengang und Lippenandacht gewöhnte – ihm, seiner Jugend und ihrem Eifer gemäß, konnte das mitnichten genügen.

Eines aber verletzte ihn vornehmlich und tat ihm weh: die Regellosigkeit in der Messe und beim Gesange. Er selber war ein feiner Musikus; er wußte die Laute zu schlagen und zu seinem eigenen Geigenspiel mit angenehmer Stimme ein frommes oder weltliches Liedlein anzuheben, soferne es anders nur ehrbar war. Auch war das Hochamt in Olmütz immer feierlich und selbst mit vielem Prunke begangen worden. Etwas Ähnliches vermochte der kleine Ort allerdings nicht; aber selbst durch das wirre Miteinanderschreien im Gottesdienste, das sein geschultes Ohr verletzte, hörte er bei den Jüngeren manche wohllautende Stimme heraus. Konnte er sich diese schulen, so gewann er vielleicht zweierlei dabei: einmal die Abstellung des ihm unleidlichen Lärmens, dann aber mit der Zeit möglicherweise einen ihm ergebenen Anhang in der Gemeinde. Die Alten gab er verloren; aber sein Nachfolger konnte die Früchte seiner Mühen genießen und einmal leichteres Spiel finden, als er gehabt hatte. Schleunig nach seiner Gewohnheit setzte er alles ins Werk. Ein großes Gemach im Pfarrhofe wurde hergerichtet; er hielt Rücksprache mit den Eltern derer, die er sich zu werben gedachte. Nicht ohne großes Verwundern und Kopfschütteln hörten die von einem so sonderbaren und seltsamen Beginnen. Aber: es wagte auch keiner eine Widerrede; einen Nutzen sah allerdings niemand dabei, aber etwas Gefährliches schien hinwieder auch nicht zu befürchten. Man wurde somit bald einig; an zwei Abenden der Woche, immer nach dem Feierabend der Weber, sollte Pater Felician seine Singschule halten mit denen, die er sich dazu ausgelesen hatte.

So zog denn ein neues, fremdes und bald auch ein freudiges Leben in das Widdum Pfarrhaus ein. Harte Holzschuhe klapperten und trappten vergnüglich durch seine Gänge zu einer Zeit, zu der sonst schon das Schweigen darinnen geherrscht, wenn nicht gerade eine der traurigsten Pflichten seines Amtes den Pfarrherrn abberufen. Viele Kienspäne brannten; ihr rötliches und ungewisses Licht überfloß die blondhaarigen Köpfe der Weberkinder, die anfangs immer scheu zusammengeduckt blieben. Nur daß manchmal ein rascher und verstohlener Blick herüberflog zum jungen Pfarrherrn, der die Geige strich, um den Ton des Liedes anzugeben, das sie anstimmen sollten, und dabei das braune Haupt leicht gesenkt hielt, damit er jeden Ton des Instrumentes voll vernehme, so daß die blanke Tonsur erschimmerte. Dann leuchteten seine dunklen Augen auf in innerer Freudigkeit, wie bald der, bald jene die Weise festhielt und begriff, bis endlich das Ganze vielstimmig und fast zu mächtig für die Stube erbrauste. Es ging; nicht umsonst floß slawisches Blut in den Adern der Lernenden wie des Meisters. Die Lust am Gesang und die Begabung für Musik war ihnen allen eingeboren. War aber Felician damit zu Ende, so entließ er seine Gäste darum noch nicht. Er vergaß nicht einen Augenblick daran, daß dies alles eigentlich nur Mittel zu einem ferneren, höheren Zweck war. So erzählte er ihnen denn hernach mancherlei: vom Leben der Heiligen, von ihren Werken und Wundern, um seinen Hörern auch so zu zeigen, wie ein höherer Willen sogar die Erlesenen prüft, um ihnen erst später nach ihren Taten zu lohnen, um seinen Jüngern Gelegenheit zu geben, sich mit stärkerer Gläubigkeit über das zu trösten, was ihnen im Leben Übles verhängt war. Mit jener Herzlichkeit, die nur ein frommer Glauben und die Hoffnung auf gedeihliche Wirksamkeit verleihen, sprach er; so blieb denn sein Tun auch nicht ohne Frucht. Stumm und innig horchten sie; viele blaue Augen hingen an seinen Lippen, und kein Laut und keine Regung wurden derweilen vernehmlich. Nur die Kienspäne knisterten leise; nur ein ahnungsvoller, harziger Geruch schwebte wölkend durchs Gemach, bis sich das dunkle Haupt wieder aufrichtete. Dann schraken sie auf, aus der Welt der Martern und der Gnaden in die verstoßen, in der sie lebten; vielleicht flüsterte noch die stille Margareth ihrer Nachbarin ein gehauchtes: »Es war wie in der Kirche!« zu, und die Kinder boten sich gute Nacht und traten aus dem heimlichen und wärmenden Obdach hinaus unter den frostklaren und sterndurchschimmerten Winterhimmel ...

Während sich aber die anderen gesellten und gepaart oder gar in Rudeln heimschlenderten und unterwegs vielleicht die erbaulichen Weisen, die sie kaum gelernt, vor sich hin sangen, ging die stille Margareth immer für sich und allein. Man war es von ihr nicht anders gewöhnt, und an ihrer Gesellschaft lag auch keinem gar viel; denn sie gehörte ganz armen Leuten, die sich eben nur eine Geiß halten konnten, weil die keinen eigenen Grund braucht, auf dem man sie ernähre. Nicht einmal ihre eigene Hütte besaßen die Eltern der stillen Margareth. Die ganze zahlreiche Familie wohnte in einer Stube, und der Raum, der ohnedies kaum für die Menschen ausreichte, mußte auch noch den Webstuhl aufnehmen, an dem der alte Pelař sich und den Seinen ein kümmerliches und schlechtes Brot zu gewinnen suchte. So gab es denn tagsüber immer ein großes Lärmen, und vielleicht davon war die Margareth so sehr in sich gekehrt und so verschlossen geworden. Sie mochte das laute Wesen um sich nicht noch vermehren. Darum nun galt sie für unklug; sie war es aber keineswegs. Auch hatte sie früh für andere zu sorgen gehabt. Kaum daß sie zu gehen vermochte, so mußte sie die Ziege hüten: Dann und noch daneben war ihr die Sorge für jüngere Geschwister anvertraut worden, deren es bald kaum weniger gab, als sie selber Jahre zählte. Sie selber aber überließ man ihrem eigenen Sterne; und so kannte sie denn vom Leben eigentlich nichts anderes als Not und Sorgen und dachte kaum mehr, das könne anders sein oder werden.

Auch war sie nicht hübsch und wußte das genau, ohne daß ihr Herz dadurch beschwert worden wäre. Ihr lag wenig an den Menschen, denen sie den Umgang mit ihrem Tiere beinahe vorzog. Sie war das verdumpfte Kind des Elends; wie mit grauer Asche war alles an ihr überflogen: das Haar, das ihr gerne wirr in die Stirn hing, bis sie's mit müder Hand daraus zurückstrich; die Farbe des Gesichtes selbst, dann ihre Kleidung, weil sie fast nur ungebleichtes Linnen am Körper trug. Nur zweierlei hatte sie, das gewinnend war: ihre Stimme, die zumeist allerdings einen schläfernden und eintönigen, einen schier weinerlichen Klang hatte, wie sie ihn vom Einsummen der Kleinen her gewohnt war. Sang sie aber, dann lag große Fülle und seltener Wohllaut darin, daß man sie aus allen heraushörte und sich die anderen fast wider Willen nach ihr richteten. Das zweite aber war ihr Auge; es stand still in dem vergrämelten Antlitz und glich an Farbe dem Winterhimmel, wenn ihn leise Schneewolken umhängen und ein ahnendes Sternenlicht durchfließt. Und wie dort oft geheime und rätselhafte Glut aufflammt, die niemand zu deuten vermag, so bei ihr. Dann lag Seele auf ihren Zügen, nie aber so stark und so schön, als wenn Pater Felician erzählte oder vorsang und sie ihm stumm und selbstvergessen horchte.

Es war überhaupt eigen, welchen Einfluß dieser Mann über sie gewonnen hatte. Freilich nicht allein über sie; vermehrte Andacht und stärkerer Zudrang beim Gottesdienste bezeugten bald das Ersprießliche und Kluge dessen, was er begonnen, und erfüllten ihn mit hoher Freude. Aber die stille Margareth hing ihm wohl am meisten an; sie wußte es nicht, und ihre Gefährtinnen hatten es schon längst bemerkt, daß sie in seiner Nähe ordentlich verzückt war. Man lachte heimlich darüber, über die Inbrunst, mit der sie ihm die Hand küßte, und ließ sie dennoch gewähren aus Freude am Spaße, den man sich davon verhieß, aus Furcht vor ihrer Erregbarkeit, die durch ihre verträumte Ruhe nur schlecht verhüllt ward. Sie aber dachte kaum mehr etwas anderes als Musik und den Priester, der sie in die Übung dieser Kunst eingeführt hatte. Saß sie zu Hause, dann umklangen sie gespenstig und nur ihrem Ohre vernehmlich Tonfiguren, immer neu und immer reizvoll. Sie sangen sie in den Schlaf, und an jede knüpfte sich ihr die Vorstellung eines bestimmten Menschen. In einem Eckchen der Stube, auf Wergabfällen, war ihr Lager, und dort, in jenem Halbschlummer, der hellhöriger ist als das Wachen, spann sie ihre Träume, freute sich, wenn ihr der tiefe und kräftige Mollton anklang, bei dem sie den Pfarrherrn zu denken gewohnt war, ärgerte sich über die schrillen Töne, die ihr ihre einzige Feindin, die freche Schmied-Barbara, bedeuteten. Das ging ihr so, bis sie darüber entschlief, und eigentlich war sie eine gute Zeit glücklich dabei.

Allmählich aber erwachte doch ein neues Wünschen in ihr. Sie sah, wie gut es der Pfarrer hatte, wie übel und kümmerlich trotz aller Arbeit es zu Hause ging. Und sie war eigentlich eine Last; man brauchte sie nicht mehr so recht. Spulen, nunmehr ihr Handwerk, konnte eine Jüngere auch, und Feldarbeit gab es keine zu verrichten, wo man nicht einmal ein Äckerlein besaß. Konnte sie nicht fort? Konnte sie nicht im Pfarrhofe ankommen und Dienst und Erwerb finden? Die Hauserin, welche für Pater Felician die Wirtschaft führte, war alt und sehr mürrisch; mit seiner Stellung hatte sie der junge Pfarrherr übernommen, und so wurde ihm denn im eigenen Hause bei jedem Anlasse der Vorgänger als Muster vorgerückt. Vielleicht brauchte sie eine frische Kraft für die gröbere Arbeit; vielleicht war ihr Gebieter ihrer gar müde und froh, wenn ihn jemand von der Lästigen befreite. Die stille Margareth bedurfte einer ziemlichen Frist, ehe sie alle diese Gedanken in sich zu Ende gedacht, denn sie war unschlüssig von Natur und hatte niemanden, mit dem sie sich beraten konnte: nicht die Mutter, die für nichts mehr Sinn hätte als für ihre Arbeit und Plage, deren für sie zuviel war, nicht den Vater, der nur für seine Weberei lebte, ewig schwieg oder, wenn er ja einmal den Mund auftat, mit eintönig näselnder Stimme ein Kirchenlied absang oder über seine beiden Finken sprach, auf die er stolz war und die ihm wichtiger bedünkten als Weib und Kinder, endlich nicht einmal eine Freundin. Und so sehr ihr dieser Plan einleuchtete und so verheißend er ihr immer schien, sie konnte dennoch nicht recht zu einer Entscheidung kommen, und eine geheime Stimme warnte sie davor.

So hat sie lange genug in sich geschwankt. In ihrem fünfzehnten Lebensjahr war Felician nach Klein-Krasna gekommen; sie näherte sich dem siebzehnten, als sie sich endlich auf den Weg machte, und der wurde ihr sauer genug. Sie litt überhaupt viel an Herzklopfen; und oft mußte sie an jenem Februartage auf der Straße stehenbleibend abwarten, bis sich das stürmische Pochen in ihr beruhigt. Endlich war sie am Ziele. Mit einem scheelen Blick ließ die Hauserin das Mädchen, dem die Erregung ein ungewisses Rot in die fahlen Wangen getrieben, in das Zimmer des Pfarrherrn, der gerade, über seiner Maria-Lichtmeß-Predigt grübelnd, auf und nieder ging. Er erschrak schier bei ihrem Eintreten, sie aber überfiel ihr Leiden so heftig, daß sie davor, vor Erregung und Bängnis, ob ihr sehnlichster Wunsch überhaupt Gewähr finden möge, ganz und gar keines Wortes mächtig war. So starrten sie sich eine gute Weile verdutzt und schweigend an; endlich, als sie – wie er glaubte, vor Scham, als Bittende zu erscheinen – gar keine Miene zu reden machte, fragte er sie freundlich: »Willst du etwas von mir, Margareth?« Sie blieb immer noch stumm; er aber: »Steht es schlecht bei euch zu Hause? Ist wer krank? Oder soll ich sonst helfen?« Sie schüttelte nur den Kopf. Da geriet er in Eifer: »So sprich! Ich habe gerade heute zu tun und sehe nicht ab, was du von mir willst, und erraten kann ich's wahrhaftig auch nicht!« Sie zuckte zusammen vor seinen heftigen Worten und senkte die Augen, mit denen sie ihn bislang unverwandt und ernsthaft angesehen. »Ich kann alles«, hauchte sie.

Er mußte lächeln. »Gut für dich! Aber ich sehe nicht ein, was ich davon habe.«

»Ich kann alles«, flüsterte sie zum andern Male und noch nachdrücklicher, »alles, Hochwürden!«

»Nun, und was soll mir das?«

Sie empfand den leisen und gutgemeinten Spott schmerzlich. Aber sie bezwang sich noch, und fingernd eines um das andere, fuhr sie fort: »Ich kann kochen, waschen und nähen, und was sonst nur von Arbeit ist im Hause und auf dem Felde. Ich kann alles und tue alles gern. Hochwürden kann fragen im Dorf.«

»Ja, aber was geht das mich an? Ich will dich doch nicht dingen!« rief er fast ärgerlich.

Ihr schossen die Tränen, mit denen sie lange genug gekämpft, in die Augen. »Nun eben, das ist's ja!«

Pater Felician erkannte ihre tiefe Bewegung und fühlte das Bedürfnis, sie zu trösten. Er strich ihr das graublonde Haar, faßte ihre rauhe und unkindlich harte Hand. Sie bebte in sich zusammen und schloß die Lider bei der Berührung. Dann drückte sie einen heftigen Kuß auf seine Hand, und »Das ist's ja!« flüsterte sie wieder mit ihrem leisen und fast kläglichen Ton. »Niemand will mich dingen. Niemand braucht mich. Und zu Hause? Ja! Da sind wir viele, so viele!« Sie streckte gespreizt die Hände von sich und haschte gleich wieder nach seinen. »Nein, noch mehr sind wir. Und wir hungern alle. Eine weniger, hab ich mir gedacht. Eine, die arbeiten möchte und es kann. Und Ihr könnt eine brauchen, Hochwürden! Nehmt mich zu Euch, um Christi Barmherzigkeit, nehmt mich!«

Er schüttelte mitleidig den Kopf: »Das geht nicht, Margareth!«

»Und warum nicht, hochwürdiger Herr? Wenn ich darum bitte und Sie mich wollen?« Sie schrie in ihrer Seelenangst.

Er sah wohl, was sich in ihr begab, erkannte es schon daraus, daß sie seine Hand immer stärker umklammert hielt. Aber daß ein Herz in seiner Verzweiflung zu ihm rief, das begriff er noch nicht. Nur seine Güte antwortete ihr, und vielleicht darum wurde ihm die Entgegnung so leicht: »Es darf nicht sein, Margareth. Ich will sonst sehen, wie ich euch helfen kann. Aber du bist noch zu jung für den Pfarrhof.«

»Zu jung?« Sie staunte. »Aber ich bin es nicht! Was hab ich nicht schon alles arbeiten müssen! Probiert's wenigstens mit mir! Taug ich Euch nicht, so jagt mich immer fort. Aber probiert's zuvor, aber ...«

»Es darf nicht sein«, unterbrach er. »Du bist in anderem Sinne zu jung für mich. Es gäbe Redereien.«

»Anders? Was heißt das? Ah!« Sie stöhnte, eine tiefe Flamme schlug ihr ins Gesicht, und ließ seine Rechte los. »So ...« Und schleunig und wie gehetzt wendete sie sich zur Tür.

»Behüte dich Gott und seine Heiligen.«

Keine Antwort kam mehr. Während neue Gedanken sich in ihr stürmend erhoben, war die stille Margareth fort und eilte nach Hause. Die Wirtschafterin schnitt ihr im Hausflur ein höhnisches Gesicht, und sie schüttelte dafür zornig die Faust gegen ihre Widersacherin. Ein ungeheurer Ingrimm, dem sie sich willenlos hingab, war in ihr. Und dabei klang Pater Felicians: »Du bist zu jung!« in ihr unablässig nach. Noch begriff sie es nicht recht; aber das Wort gellte in ihr, eine Wetterglocke, die nicht schweigen wollte.

Die Margareth war in der nächsten Zeit wie ausgetauscht. So verträumt sie immer gewesen sein mochte, sie hatte früher geräuschlos, aber sicher im Hause geschafft. Das war vorbei; sie saß gern müßig. Dann wieder übernahm sie sich mit Arbeit. Sie sprach kaum mehr; stundenlang brütete sie mit ineinandergekrampften Händen, während ihre Lippen unablässig zuckten. Danach lief sie wieder zu Walde um Fallholz. Einmal begegnete ihr der Pfarrer, wie sie ein Bündel Reisig heimschleppte, das einem Manne fast zuviel gewesen wäre. »Du hast zu schwer aufgeladen, Margareth!« rief er ihr zu. Sie antwortete nicht; nur mit feindseliger Trauer, wie ein Hund, den ein Fremder geschlagen hat, schaute sie ihn an und beeilte sich desto mehr. Daheim brach sie zusammen und war fast ohnmächtig von dem heftigen Pochen in ihrer Brust. Die Gesangschule im Pfarrhofe hat sie nicht mehr betreten; in die Kirche ging sie nicht mehr und malte sich mit böser Schadenfreude Pater Felicians Verdruß über beides aus. Vorwürfe halfen nichts; und wenn die Mutter sie schlug, in der Besorgnis, es könne bemerkt werden und ihnen gesamt vergolten, so trug sie's stumpf, oder es brachen so grimmige Schmähungen gegen Gott und den Glauben aus ihrem Munde, daß die alte Pelař erschrak und, Böses befürchtend, wenn sich das Mädchen etwa gar öffentlich so vernehmen lasse, von ihm abließ und seines Daheimbleibens schier froh war. Aber hätte sie das Auge dazu besessen oder vielmehr es nicht in Not und Elend eingebüßt, dann hätte sie wohl bemerken müssen, wie sich etwas Fremdes und Unheimliches in ihrem Kinde begab. Die Alten waren zu müde von der Tagesarbeit, die Jugend schlief noch zu gut; so vernahm denn kein Ohr das wirre Klagen und das gedämpfte Schluchzen, das sich Nacht für Nacht vom Lager der stillen Margareth her erhob und erst in der Morgenfrühe zum Schweigen kam. Und dennoch rang die Unselige eigentlich immer noch gegen die Erkenntnis dessen, was sie bedrängte ...

So nahte die österliche Zeit. Pater Felician hatte ein neues und schönes Auferstehungslied erhalten, das er seinen Getreuen beizubringen gedachte. Ihm fehlte aber die Margareth dabei allerenden; er vermißte auch in der Kirche die leuchtenden Augen, die ihn so gläubig und hingebend anzuschauen gepflegt. Er wußte auch keinen Grund für die Art, in der sie sich ihm gegenüber benahm; an jene Unterredung als letzte Ursache des Ganzen dachte er nicht. Aber ihm mußte daran gelegen sein, keinerlei Auflehnung gegen sein Ansehen aufkommen zu lassen. Und so machte er sich denn eines Tages – es war kurz vor der Stillen Woche Karwoche., und nur noch auf den Bergen lag der Schnee – zu den Eltern des Mädchens auf, die ganz oben auf der Leiten wohnten, dort, wo Klein-Krasna ein Ende nimmt und der Wald beginnt.

Ein unbändiges Lärmen war in der Stube, die er betrat. Da schrien die Kinder durcheinander; da rasselte das Weberschiffchen; die beiden Finken waren so aufgehängt, daß sie sich sahen; nun spürten sie die Frühlingssonne und wetteiferten mit mächtigem Geschmetter. Auf dem offenen Feuerherde stand ein großer Topf und brodelte; ein dünner Geruch entstieg ihm, und eine feuchte und dumpfe Luft durchschwelte den Raum. Von nacktem Elend sprachen die nackten Wände. Hinter dem Webstuhle stand die Margareth und stierte ins Leere; das blasse, blanke Gesicht mit den schönen Augen schimmerte geisterhaft zwischen den aufgespannten und sich kreuzenden Fäden hervor. Und während die alte Pelař herzustürzte, um dem vornehmen Gast die Hände zu küssen, und einen ordentlichen Tanz um ihn aufführte, während der Weber aufsprang und sich nicht zu halten wußte in seiner Überraschung, blieb sie ohne jede Regung. Umsonst sah sie die Mutter ganz wütend an, umsonst gab ihr der Vater einen heimlichen Puff; die Margareth beachtete das gar nicht, und als der Blick des Pfarrers den ihren traf, senkte sich ihre Wimper nicht. Er bot ihr die Hand; sie aber tat, als gewahre sie das gar nicht, und verschränkte ihre Arme auf dem Rücken. Pater Felician fühlte sich peinlich berührt; er wollte ihr Vorwürfe machen und traute sich nicht recht zu sprechen und fand das gehörige Wort nicht. Und endlich fuhr er heraus: »Warum kommst du nicht in den Gottesdienst oder zum Singen? Du gehst mir ab.«

»Geh ich dir ab, Pfaff?« kam es von einer fremden und unnatürlich heiseren Stimme zurück.

Ein Aufruhr entstand. Der Pfarrer fuhr auf: »So sprichst du mit mir? Warum? Weil ich dich nicht in Dienst nehmen will?« – »Um Jesu willen, rechnen Sie's ihr nicht an!« kreischte die Weberin; der alte Pelař schlug mit aller Kraft nach ihr und traf sie vor den Kopf. Sie zuckte ein wenig und fuhr sich nach der schmerzenden Stelle; aber ruhig antwortete sie: »Ja, nur weil du nicht mich hast dingen wollen.«

Der Pfarrer beschwichtigte und kam sich dabei unendlich edel vor: »Schlagt sie nicht! Sie spricht im Unverstand. Zum Singen kommst du also nicht mehr?«

»Nein.«

»Aber du wirst doch wenigstens zur Osterbeichte kommen?«

Sie dachte nach. Über ein Weilchen: »Ja, ich werde kommen!« Und ein trauriges Licht irrte dabei in ihren Augen.

Die Tür kreischte, und kaum daß Felicians letzter Schritt verhallt war, so fielen sie wieder über das Mädchen her, das alles ohne Gegenwehr, nur schwer atmend und fast röchelnd ertrug. Man ließ endlich von ihr ab, und sie, als wäre nichts gewesen, versank wieder in sich und ihre Gedanken.

Am Palmsonntag kam die stille Margareth zur Beichte. Er war recht hell angebrochen, und viele Menschen bewegten sich im Freien. Mehrere Gespielinnen begegneten ihr, mit denen gepaart, die sich im Winter in Spinnstube oder beim Tanze zu ihnen gesellt hatten. Mancher grüßte; sie schien niemanden zu beachten und sah doch jeden mit starkem Neid. Über die Bohlenbrücke, welche die Betschwa überspannt, ging sie. Durch die Zwischenräume der Balken hindurch sah sie die raschen, lehmfarbenen, hochgeschwellten Wasser schießen und lauschte nachdenklich ihrem Murmeln und Murren, dem leisen Grollen und Knirschen des Geschiebes, das auf dem Grunde des Flusses fortgewälzt ward. So lange stand sie da, bis ihr schwindlig ward und ihr schien, als wandere der Steg mit ihr der Strömung entgegen. Dann endlich riß sie sich mit einem Rucke los; in der Kirche kniete sie vor Pater Felician nieder und bekannte ihm gewohnheitsgemäß ihre kleinen Sünden. Während er sie aber schon entlassen wollte – er hatte es eilig, denn es war nicht mehr lange bis zum Hochamte –, verharrte sie noch immer auf den Knien. »Ich habe noch eine Sünde auf dem Herzen«, raunte sie und krampfte vor der Brust die Hände ineinander, »ich habe einen Mann lieb ...«

»Hast du dich mit ihm vergessen«, fragte Pater Felician, der nun zu begreifen glaubte, warum sich das Mädchen so sehr verändert hatte.

»Schlimmer! Hochwürden! Ich darf ihn nicht liebhaben.«

»Und warum nicht? Ist er dir zu nahe verwandt?«

»Nein! Schlimmer, er ist ein Priester des Herrn.«

Pater Felician horchte auf. Aber er war abgespannt vom vielen Beichthören, war ganz im Amte, und dies Bekenntnis war so unerwartet gekommen, daß er unmöglich an etwas Persönliches denken konnte. »Reiß ihn aus, Margareth, reiß ihn aus«, sagte er nachdrücklich.

»Ich kann's nicht, Hochwürden; ich kann's nicht!« klagte sie.

»So darf ich dich nicht lossprechen, ehe du dich nicht abgetan hast der Sünde. Komm ein andermal!«

»Es hat nicht mehr Zeit, Hochwürden. Ich habe mir Mühe genug gegeben. Aber es geht nicht. Und warum soll ich's müssen? In Ungarn drüben, bei den Evangelischen, heiraten sie. Da war bei uns ein Kaplan, kurz vor Euch, wie der vorige Herr Pfarrer schon ganz alt war. Der sitzt jetzt drüben und hat Weib und Kinder. Darf's der, warum nicht auch ein anderer? Oh, ich hab nachgedacht darüber, Hochwürden. Und andere, die haben eine bei sich, die sie gerne haben. Ich weiß es; ich hör schon allerhand, und ich denke nach über alles. Warum auch nicht? Ich hab eine solche gesehen – sie ist von hier und lebt jetzt unten und hat's besser wie keine. Das möcht ich freilich nicht. Aber darf das sein? Warum also nicht, wie ich's möchte?«

Bei jedem Worte, glaubte sie selbst, müsse ihr die Stimme versagen. Es pochte so hart und so gewaltsam in ihr, daß ihr das Reden sauer wurde und ihr der Faden der Sätze immer und immer wieder abriß. Er aber wußte das nicht zu deuten. Und fast hochmütig in seiner Jugend und im Bewußtsein seiner tadellosen Lebensführung entgegnete er: »Das sind Abtrünnige oder Unwürdige. Uns aber hat es der große Papst Gregor verwehrt. Wer es doch tut, der fällt in die Sünde des Meineidigen, und wer einen von uns ablenkt vom Pfade des Herrn, in die ewige Verdammnis.«

Sie erhob sich und stand vor ihm. Der Kopf war demütig gesenkt, und man sah es recht, wie gewaltig und wie lange ein ungeheures Weh in ihr gearbeitet haben mußte. Aber sie war beinahe schön geworden davon. Ihre Augen hatten stärkeren Glanz gewonnen, und auf ihrer Stirne war ein Leuchten. Eine rührende Wehr- und Hilflosigkeit der Macht ihres Empfindens gegenüber prägte sich in der ganzen dürftigen Gestalt aus. Mit hastiger Gebärde strich sie sich über Stirn und Schläfen, dann haschte sie nach seiner Hand und küßte sie innig. Im Hochamte saß sie wieder auf ihrem gewohnten Platze und schaute ihn wie früher, unverwandt an. Zu Hause aber brach sie in ein unendliches Weinen aus, ohne eine Ursache angeben zu wollen, und als sie endlich nachts in einen kurzen Schlaf fiel, da hörte die Mutter, die bei einem kranken Kinde wachen mußte, vom Lager des Mädchens her Stöhnen, einen Namen und allerhand Ausrufe, die sie sich nicht zu deuten vermochte, die sie aber in ihrer Gewalt und Unmittelbarkeit mit der Ahnung eines Unglückes durchschauerten. Ein verkanntes Gefühl, eine Scham, die sich selbst preisgegeben zu haben glaubte und nun im Tiefsten verletzt war, rangen in ihr und zerrten an ihrer Seele. Erst am anderen Morgen verstand die alte Pelař alles: da durchlief nämlich ein Aufschrei das ganze Dorf – man hatte die Margareth tot aus der Betschwa gezogen; dort, wo das Wasser den Ort verläßt, war die Leiche der Flut entrissen worden.

Es war das erstemal, daß ein Mensch in Klein-Krasna seinem Leben mit eigener Hand ein Ende bereitet. Niemand wußte sich mindestens eines ähnlichen Ereignisses zu entsinnen. So erhob sich denn eine ungeheure Aufregung. Die armselige Stube der Pelař wurde nicht leer von Besuchern. Man hatte die stille Margareth auf das einzige Bett gelegt, das in dem Raume war; darum drängten sich die Beschauer. Der Vater aber war zu Pater Felician gegangen, um die Einsegnung zu erbitten. Gegen Mittag kam er verstört zurück – der Pfarrer hatte ihm nach den Vorschriften der Kirche seinen Wunsch verweigern müssen. Ein neues Jammern brach los; die Teilnahme aller äußerte sich in ungestümen Wehklagen. Da stand die alte Pelař auf: »So will ich zu ihm gehen!« Und als ihr Mann antwortete: »Glaubst du, er wird es dir anders machen, wenn er nicht darf?«, zuckte sie nur die Achseln. »Aber er darf nicht!« rief er fast heftig. Sie deutete auf die Tote. »Schrei nicht! Er darf nicht? Er muß und er wird! Sie hat hier genug ausgestanden, ich weiß es. Sie soll drüben ihre Ruhe haben und in geweihter Erde schlafen.« Und mit einer fremden Leidenschaftlichkeit wendete sie sich und ging.

Es scheint eine lange Unterredung gewesen zu sein, die das bekümmerte Weib mit Pater Felician hatte. Spät erst kam sie heim, dann aber wies sie ihre Gäste alle fort. Bei mitleidigen Nachbarinnen brachte sie die Kinder unter; sie selber hockte auf einen Schemel nieder und versank in Betrachtung der toten Tochter. Manchmal stieg ihr ein Weinen auf; dann nahm sie sich nicht einmal die Mühe, die Tränen zu trocknen, und sie rollten ihr ungehindert über das müde Gesicht. So wartete sie, bis die Tür ging; dann trat sie dem Pfarrherrn einige Schritte entgegen, führte ihn zu der – ach! für ewig – stillen Margareth und kauerte sich wiederum nieder.

Es war ein großes Schweigen in der Stube. Der feierlichen Ruhe des Todes war für ein Weilchen der Lärm gewichen, der die Margareth im Leben umklungen hatte. Das Weberschiff ruhte endlich; in ihren verhangenen Käfigen hielten sich die Finken stille und zwitscherten nur manchmal traumhaft und ängstig; verstummt waren die Kinderstimmen, die sonst immer das Gemach erfüllt. Pater Felician trat an die Leiche heran und besah sich das junge Gesicht. In die Stirne war eine tiefe, zornige Furche eingegraben, um die Mundwinkel lag eine trostlose Müdigkeit, und der Mund war fest geschlossen.

Sie mußte die Zähne fest zusammengebissen haben, damit ihr nicht etwa in der letzten Not ein Hilferuf sich entreiße. Offen stand das Auge und starr; das tat Pater Felician fast weh. Gänzlich unversöhnt und grimmigen Herzens war sie aus der Welt gegangen. Ein ehrliches Mitleiden mit der Unseligen zog ihm um die Brust unter solchen Erwägungen; aber – er wußte da nichts zu beginnen. Seine Pflicht sprach zu klar. Und so schlug er denn ein Kreuz über die Leiche, und mit einem: »Es hilft nun nichts« schickte er sich zum Gehen an.

»Es muß helfen«, kam es geraunt an ihm herauf. »Seht sie Euch nur an, Hochwürden, gut an.«

Erst jetzt sah er zur Alten nieder; die Ähnlichkeit beider fiel ihm auf und beklemmte ihn. »Sie erbarmt mich«, sagte er sehr leise, »aber ich kann nicht gegen meine Pflicht. Sie starb in ihren Sünden!«

»Sie starb, weil sie nicht sündigen wollte«, antwortete die Mutter, und: ›Dieselbe Stimme!‹ mußte er denken. »Ihr müßt sie einsegnen, Hochwürden. Ihr müßt!«

»Ich muß? Und warum? Ich darf nicht!«

»Muß ist ein strengerer Herr als: ich darf. Ihr müßt – sie ist um Euch gestorben.«

»Um mich?« Er taumelte ...

»Ja! ich weiß es. Ich habe sie heute zu Nacht reden und jammern gehört, daß mir das Herz mitschrie. Aber – wer denkt gleich das Ärgste? Freilich, bei ihr hätt man's müssen. Aber so: Wein dich aus, Margareth, wein dich aus, hab ich mir gedacht. Du wirst schon wissen, warum daß du's tust. Und dann war's schon geschehen. Aber nicht wahr, das werdet Ihr nicht wollen, daß sie mein Mädel, das Euch liebgehabt hat, einscharren ohne Segen, ohne Weihe und hinter der Mauer.«

Das Geflüster begann ihn zu verstören. Aber es wurde dabei auch klarer in ihm. Nun verstand er ihren Besuch im Pfarrhofe, nun ihre letzte Beichte. Eine starke Erschütterung war in ihm, eine leise Reue, die allerdings nur erst der zu großen Strenge, seinem Hasten von gestern galt. Ein gutes Wort – und sie lebte vielleicht noch. Und mit sich kämpfend, erwiderte er: »Ich allein und ohne Erlaubnis darf es nicht tun. Aber ich will einen Eilboten nach Olmütz senden, ob mir's der Bischof erlaube.«

»Geht selbst, Hochwürden, geht selbst! Euch wird er's nicht verweigern ...«

»Ich werde!«

»Gott segne und vergelte Euch. Wenn er's aber doch nicht gestattet?«

»Dann ...«

»Sprecht nicht! Noch nicht!« Sie stürzte vor ihm nieder.

Eine Tagesfahrt ist von Klein-Krasna nach Olmütz mit guten Pferden. Bei anbrechender Nacht saß Pater Felician in dem Wagen, am Morgen stand er vor dem Oberhirten der Diözese. Ihm wurde kein günstiger Empfang. Im Gegenteile, man ließ ihn hart an, daß er mit solch einer Sache behellige. Umsonst legte er klar, daß dieser Fall vielleicht eine mildere Auffassung zulässig erscheinen lasse; umsonst erinnerte er daran, daß unzeitige und rücksichtslose Härte vielleicht das Werk gefährde, an dem er so lange und nicht ohne Frucht gearbeitete. Man fühlte sich im völligen Besitze der Macht und hielt also jede Milde für nicht mehr nötig. Umsonst versuchte er, sich den Einfluß Dritter zu gewinnen; er war vergessen worden in der kurzen Zeit, die er ferne gewesen, und auch das tat ihm weh. Und wie er so den ganzen Tag mit fruchtlosen Gängen, mit Harren und Bitten vertrödeln mußte, da erwachte eine Empfindung von Ohnmacht und Beschämung in ihm.

Es ist ein übles Reisen durch die schweigende Nacht und mit beschwertem Herzen zu Trostbedürftigen, denen man keinerlei Trost bringen kann, so gerne man es täte. Denn zuvörderst fraß ein wirklicher Zorn an Pater Felician. Er hatte Verdienste um Kirche und Glauben und wußte das; ihm hätte man eine Bitte, nicht ohne triftige Gründe gestellt, so rund und schroff nicht abschlagen müssen. In seiner einsamen Pfarre hatte er beinahe vergessen, daß er noch Obere über sich habe; fast nur wie eine Formsache war ihm die Anfrage beim Bischof erschienen, und nur um freudig und hilfreich überraschen zu können, hatte er die bestimmte Zusage bei der alten Pelař gespart. Nun aber war ihm klargemacht worden, wie wenig das Fürwort eines seinesgleichen galt, wie tief unten er stand, und er fühlte sich fast so beschämt, als hätte er sich in der Tat durch eine unbedingte Verheißung bloßgestellt. Und hatte er denn nicht stillschweigend eine solche gemacht? Lag nicht schon eine Demütigung und eine Gefährdung seines priesterlichen Ansehens darin, daß er unverrichteterdinge heimkehrte?

Dazu war es die erste Nacht seines Lebens, die Pater Felician wachend und im Freien zubrachte. Es war eine seltsame Helle in der Welt; man sah viel, und man ahnte mehr. Das eintönige Getrappel der Pferdehufe schläferte ein; die Abspannung vom Vortage machte sich merklich. Die Gedanken in ihm aber hielten ihn munter und trieben ein seltsames, spukhaftes Spiel mit ihm, gegen das er sich anfangs wehrte, um sich ihm bald mit einer geheimen Lust hinzugeben. Warum hatte er gestern den Schlummer gefunden, der sich ihm heute weigerte? Darüber grübelte er. Dazu die Nachtgeräusche, die sich vernehmlich machten: einer Eule gezogener und jammernder Schrei, der seltsam dem Hilferufe eines Menschen ähnelte. Wer mochte nur so in der letzten Not geschrien haben? Aber nein – sie war ja schweigend gestorben. Oder ein fernes Hundekläffen, das fast schreckhaft klang, oder das jähe und tiefe Schnauben eines der Rosse. Der Wind strich vernehmlich über die brachen Felder und rumorte kläglich in den Weiden am Flußufer, deren schlanke und kahle Ruten manchmal knackend aneinanderschlugen. Längs des Wassers ging der Fahrweg hin; er mußte auf die schnellen, schwatzenden, geisterhaft schimmernden Wellchen blicken. Und plötzlich, mit einem starken Rucke, fuhr er auf: Das war ja die Betschwa! Wer hatte nur weiter oben in denselben Fluten Zuflucht und Rettung gesucht vor sich selber? Und das Bild der toten Margareth erstand ihm jählings ...

Es ist ein Eigenes um das Bewußtsein, von einem Weibe recht und stark geliebt worden zu sein. Pater Felician hatte es nie gekannt. Nun, angesichts des rastlos murmelnden und eintönig harmonischen Klagens der Wogen überkam's ihn. Nun sah er die Margareth vor sich: nicht wie sie im Leben gewesen, nein, wie sie ein schrecklicher Tod entstellt und doch wieder geweiht hatte. Ihm bangte vor der Heimkehr; die Freude an seiner Singschule war ihm verleidet, nun sie nicht mehr darinnen ihre süße und wohllautende Stimme erheben konnte; ihm graute vor dem Pfarrhofe, aus dem sie seine Härte fortgetrieben, vor der Kirche, in der er ihre letzte Beichte gehört, ohne zu ahnen, was sich in dieser Stunde alles in ihrer Brust begeben und zusammengekrampft hatte. Selbst ihre Leiden meinte er in dieser schweigenden Zeit zu verstehen, nun sie ausgelitten. Aber – alle diese Erkenntnis, was hätte sie ihm früher auch genützt? Er lernte viel begreifen in kürzester Weile, und plötzlich fiel ihm bei, daß er sie niemals auch nur lächeln gesehen. Er konnte sich gar nicht vorstellen, wie ihr das gelassen hätte, und der heiße und törichte Wunsch überfiel ihn, sie möchte leben und ihn anschauen mit lachendem Munde und mit fröhlichen Augen ... In aller Größe aber begriff er den Schmerz ihrer Eltern, denen das Kind, das im Leben soviel duldend in sich verschlossen, nun auch noch im Tode nicht die gebührende Weihe und keinerlei Ehrung empfangen sollte. Und warum nicht? Nur, weil sie das nicht zu ertragen vermochte, was über ihre Kräfte gegangen? Wie ein Unrecht erschien ihm das, dem er nach bestem Können steuern müsse, an dem er schon durchaus nicht mithelfen dürfe. Aber: wie dem vorbeugen und steuern? Er sann darüber nach, bis ihm in Kopf und Brust ein dumpfer Schmerz einzog, und merkte selber nicht einmal, was sich in solchem Grübeln mit ihm begab; aber die tote Margareth und ihre unverstandene Neigung gewann es so langsam, sacht und sicher dem Lebenden ab ...

Es wehte kühl herauf. Von den Feldern stieg ein Dampfen auf und wölkte sich den Wolken zu. Ihn fröstelte es bis ins Mark. Die Pferde hielten, und der mürrische Knecht stieg wortlos ab. »Sind wir schon zu Hause?« fragte Pater Felician erstaunt, als er sich in einer ganz fremden Gegend sah. »Nein, wir sind im Ungarischen«, brummte der Pavel, »das liebe Vieh will auch seine Ruh haben. Nun ja, zwei Nächt' in einem Trab durchfahren, wie soll es das aushalten?« – »Aber wie kommen wir nach Ungarn?« Der Pavel schlug die Hände zusammen: »Hochwürden! Wie sollen denn die müden Rösser über den Berg vor Klein-Krasna? Das muß Hochwürden doch begreifen, daß man sie rein herübertragen müßte. Das möcht doch zu schwere Arbeit werden, und da bleibt nichts übrig als umfahren.« Und ruhig fütterte er die Tiere und versorgte sich selbst mit dem Nötigen.

Das Dorf sah freundlich, sauber und wohlhabend aus. An die Kirche stieß der Pfarrhof, und Pater Felician sah in das Vorgärtchen. Es war um die achte Morgenstunde; der Umweg und die Erschöpfung der Pferde hatten die Rückfahrt um vieles verlängert. Ein dünnes Glöcklein erhob ein zitterndes Gebimmel. Daraufhin kam ein Mann im Priestergewande aus dem Wohnhause; ein junges, blühendes Weib gab ihm das Geleite. An der Hand führte die Mutter ein Mädchen, und der Priester nahm herzlich und innig Abschied von beiden. Pater Felician sah das verwundert und dennoch mit geheimem Neid. »Wer ist das? Kennst du dich da aus?« forschte er. – »Gewiß; der Pastor von da ist's. Ich kenne mich ganz gut aus, es sind doch keine zwei Stunden von zu Haus bis hieher.« – »Und wer sind die anderen?« – »Das ist die Schwester von der Schmied-Barbara; sein Weib halt, und die Kleine ist sein Mädel.« – »Ja, ist er denn verheiratet?« – »Aber Hochwürden, bei den Evangelischen!« – »Und die Leute haben dennoch Respekt vor ihm?« – »Soviel ich weiß, schon, und ich müßte doch was gehört haben, wenn es anders wäre. Oft genug war ich schon da, und er war früher Kaplan bei uns.« – »Und sie leben gut miteinander?« Der Knecht wurde ungeduldig über das viele Fragen, das ihm gänzlich nutzlos erscheinen mußte, und die häufige Störung in seinem Frühstück: »Ich denke; Hochwürden hat ja selber gesehen, wie sie voneinandergegangen sind. Mir scheint, wie zwei, die sich recht liebhaben. Und daß es ihnen sonst schlecht sollte gehen? Aber sie schauen mir gar nicht danach aus. Warum? Zu leben haben sie!« Pater Felician aber richtete kein Wort mehr an ihn. Also es ruhte kein Fluch auf der Ehe eines abtrünnigen Priesters des Herrn! Er selber hatte sich mit eigenen Augen davon überzeugt.

So kam er heim. Es war ein heller und sonnenfroher Tag auf die schwere Nacht gefolgt. Er las eine stille Messe; danach stärkte er sich und ruhte ein wenig. Dann legte er die Alba um und ging mit dem kreuztragenden Knaben zu den alten Pelařs. »Mir ist nicht willfahrt worden«, sprach er. »Ihr aber bekümmert euch nicht darum. Ich will dennoch an ihr tun, was meines Amtes ist.« Bevor sie aber noch den Sarg schlossen, trat er noch einmal zu ihr und sah ihr lange und ernst ins Gesicht, und ein häufiges Zucken durchfuhr dabei seine Brust und schmerzte ihn. Danach segnete er sie ein; unter ungeheurem Wehklagen setzte sich der Zug in Bewegung, und jede Träne, die vergossen wurde, fiel ihm hart in die Seele. Er schritt vorauf. Wo sie durch das Dorf wanderten, dort schlossen sich ihnen viele an; die aus Neugier, die aus Mitgefühl, manche aus beiden Gründen. Alle Webstühle ruhten; aber die Glocken schwiegen, und dennoch hatte die stille Margareth ein größeres Grabgefolge, als es selbst die Reichste gehabt.

So, immer anschwellend, bewegte sich die Menge durch ganz Klein-Krasna. Im Walde machten sie halt, auf einer Blöße, die junge, schlanke Birken mit weißen, zierlichen Leibern und grünweißlich schimmernde Buchen umstanden, während von ferne her das starke Rotbraun zerklüfteter Föhrenborke herüberleuchtete. Er weihte die Erde nach allen Gebräuchen, wie sie die Kirche vorschreibt. Rüstige und willige Hände griffen zu, und in kürzester Weile war ein Grab gegraben, tief und geräumig genug, daß kein Laut des Lebens sie mehr erreichen konnte, die sich davor hierher geflüchtet hatte. Mit zitternder Stimme hielt er eine kurze Predigt; in ihrem Verlaufe gewann er seine Ruhe wieder, und als er von der Liebe sprach, die stärker sei als der Tod und über die nicht die Pforten des Grabes noch der Hölle etwas vermöchten, die diese beseelt habe und die ihr vergeben werde, da klangen seine Worte mächtig und ergreifend durch das feierliche Schweigen, das nur manchmal ein Schluchzen oder ein kurzer Wehlaut unterbrach. Er selber aber sah so blaß und müde dabei aus, daß es allen auffiel. Noch ein kurzes, stilles Gebet, in das die Baumeswipfel sangen und melodisch brausten. Dann knarrten die Seile: die stille Margareth stieg nieder zu ihrer Ruhe. Hörbar und dumpf kollerten die Schollen auf den Sarg; ein Hügel wölbte sich empor, und Pater Felician sank davor in die Knie und schluchzte laut auf. Eine Weile blieb er noch, bis sich die Menge verlaufen hatte, dann, einsam und gedankenvoll, kehrte er in den Pfarrhof zurück. Dort tat er sein Priestergewand ab für immer. Er selber hat nach Olmütz Bericht darüber erstattet, daß und wie sehr er sich gegen die Vorschriften vergangen, die man ihm eingeschärft. Über die Gründe aber fügte er kein Wort hinzu. Wozu auch?

Tags darauf verließ er Klein-Krasna für immer, nachdem er noch die Eltern der stillen Margareth reichlich beschenkt und ein Kreuz auf ihren Hügel gestiftet. Niemand hat fortab eine sichere Kunde von ihm erhalten. Einige wollen wissen, er habe sich nach Chropin zu seinem Vater begeben; tat er so, dann geschah es nur, um Abschied zu nehmen; in der Heimat gelitten hat es ihn nicht mehr. Andere aber berichten, er habe sich nach Deutschland, nach Wittenberg gewendet und sei in hohen Jahren als Diener am Wort in einem Dorfe in der Nähe von Magdeburg gestorben, ein unbeweibter, stiller und bei aller Milde trüber Mann, der nicht vergessen noch verwinden konnte. Sein Andenken aber blieb dort, wo er in seiner Jugend gelehrt und gewirkt, lange noch in Ehren und unvergessen; selbst dann, als sich unter seinem harten und zornigen Nachfolger die Leute von Klein-Krasna fast sämtlich der neuen Lehre zugewendet.

 

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