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Die gute alte Zeit

Alice Berend: Die gute alte Zeit - Kapitel 26
Quellenangabe
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typeessay
authorAlice Berend
titleDie gute alte Zeit
publisherMarion von Schröder Verlag
printrunErste Auflage
year1962
firstpub
correctorfranka.antenne@gmx.de
senderwww.gaga.net
created20090515
projectid0681f866
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Schlußkapitel

Eine neue Generation war da. Sie ist uns zu nah, als daß wir sie kennen können. Sie wurde nicht mit Kuchen großgezogen und nicht mit Schokolade. Und doch ist der Tanz ihr Rhythmus. Nicht die Drehung des Walzers. Im langsamen Schritttanz unserer Antipoden versuchen sich die Heutigen vom Schnellauf ihrer rastlosen Tagestätigkeit zu befreien, mit der sie ihre Tanzminuten erkaufen müssen.

Sie sehen die Natur nicht mehr als Kunstgegenstand an. Nicht ihre eigene und nicht die da draußen. Sie sind ebenso vertraut mit ihr, wie es die Vorfahren mit ihrem Canapée waren. Sie ersetzt es ihnen.

Der Sport ist ihre offene Waffe gegen die Herkömmlichkeit vergangener Gewohnheit, die sich das Recht behäbiger Bequemlichkeit wieder zurückerobern möchte.

Es mag paradox klingen, aber der Sport wird der Weg zu neuer Geistigkeit sein.

Das Ideal der Bürgermasse ist heute der Held, das beweist die brausende Begeisterungseinigkeit, die Lindberghs Flug von Amerika nach Europa auslöste. Tausende von Mädchen und Frauen aller zivilisierten Länder boten dem kühnen Flieger ihre Hand an.

Das ist wohl das Konträrste, das die neue Bürgerlichkeit den früheren Zeiten entgegenzusetzen hat: die veränderte Frau. Eine Mutter künftiger Geschlechter, die plötzlich auch draußen im Leben Bescheid weiß, die rechnen kann und laufen und turnen und Kamerad zu sein versteht.

Sie ist die lebendige Überraschung neben den vielen maschinellen Wundern dieser «transitorischen» Zeit, ist ihr Problem. Wie werden sich ihre Söhne und Töchter das Leben gestalten? Wo wird der Spießbürger bleiben? Wird er wiederkommen? Ist er vielleicht noch da? Ist doch er es, der da boxt, turnt, autelt, radiowellt, filmt und Verjüngungstheorien ausprobt, der zwischen Gradlinigkeit neuer Fabriken, den Würfelbauten neuer Häuser nicht vergessen will, daß es Nachtigallen gibt, Blütenbäume, Muscheln, Alpenfirnen, der ewige Clown aller Zeiten, der Held sein möchte oder gar Heiliger, und dem es nicht einmal gelingt, Mensch zu sein ... Wer kann es wissen?

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