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Jakob Julius David: Die Hanna - Kapitel 5
Quellenangabe
typenovelette
booktitleNovellen
authorJakob Julius David
year1995
publisherResidenz Verlag
addressSalzburg und Wien
isbn3-7017-0943-2
titleDie Hanna
pages177-232
created19991010
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Wieder das Lächeln. Und nun schlägt sie die Augen langsam auf, und ich erstaune. Groß sind sie und blau und sehr schön und voll von einem warmen Licht, ganz von innen heraus. Und das ganze Gesicht ist anders; und es steht eine Seele darin, die nur noch nichts von sich selber weiß. Und nun hör' ich auch erst, wie hübsch und wie sanft sie spricht: ›Wie sie mir der liebe Gott gegeben hat, so sind sie halt. Und ansehn darf man sie – warum denn nicht, Herr Florian?‹ Und es ist gar keine Befangenheit an ihr.

Sie hat sich nur so, denk' ich mir. Damit ich mich wunder', daß sie so ganz ohne Eitelkeit sein soll. Denn sie verblüffen einen und verstehen das von Kindesbeinen und sind überhaupt viel listiger und verstellter, wie wir. ›Tu nicht so, Hanka, du weißt ganz gut, sie sind schön.‹

Sie senkt sie wieder, und das ist nicht anders, wie wenn die Sonne weg ist hinter einer Wolke und die Ebene, die eben noch gelacht hat vor dir und verheißend war in ihrer Farbigkeit, ist grau und traurig und ohne Glanz. Und das verdrießt mich gar sehr und ich werde heftig: ›Steh mir nicht so da! Ich mag dich nicht sehen, wie die Witwe, die ihren Mann unter der Erde sucht.‹

Kein Wort, woher ich denn das Recht nehme, so mit ihr herumzuschaffen. Sie ist stumpf und dumpf, denk' ich mir, und dumm überdies, und der Teufel weiß, wo sie ihre Augen her hat. Soll sie sie meinethalben gestohlen haben. Und ich bin ärgerlich über mich und über sie und über meinen Bruder, und es freut mich den Tag gar nichts, und sie geht wieder an ihre Sache und jätet weiter, und wie es ihr schwül wird, so tut sie die Jacke von sich, und ich in meinem Zorn denk' an eine Kuh, die grast und sich auch hebt und bückt und weiter an nichts denkt und auch schöne und sanfte Augen an sich hat. Aber da steckt doch etwas anderes darinnen, muß ich mir in aller meiner Galligkeit denken.

Das ist so weiter gegangen. Und manchmal hab' ich das Mädel den ganzen Tag nicht gesehen, wenn auf dem Felde draußen zu tun gewesen ist. Natürlich, dann hat sie mir gefehlt. Denn ein neues Gesicht ist immer eine Auffrischung, und man gewöhnt sich sehr bald daran. Am Sonntag, ehe sie in die Kirche gegangen ist, kommt sie mir auch zum Zaun. Da hat sie sich offenbar in ihrem Staat zeigen wollen, und der hat so etwas Steifes an sich mit den kurzen, rauschenden Röcken über den roten Strümpfen. Scheußlich, kann ich dir sagen, gerade bei ihr. Denn sie hat das Schmiegsame von einer Weidengerte. Also, denk' dir das aus. Aber ich find' mir auch nichts, was sie anziehen sollte.

Sie ist nicht dumm, und sie ist wieder nicht klug. Sie lebt wie eine jede und hat dennoch ein Gefühl, als wäre sie etwas anderes und besseres. Und eine traurige und ernste Stimme hat sie, voll Gutmütigkeit, die man sich nicht zornig denken kann, und ist ganz allein. Und sie sieht sehr gut und richtig und denkt nach, und sie singt gerne. Und dazu hat sie diese Augen, von denen ich dir doch schon gesprochen habe, und ein Lächeln, ganz von innen heraus, ganz merkwürdig. Es wird einem warm dabei, und man möcht' es immer wieder sehen, wie es so schüchtern kommt und um die Lippen spielt und in den Augenwinkeln kleine Fältchen macht, ganz kleine, die gar nicht nach Alter aussehen. Junge Mütter haben sie, wenn sie ihr Erstes recht herzlich vor sich haben. Und ich weiß nicht einmal, ob sie hellauf sein kann und lustig. Und sie ist sehr leicht zum Weinen zu bringen; und wenn ich sie rufe, so kommt sie und sieht sich sehr ernsthaft an, was ich gezeichnet hab', und sie geht, wenn sie glaubt, ich hab' genug von ihr, und es ist etwas ganz Wehrloses an ihr.

Ist sie immer so oder nur bei mir? Man denkt doch über solche Fragen nach. Denn sie ist gesund, und sie kennt keine Launen. Und daß Mädchen in diesen Jahren oftmals nachdenklich werden auch ganz ohne allen Grund, dieses weiß ich. Und sie hört zu, wenn man ihr etwas erzählt, und sie tut, als möchte oder als wollte sie's durchaus verstehen. Und einmal verplaudern wir uns so – denn ich hab' natürlich viel gewußt, was für sie ganz und gar neu gewesen ist – und sie vergißt ans Nachtessen, und die Mutter ruft: Hanka! und noch einmal und schon geärgert: Hanka!, weil sie sehr jähzornig war, und das Mädel geht recht zögernd und das Blut steigt ihr ins Gesicht. Ja, warum wird sie nur rot? Denn wir hatten nichts getan und nicht ein Wort gesprochen, das nicht jeder hätte hören können. Waren ihr nur Gedanken aus sich selbst gekommen? Sie hat sich sehr beherrscht. Und wieder ein andermal, wie ich ihr zum erstenmal die Hand geb', so wird sie mir wieder so rot und läßt sie mir lang, und wie sie dann geht, so hält sie die Hand immer wieder und wie wundernd vor die Augen und versteckt sie in der Schürze, wie sie ihre Mutter trifft.

Das sind so Eigenheiten. Ein jeder hat sie an sich, und man soll nicht an sie rühren, weil man sonst an ihn selber rührt. Und sie kommen bei ihr ganz unversehens und ganz wie notwendig; und man kann sich sehr bald nichts wegdenken von ihr und empfindet sie als eine Abgeschlossene. Das gibt eine sonderbare Beruhigung, mit der man sich freut und von der man immer mehr seinen Anteil haben und genießen möchte. Man gewöhnt sie sich an.

Oder, es ist sehr mild und frühzeitig sommerlich geworden. Und es war ein Abend, wo die Jugend ausschwärmt durch das Dunkel. Und der Mond steigt auf, und mich treibt es um, der ich einsam war und mir keine zweite gewußt hab'. Und da ist ein Wässerlein, und ich hör' der Hanka ihre traurige Stimme. Ganz allein sitzt sie da, verborgen von den alten, sehr verknorrten Weiden, die da zusammen stehn, und sie singt vor sich hin, und zwar nichts, nur Kinderlieder, und ihr Gesicht ist im Schatten, und nur die Augen leuchten vor. Und ich nehme ihre Hand, und sie rückt zu und sie läßt sie mir. Der Mond steigt höher und höher; und es sind Reflexe im dunkeln Wasser, manchmal wie silberne Schüsselchen oder als hätte man lauter weiße, glitzernde und unruhige Schuppen darüber hingestreut, und es atmet manchmal durch die Nacht, wie ein recht müder und ruhender Mensch aufschnauft, und der Himmel steht sehr hoch und schwarz über uns. Es war uns gar nicht zum Reden; sie singt nur weiter, und ich horche, und uns fröstelt beide mit dem Frost, wovor sich eines beim anderen schützen möchte, und wir fühlen uns sehr einsam, wie wir heimgehen, und überall um uns sind sie zu Paaren...

Dann haben wir uns einmal in einem Buchweizenfeld getroffen. Das hat eben geblüht, und ich hab's probieren wollen, ob das nicht herauszukriegen ist. Das ist gar nicht leicht. Denn seine Farbe ist sehr zart und dennoch bestimmt, und die Stengel haben etwas Starres an sich. Man denkt an Teppichmuster davor. Der Tag war so heiß, und es ging zu Mittag, und kein Mensch war auf den Feldern; aber die Bienen haben geschwärmt in Unzahl und mit dem hastigen und tieferen Summen, wie sie es an sich haben, wenn es bald gewittern will. Und ich sehe sie an, und sie wird rot. Und ich ziehe sie an mich, weil ich muß, ich küsse sie auf den Mund, und sie hält still und tut die Augen zu und atmet sehr tief und sonderbar ruhig, wie eines, das so einschlafen möchte. Dann zuckt sie schmerzhaft zusammen. Und erst wie wir gehen, und von überallher war ein Mittagsläuten und verweht sich mit dem vielen Gesumm um uns, erst da merk' ich: ihre Hand schwillt an. Eine Biene hat sie darein gestochen, und sie hat keinen Mucker getan, trotz des Schmerzes. So eigen war sie aber in allem, meine Hanka, in allem, kann ich dir sagen.

Dann hat sie sich mir gegeben. Ohne daß wir einmal davon gesprochen haben, wir hätten uns lieb oder wie das einmal mit uns werden will. Es war eben ihre Zeit gekommen, und der Mann war da, zu dem sie gehört hat. Und wir waren miteinander sehr glücklich und haben Monate gehabt, wie man sie nicht oft erlebt, wenn einem auf der Welt auch alles Glück beschieden und vergönnt ist. Denn wir waren sehr jung, und wir haben einander sehr gern und immer lieber gehabt.

Und sie war vollkommen ohne Wunsch. Nicht einmal gewußt hat sie, was sie sich verlangen soll, wenn ich einmal angefangen hab', ich möcht' ihr was schenken. Mit mir aber ist es täglich anders geworden. Denn der Künstler ist in mir aufgewacht mit seiner ganzen, großen und nicht zu bändigenden Sehnsucht. Ich habe eine Geliebte gehabt, wie man sie sich nur wünschen kann. Voll Hingebung und Güte und Bescheidenheit, immer zärtlich nach ihrer Art. Aber mir ist das nicht genug gewesen und immer minder erschienen. Denn ich habe immer sicherer geglaubt, sie ist das, was ich brauche, wenn ich in meiner Kunst der werden soll, der ich sein könnte.

Und nun war sie in aller ihrer Liebe und Hingebung von einer Schamhaftigkeit und Keuschheit, die sich nicht besagen läßt. Durchaus Weib und dennoch ein Mädchen voll ängstlichen Schämens.

Wie ich ihr zuerst erklärt hab', was ich von ihr wollen möchte, da ist sie ganz rot geworden, hat mir den Mund zugehalten, so ganz allein wie wir waren, und mit dem Kopf hat sie geschüttelt, ohne allen Zorn, aber so, daß ich gesehen habe, das kränkt sie im innersten Herzen.

Überhaupt, was lieben wir am Weib am meisten? Was reizt uns? Seine Schamhaftigkeit. Und eben das zerstören wir sonst durch unsere Liebe. Hier ist es geblieben. Und dennoch hab' ich's immer wieder probiert, und immer ohne Erfolg. Und weil ich gemeint hab', sie müßte mich doch endlich verstehen lernen und daß es nicht Neugierde ist, sondern etwas Höheres, daß es um mich selber geht und um meine ganze Kunst, so hat das mich geärgert, und ich hab' von Eigensinn gesprochen und von Bauerndummheit, die nichts versteht, was weiter reicht, als die eigene Nase; bei ihr also schon gar nicht weit.

Sie hat mich schelten lassen, ohne ein Wort der Entgegnung. Überhaupt, sie war nicht zornig zu machen. Und das hat mich auch geärgert, und ich hab's für Stumpfheit genommen. Nur etwas Ängstliches hat sie dabei in den Augen gehabt, so wie es nämlich Kinder haben, wenn sie etwas schlecht machen und verfehlen, und sie wissen nicht wieso und fürchten sich, sie werden es das nächste Mal wieder versehen.

Aber los können hab' ich nicht mehr von ihr. Ich hab' es nicht einmal gewünscht oder daran gedacht. Und man hat so manchmal ein Gefühl, als wär' ein Mensch ein Schicksal für einen, und das ist dann immer richtig und wir sollen nur nicht klüger sein wollen als das, was da aus uns spricht, und es nehmen, wie es ist und mit einer geheimen Stimme flüstert in uns, oder wir zerreißen die Fäden, mit denen uns vielleicht unser gutes Glück umspannen, einfangen und an eben dieser gewissen Stelle festhalten wollte. Sagen, wie das ist, läßt sich das durchaus nicht. Das muß man spüren und bescheiden hinnehmen.

Je weniger die Hanka sonst aber zu wünschen übriggelassen hat, desto mehr hat mich dieses eine Verlangen gemartert und gepeinigt. Ich habe sie damit drangsaliert, und jede gute Stunde, die man hätte genießen können, hab' ich uns zerstört. Ohne jeden Nutzen. Ich habe geschmollt und bin ihr ausgewichen. Sie war sehr traurig und hilflos. Ich habe sie gerufen, und sie ist wieder gekommen – gottlob und leider Gottes ganz die alte. Und ich hab' mir gedacht, sie wird mich begreifen, sie muß es und aus freien Stücken überdies, sonst ist es nichts; und vor diesem Gedanken, der nicht wirklich werden will, bin ich immer stutziger und zerfahrener geworden.

Dann hab' ich mir gedacht: gewöhnt man einander, ist man erst immer zusammen, so wird das ganz natürlich und ohne vieles Reden anders. Und weil ich sie doch von ganzem Herzen lieb gehabt hab', und weil man sich sonst wahrhaftig kein besser Weib wünschen oder ersinnen konnte, und weil ich gespürt hab', alles in mir ist nicht für die Stadt, vielmehr fürs Dorf und nur da kann ich was Rechtes und aus mir heraus werden, und weil man da eine braucht, die hierher gehört und über alles Bescheid weiß, und keine Städterin, die sich immer verbannt fühlen möchte und als das Opferlamm, und weil man alt genug dafür war und keine Sorgen zu fürchten hatte, so hab' ich sie halt gefragt, ob sie mich heiraten möchte. Sie hat mit dem Kopf geschüttelt: ›Florian, tu's lieber nicht! Es wär' ein Unglück!‹

›Und warum denn, Hanka?‹

›Kann ich nicht sagen, Florian. Aber mir kommt es so vor.‹

›Ach was‹, und ich zucke die Achseln, ›das ist nur so geredet. Oder hast du mich nicht lieb?‹

Sie gibt keine Antwort. Nur angesehen hat sie mich sehr tief mit ihren schönen Augen, und ihr sind darin die Tränen gestanden. Und sie nickt und hascht meine Hand und küßt sie: ›Du darfst nicht glauben, ich hab' nicht oft und oft selber daran gedacht. Und ich dank' dir sehr, daß du mir gesprochen hast davon. Gar sehr freut es mich, daß du damit gekommen bist. Aber immer, wenn ich mir's vorgestellt hab', so hat es mir einen Stich gegeben in mir. Das darf nicht sein. So bin ich gut für dich. Und so kann dich keine lieber haben, wie ich. Aber anders wär's nicht gut. Ich bin zu dumm und zu eigensinnig für dich.‹

›Zu eigensinnig? Du, Hanka?‹ Und ich muß lachen.

Sie nickt sehr ernsthaft mit dem Kopf und fingert: ›Nämlich, du kennst mich nur noch nicht recht, Florian.‹

›So, kenn ich dich nicht?‹ Und ich will sie an mich ziehn.

Sie wehrt sich und zählt her: ›Sehr eigensinnig bin ich, Florian. Frag' nur die Mutter. Und mir will nichts leicht in den Kopf – frag' den Herrn Lehrer, was ich mich gemartert hab' in der Schule. Und ich bin verstockt – dies weiß der Herr Katechet; denn ich begreife nicht einmal, daß ich mich versündigt hab'. Und was einmal in meinem Kopf drinnen ist, das will gar nie mehr heraus, und es nützt kein Reden.‹...

›Und sonst bist du nichts?‹ Und ich küsse sie herzlich und übermütig.

›Sonst weiß ich nix.‹

Mein Bruder, wie ich's ihm erzählt hab', war sehr glücklich. Denn er hat das immer gewünscht, weil er gesehen hat, ich komme kaum mehr fort von zu Haus, und weil er mich und sie sehr gerne gehabt hat. Und eigentlich hat er sich's niemals anders vorgestellt. Und ihre Eltern haben natürlich auch nichts dagegen gehabt, und zum Herbst haben wir eine große Hochzeit gemacht, und gleich darauf ist die Hanka, wie sich's gehört, mit ihrer Mutter wallfahrten und bitten gegangen. Während sie fort waren, hab' ich allerhand angeordnet an unserer Einrichtung. Sie war, wie sonst bei Bauersleuten; nur für viel Licht hab' ich gesorgt, und was mir nicht gefallen hat, weil es den Raum vermufft oder nicht hübsch ist, das ist eben weggeblieben und anderes dazugekommen. Sehr wohl, sehr heimelig und freundlich hat's ausgesehen bei uns. Ein jeder, der gekommen ist, hat den Unterschied gemerkt, und keiner konnte sagen, worin er eigentlich war.

Und wie sie zurückgekommen ist, so hat sie freilich gestaunt. Aber sehr gefallen hat es ihr auch, und sie hat sich zu Haus gefühlt und zurecht gefunden, sowie sie ihren Rosenkranz beim Weihbrunnkesselchen an der Türe aufgehangen hat, und fängt mit einer ordentlichen Lust zu wirtschaften an. Und das hat sie verstanden, wie eine, ganz ohne Wesen und ohne Lärm. Niemals konnte sie müßig sein, und immer war sie ohne Eilfertigkeit. Und überaus sauber auf sich und auf alles war sie, und ich habe kaum verstanden, wie man in einem Hausstand gar so wenig Geld verbrauchen kann.

Ganz besonders war dieses merkwürdig an ihr, wie nämlich die Tiere an ihr gehangen sind. Da war mein Spitz, den ich doch schon lange genug gehabt hab', noch dazu, wo wir zwei allein zusammen in den Beskiden gewesen waren, daß er, klug wie er ist, sich hätte merken können, zu wem daß er eigentlich gehört. Der ist ihr nicht von der Seite; überallhin ist er ihr nachgelaufen und hat gebettelt, damit sie ihm schöntut.

Es hat ja auch Verdruß gegeben. Wo denn nicht, wenn man miteinander leben muß? Aber er hat sich niemals gehalten. Immer hat sie eingelenkt, so geschickt, daß man nicht schmollen konnte; und sie hat sich wohl gedacht: er ist kurios, gut! Aber er ist halt von einem anderen Geschäft, das ich nicht so ganz versteh', und er hat Raupen im Kopf, die man nicht stören soll. Denn es werden vielleicht über eine Zeit schöne Schmetterlinge daraus.

Hat sie Zeit gehabt, so hat sie mir gern zugesehen, wenn ich gezeichnet hab' oder radiert. Denn ich hab' immer neues probiert, weil nur der eine Kunst kann, der mindestens Bescheid weiß in allem, was zu ihr gehört. Und weil ich zufriedener war, wie nicht seit langem, weil mir das neue Wesen um mich Spaß gemacht hat und ich froh war, endlich einen Menschen um mich zu haben, der zu mir gehört und sich um alles kümmern muß, was mich angeht, so ist mir manches besser geraten, und mir war recht wohl.

Einmal frag' ich sie: ›Möchtest mir denn nicht helfen, Hanka?‹

›Möcht' ich! Sehr gern,‹ ganz hastig. ›Aber ich kann's doch nicht.‹

›Könntest du schon.‹ Und ich seh sie eigen an. Sie wird rot und betrübt und läuft aus dem Zimmer, und ich hab' ihr wieder eine Zeit Ruhe gegeben, weil ich erkannt habe, sie will durchaus nichts davon wissen.

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