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Die Gred

Georg Ebers: Die Gred - Kapitel 32
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Gred, I. Buch
authorGeorg Ebers
year1889
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart, Leipzig, Berlin, Wien
titleDie Gred
pages1-9
created20021107
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1889
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Dreizehntes Kapitel.

Am folgenden Morgen zeigte die Base in fast ergötzlicher Weise, wie ernst sie es mit der künftigen Dürftigkeit nehme, maßen sie der Bäuerin, die uns die Butter brachte, ein einzig Wecklein abnahm, den Metzgergesellen heimsandte, ohne Fleisch zu bestellen, und sich beim Frühmahl enthielt, das Morgenbrot in gewohnter Weise mit Butter zu streichen. Auch des Kettleins und der großen güldenen Spange, die sonst schon in der Frühe wie des Türmers Licht von ihrem Busen glänzte, hatte sie sich entäußert, und während ich die Suppe löffelte, wies sie mir das Kästlein, worin sie alles zusammengehäuft, was sie an Ringen, Spangen und dergleichen besaß, da sie willens, es nachher auf der Ratswage wiegen und sodann durch den Goldschmied schätzen zu lassen. Da ich sie hienach ersuchte, mit meinem Geschmeide das Gleiche zu thun, wies sie solches zurück, maßen die Jugend des Schmuckes schwerer entrate, und es sich erst zeigen müsse, einen wie großen Teil des Lösegeldes der Großohm auf sich nehme.

Da macht' ich mich denn gemäß dem Abspruch von gestern abend an die Erfüllung der harten Pflicht, dem alten Herrn die übele Kunde zu bringen und ihn bescheidentlich der Zusage zu gemahnen, für des Herdegen Lösung zu sorgen.

Es regnete heftig, und ein feuchter Westwind pfiff durch die triefenden Gassen. Es gab ein mühevoll Waten, und wie ich endlich das Im Hoffsche Haus betreten, rief mir Meister Ulsenius von der Treppe aus zu: »Fürsicht, Jungfrau Gred! Drinnen herrschet noch böser Wetter denn draußen!«

So erwartete ich denn von vornherein nichts Gutes, wie ich des glühheißen Krankenzimmers Schwelle betrat, doch es sollte noch böser kommen als ich erwartet; denn sobald der Großohm meiner ansichtig wurde, zog er die Stirn kraus, der Blick seiner hohlen Augen gewann einen zornigen Glanz, und ohne meinen Gruß zu erwidern, kreischte er mich an: »Ihr hoffet, der Alte werde vor eurer Abenteurerfahrt in die Ewigkeit abgehen! He? Doch Ihr irret! Die Zeit, die mir vergönnet, reicht wohl noch aus, euch zu weisen, mit wem Ihr's zu thun habt, wie sie genügte, mir Euch in der wahren Gestalt zu zeigen. Wo ich auf treue Herzen und verständigen Sinn gezählet, was hab' ich gefunden? Lieblose und tückische Heimlichkeit, und dazu erbärmlichen Unverstand und Anschläge, wie sie nur Tollhäusler spinnen!«

»Aber, Ohm, so höre doch!« wollt' ich ihn unterbrechen, und die Ahnung. die sich später als begründet erwies, stieg in mir auf, daß die Henneleinlein ihm oder ihrer Vertrauten, der Schaffnerin, gestern abend alles verraten, was sie auf der Forstmeisterei erlauschet; er aber ließ mich nicht ausreden, sondern fuhr fort zu schmähen und zu klagen, und unterbrach mich oft genug, wie ich endlich wieder zu Worten kam und ihm zu Gemüte führte, daß wir unsern Entschluß, in die Weite zu fahren, ihm nur verschwiegen, um ihn vor vorzeitiger Sorge zu wahren. Wie er uns auch schmähe, das werde er zugeben müssen, daß wir uns bisher als schamhafte und ehrenfeste Jungfrauen gehalten; nun aber handele es sich um Freiheit und Leben derer, so unserem Herzen die Nächsten . . .

Hier unterbrach er mich mit einem höhnischen Lachen und rief, zu selbigen gezählet zu werden, dürfe er sich freilich nicht schmeicheln. Er habe ja ohnehin erkannt, daß wenn wir ihm Samariterdienste geleistet, solches nur geschehen sei, um ihm das Lösegeld für den verkommenen Bruder und Liebsten aus der Tasche zu ziehen. Eitel Lug und Gleisnerei sei jeglich freundlich Wort gewesen, so wir ihm vergönnet; und schlimmer denn wir beide zusammen, hätt' es die krumme Hexe im Forste und die alte Vogelscheuche getrieben, die sich berühme, Mutterstelle an uns zu vertreten.

Bis dahin hatt' ich alles geduldig über mich ergehen lassen, nun aber ward es dem heißen Schopperblute zu viel, und meiner selbst nimmer mächtig, brach ich los und verwies ihm zornmütiglich dergleichen schnöden Verdacht. Wenn nicht sein Alter und Leiden Barmherzigkeit heischten, würd' ich nach solcher Schmähung auch von der Ann fordern, die Schwelle eines Mannes nimmer zu betreten, der uns und die braven Frauen, denen wir zu großem Dank verpflichtet, so böslich lästere.

Außer mir und mit glühenden Wangen hatt' ich selbige Worte gerufen, und erst wie ich den Großohm mich anstarren sah wie ein Wunder, gewann ich die Mäßigung zurück und hielt plötzlich inne, maßen es mir durch den Sinn schoß, daß ich der Brüder Sache verleugnet wie Petrus den Herrn, nicht aus Menschenfurcht, wohl aber, um dem verletzten Trutz Genüge zu leisten.

Doch ich hatte noch nicht lange geschwiegen, als der gestrenge Mann mit flehentlicher Bitte ausrief:

»Nein, Gred, in aller Heiligen Namen, nein! – Du wirst mir die Ann nicht entfremden! Wie hart Du doch sein kannst, wie wüst, und solches gegen einen todmüden Greis am Rande des Grabes! Was hat mir denn die bitteren Worte auf die Zunge geleget als die Angst und Sorge um Euch, die mir wahrlich noch der einzige Trost, das einzige Liebe auf Erden? Und wenn ich nun wiederhole: ›Ich lass' Euch nicht ziehen! Alles, alles setz' ich ein, um Euch abzuhalten, in ein sicher Verderben zu rennen,‹ wirst Du dann mir abermals dräuen, mich allein zu lassen im Elend, und mir auch die Ann zu entziehen?«

Da redete ich denn zum Guten, so warm ich nur immer vermochte, und versicherte auch, daß die Ann keinen Fuß vor das Thor der Stadt setzen werde, bevor der Herr Kardinal nicht durch ein anderes den Einzug in Nürnberg gehalten und ihn mit seinem Segen getröstet.

Da fuhr der alte Herr freudig auf, erinnerte mich freiwillig an sein Versprechen, einzustehen für des Herdegen Lösung, und solches klang gar minniglich und erfüllte mich mit warmem und aufrichtigem Dank, also daß ich seine hagere Hand erhob und einen Kuß darauf drückte. Doch die gräßliche Höhe des Lösegeldes war ihm noch nicht mitgeteilt worden, und wie ich mich eben anschickte, ihn darauf vorzubereiten, trat die Ann in das Zimmer, und sobald der Großohm sie gewahret, rief er laut und frohgemut: »Gott zum Gruß, süße Maged, 's ist alles wieder im reinen. Ihr lasset von eurer Thorheit, und ich – ich zahle die Lösung!«

Da eilte auch die Ann auf ihn zu und dankte ihm mit überströmendem Auge und Munde; auch brachten wir ihn allgemach so weit, daß er ausrief: »Nun, ihr Kinder, eines Königreiches wert wird man ja doch wohl solch leicht Schopperisch Singerblut nicht schätzen!«

Jetzt faßte die Ann sich ein Herz und teilte ihm mit, daß die Ursula den Herdegen schändlicherweise für einen der Reichsten in Deutschland gestempelt, und den Sultanus also veranlaßt, die unerhörte Summe von vierundzwanzigtausend venedigschen Zecchinen zu fordern.

Da war das Wort denn gesprochen, und es übte wiederum eine ganz andere Wirkung auf den Großohm als ich vermutet; denn statt sich zu entsetzen, lachte er auf: »Das wäre mir ja etwas ganz Neues! Ihr habet Euch eben mehr um die welsche Poeterei gekümmert, Ihr Kinder, denn um das Mein und Dein, so doch die Achse, um die alles sich drehet. Mit der unbändigen Zahl wird's wohl seine Richtigkeit haben, doch auf dem ägyptischen Markt rechnen sie nur im Verkehr mit den Franken nach venedigschen Zecchinen; von den dort gangbaren Dirhemen gehen etwa dreizehn auf solchen Goldfuchs, und so hätten wir denn – der alte Kaufmannskopf hat das Rechnen auch auf dem Siechenbett nicht völlig verlernet – etwa – wartet ein wenig – etwa eintausendachthundertsechsundvierzig Zecchinen; und das ist immerhin ein Lösegeld von gewaltiger Höhe, wie es nur selten für einen Herren vom höchsten Adel gezahlt wird. Vierundzwanzigtausend Zecchinen!« – und dabei lachte er abermals hell auf, – »das spricht sich leicht aus, ihr Kinder, doch Ihr ahnet ja nicht, was es bedeutet. Glaubet nur, daß mancher wohlbehaltene Kaufherr zu Nürnberg einem blühenden Handel vorstehet, und es doch mit ihm aus wär', hätt' er auch nur die Hälfte Eurer vierundzwanzigtausend Zecchinen auf einem Brette zu zahlen!«

Da nahm ich das Wort und vermeldete ihm, wie der Eppelein sich die Zahl ins Gedächtnis gepräget, und daß es mit ihr wie mit den Zecchinen volle Richtigkeit habe; denn damit er sich auch wegen dieser Münzgattung ausweisen könne, hatte ihm der Herdegen eingepräget, es handele sich um güldene Dukaten jener Art, deren er drei, in rotes Zeug gewickelt, der Kunz und ich aber zwei als Pathenpfennige im Sparkästlein hätten.

Während selbiger Rede war große Unruhe über den greisen Herren gekommen, und sein wachsfarben Antlitz ward mit jedem Augenblick fahler. Indem er sich mit den Armen auf den Lehnen des breiten Sorgenstuhles so hoch aufrichtete, daß es uns mit Staunen erfüllte, wandte er den gläsernen Blick ins Weite und stammelte immer in der nämlichen erhobenen Stellung: »Das, das . . . Es ist . . . Gestern noch, gestern . . . Der Leibhaftige selbst . . . Vierundzwanzigtausend venedigsche Zecchinen sind es denn wirklich . . . Und ich . . . Wie lautete das Wort? . . . Was der alte Im Hoff verheißet, das hält er . . . Doch nun . . . Wenn Ihr Euch anders gegen mich erwiesen . . . Wäret Ihr wie gute Töchter in rechtem Zutrauen beizeiten zu mir gekommen . . . Noch gestern . . . Ich hätte . . . Ja. vielleicht wär' ich . . .«

Hienach brauste er ingrimmig auf: »Aber wer ist mir denn hold? Wer nahet mir wohl in echter Minne und redlichem Zutrauen? Keines, keines! Die Ursula . . . Der Bube, den ich von Kind an . . . Und Ihr, – Ihr beide, wie habt Ihr . . . Ja, gestern, gestern . . . Doch heute! Vierundzwanzigtausend Zecchinen!«

Dabei brachen ihm die Arme jach zusammen, und mit dem erdfahlen Haupt auf der Achsel blieb er in tiefer Unmacht in dem Sorgenstuhle liegen.

Während wir nun alles thaten, um ihn neu zu beleben, und ein Knecht den Arzt, ein anderer den Beichtiger herbeirief, nahm ich wahr, daß die linke Seite des Großohms eine seltsame Starrheit befallen; doch seines siechen Lebens mattes Flämmlein brannte noch immer.

Nachdem ihm Meister Ulsenius sodann mehrfach die Ader geschlagen, richtete er das rechte Aug' in die Höhe, und nachdem er mehrfach »Buch« und wieder »Buch« gestammelt, nahmen wir durch mancherlei Anzeichen wahr, daß er »Wasser« meine und in wunderlicher Wirrnis die Worte verwechsele. Also ging es weiter, bis sein oberster Beichtiger, der Herr Leonhard Derrer, des Dominikanerordens altehrwürdiger Prior, mit dem Mesner erschien, um ihm die letzte Oelung zu reichen.

Wie selbiger nun dem Verscheidenden mit dem Allerheiligsten nahte, gab es so Betrübendes und Erschreckliches zu schauen und zu vernehmen, daß ich des nicht vergessen will bis ans Ende; denn statt das heilige Sakrament in dankbarer Demut in Empfang zu nehmen, wies der Großohm den Herrn Prior, der ein weißbärtiger Greis von strengem, Ehrfurcht gebietendem Ansehen, aufsässig und voll unbändiger Feindseligkeit zurück, indem er ihm die seltsamsten Worte, so er gewiß anders gemeinet, entgegen stöhnte, solches aber in einem Ton und einer Haltung, die sicher kundgab, daß er sich des Gottesboten zu erwehren trachte. Dabei gelang es ihm bisweilen, das dienstkräftige Auge auf die Ann zu wenden, und wenn er auch sonst das eine Wort mit dem andern vertauschte, glückte es ihm dannocht zu wiederholtenmalen, des Herrn Kardinals Namen und seines heiligen Amtes Titel ihr ungeduldig und heischend entgegenzustammeln, also daß wir leichtlich erkannten, was seine Meinung, und daß er von keinem anderen denn von dem hohen Prälaten die Wegzehrung in Empfang zu nehmen gewillet.

Aber solches dem Herrn Prior anzuvertrauen, wollte uns wie ein Verrat an dem Sterbenden dünken, der sich uns noch in der letzten Stunde so huldreich erwiesen.

Ja, es drängte uns, ihm alles Liebe zu erweisen, und die Ann ließ seine Hand nicht aus der ihren und flüsterte ihm mehrfach zu, er möge sich nur aufrecht halten; denn der Herr Kardinal sei allbereit unterwegs und werde bald kommen. Der Herr Prior aber zeigte eine wahrhaft christliche Langmut und war dabei der Meinung, des Dahinscheidenden Geist sei schwerer getrübet denn es in Wahrheit der Fall. Ohne des Dräuens und der Auflehnung des Sterbenden zu achten, verharrte er darum auch auf dem Posten, und nachdem des Greises Rechte den Händen der Ann todesmatt entsunken, verwies er uns des Gemaches.

Nun vernahmen wir durch die Thüre des Priesters segnende, betende, die Vergebung der Sünden verheißende Stimme, in die sich freilich von Zeit zu Zeit des Großohms grollender Widerspruch leise und doch grauenerregend mischte.

So oft er die frommen Worte des Priors unterbrach, überlief uns ein Schauder, und da wir am letzten Ende nur noch das Glöcklein und des Priesters Stimme vernahmen, überkam uns ein sonderbar Grausen bei derselben Handlung, die doch sonst das Gemüt auferbauet und tröstet.

Eine gute Weile hatten wir in brünstigem Gebet für die arme, gefährdete Seele des Sterbenden verbracht, als sich die Thür wiederum öffnete, und der Herr Prior mit lauter Stimme kund that, der edele Freiherr und Ritter Sebald Im Hoff sei nach Empfang der heiligen Sakramente eines seligen Todes verschieden.

Durch Christi und der Jungfrau Gnade, dacht' ich bei mir, vielleicht eines seligen, eines sanftseligen Todes leider gewiß nicht.

Solches betätigten auch des Abgeschiedenen bleiche Züge; denn wo es mir im späteren Leben beschieden, in eines Dahingegangenen Antlitz zu schauen, fand ich immer, daß ihm der Tod das Ansehen gelassener Milde verleihe, also daß der Leute Rede wohl verständlich, es habe des Todes Engel den Verschiedenen geküsset, während des verstorbenen Großohms Angesicht dem eines Mannes gleichsah, dem ein Mächtigerer die Ehre gekränket, und der solches mit stillem, finsterem Groll auf sich genommen.

Da drängte uns denn alles was in uns, wieder und wieder für ihn zu beten; doch wie immer bei dergleichen Anlaß verschlang zunächst manche äußere Sorge das andere. Denn sobald sich die Kunde von dem Ende des fürnehmen Greises verbreitet, strömten viele zusammen, mit denen er im Leben verkehret, und dazu Abgesandte vom ehrbaren Rat, Bedienstete mit Siegelwachs und Petschaft, Leichenbitter, Nachbarn und andere gute Leute, und darunter zahlreiche Mönche und Nonnen.

Endlich erschien auch der Herr Doktor Holzschuher vom Rate, des Großohms Notarius, der einer der trautesten Freunde unseres Vaters selig gewesen und alles in allem ein Mann von so kernfester, aufrechter Art, daß ich mir nichts Treffenderes wüßte denn des Herrn Kardinals Wort, er gemahne ihn der Eichen des deutschen Forstes.

Wie nun selbiger Mann, der in der Jugend der schönsten einer gewesen und jetzt noch, da ihm das volle lange Lockenhaar silbergrau auf die Schulter fiel, einen herrlichen Anblick darbot, uns Mägede statt mit einem freundlichen Blick oder Wink beinahe finster begrüßte, da wußten wir alsbald, daß ihn schwere und wohlbegründete Sorge um unsere Sache bedrücke. Und also verhielt es sich wirklich; denn nachdem er sich mit den Herren Losungern und Regierenden vom Rate, so sämtlich gekommen, ernstlich beredet, winkte er der Base und mir und kündete uns, des Großohms letzte Handlung scheine ihm so beschaffen, daß wir die Hoffnung aufgeben müßten, des Herdegen Lösung mit seines Nachlasses Hilfe bald zu bewirken.

Allbereit am nächsten Tage setzte sein hohes Ansehen des Testamentes Eröffnung durch, und so erfuhren wir ungesäumt, in was Art und Weise der Großohm für diejenigen vorgesorget, die seinem Herzen die Liebsten.

Da galt es denn, manche schöne Hoffnung zu Grabe tragen, und trotz alledem durften wir dem Entschlafenen nicht grollen; denn ob er gleich der eigenen armen Seele Heil allem anderen vorangestellt, war er dannocht bedacht gewesen, wie der Brüder so auch der Ann künftigen Unterhalt zu sichern und, was er einmal verheißen, redlich zu halten.

Nie und nimmer, solches erkannten auch die Feinde an, deren er sich die Fülle erworben, hatte er sein Manneswort gebrochen, und aus all seinen Verordnungen ging deutlich herfür, daß des tödlichen Schlages, der ihn getroffen, wahre Ursach' die plötzliche Erkenntnis gewesen, sich durch eigene Schuld der Mittel beraubt zu haben, des Herdegen Lösung mit dem Seinen zu bewirken, wie er doch mehrfach gelobet.

Es stund aber mit des Großohms letztem Willen also:

Nachdem er von der Ann vernommen, daß der Herr Kardinal die Rückkehr zu beschleunigen und ihm die letzte Oelung zu spenden gedenke, und ferner auch in Erfahrung gebracht, daß der hohe Prälat des Amtes eines unbeschränkten Vorstandes der Almosenkasse des heiligen Vaters zu Rom mit besonderer Freude walte, hatte er am nämlichen Abend den Doktor Holzschuher, seinen Notarius, nebst den nötigen Zeugen zu sich berufen, seine früheren Verfügungen förmlich verworfen und in einem neuen zierlichen Testament die folgenden Bestimmungen getroffen:

Der Ursula sollten die fünftausend Guldein verbleiben, so er freiwillig ihr zu vererben gelobet, nachdem sein Schwert den jungen Tetzel unversehens getroffen.

Dem Kunz vermachte er das Geschäft zu Nürnberg und Venedig mit allem Zubehör und den Kapitalien, deren es zu seiner Fortführung bedurfte, sowie auch sein stattlich Haus, da ja dem Herdegen der Schopperhof ohnehin zufiel. Unser zweiter Bruder sollte gehalten sein, den Handel in der nämlichen Weise fortzuführen, wie es der Großohm bei seinen Lebzeiten gehalten, und von dem Gewinn dem Herdegen und der Ann, deren Vermählung der liebste Wunsch seines Alters, zwei Dritteile auszuzahlen. Kein Pfund Heller dürfe, so stund es ausdrücklich geschrieben, vor dem Ablauf von zwanzig Jahren dem Grundvermögen des Handlungshauses entzogen, und selbiges noch weniger veräußert oder aufgelöst werden. Im Falle des Ablebens unseres Kunz betraute er den ältesten Buchführer unter der gleichen Verpflichtung, die jenem auferlegt worden, mit der Geschäfte Leitung. Sobald der Kunz in die Ehe trat, hatte er statt zweier Drittel nur die Hälfte des Reingewinnes dem Bruder zu zahlen.

Des Herdegen und der Ann ältester Sohn sollte des Geschäftes Erbe werden; kam selbige Ehe nicht zu stande oder blieb sie ohne männlichen Nachwuchs, sollte des Herdegen Tochtermann, meinem Erstgebornen oder dem des Kunz die Handlung zufallen.

Also meinte er für den Unterhalt des jungen Paares aufs beste vorgesehen zu haben, da es doch von dem Herdegen schwer zu erwarten, daß er dem kaufmännischen Geschäfte vorzustehen vermöge, sein eigen Hauptgut aber nicht ausreichte, der Ann ein so sorglos und glanzvoll Leben zu sichern, wie er es ihr wünschte und es der Herrin eines adeligen Nürnberger Hauses zukam.

Die liegenden Gründe hatt' er zum größeren Teil der heiligen Kirche, die übrigen aber zur Hälfte meinem Aeltesten, zur Hälfte mir verschrieben.

Dreitausend Guldein, so er dem Kloster von Vierzehnheiligen geliehen, und deren Rückforderung ihm zu jeder Frist zustund, waren für des Herdegen Lösung und Heimfahrt ausgesetzt worden.

Von seinem baren Hauptgute waren dreitausend Guldein dem Herdegen als Erbe, und je tausend der Ann und mir als Brautschatz ausgesetzt worden, auch hatte er die Spitäler, die Armen der Stadt, sowie die Bediensteten des Hauses mit artigen Vermächtnissen bedacht.

Doch wo waren die großen, schier königlichen Schätze verblieben, über die der alte Im Hoff weiland in so reichem Maße verfüget, daß er noch während des Reichstages dem kaiserlichen Schatze, um des Freiherrntitels teilhaftig zu werden, dreißigtausend ungarische Dukaten auf einem Brett darzuleihen vermocht?

Der Herr Doktor Holzschuher wußte nur zu klare Auskunft darob zu erteilen, und wenn der alte Herr der Ann einmal versichert, es sei schwer zu glauben, wie beträchtlichen Gewinn weislich geleiteter Handel mit Venedig in vielen Jahren abzuwerfen vermöge, so war er gar wohl berechtigt zu solcher Aussage gewesen; denn nachdem er vieler Heiligen Kirchen und Klöster in Franken allbereit bei Lebzeiten mit adeliger Freigebigkeit bedacht und für Totenmessen und andere Leistungen, so dem Heile seiner Seele dienlich, beträchtliche Summen festgesetzet, war ihm noch ein Gut von vierundvierzigtausend ungarischen Dukaten zur Verfügung geblieben. Selbige aber hatte er, ohne des Herrn Holzschuhers Bitten zu achten, eine so ausbündige Summe wenigstens zur Hälfte der Vaterstadt und den Blutsfreunden zu gute kommen zu lassen, der Almosenkasse seiner Heiligkeit des Papstes zur freien Verfügung des Herrn Kardinales Bernhardt verschrieben, mit dem einzigen Vorbehalt, daß alljährlich an seinem Namenstag zu Rom eine Totenmesse zum Heil seiner armen, solcher Gunst bedürftigen Seele von einem hohen Prälaten celebrirt werden möge.

Hienach hatt' er darauf bestanden, daß das vor Notar und Zeugen vollzogene Instrument allbereit in des nächsten Morgens Frühe durch einen besonderen Boten gen Rom gesandt werde, und selbiger war längst in unerreichbarer Ferne, wie der Großohm erfuhr, daß das ihm verbleibende Gut nicht mehr genüge, den Herdegen zu lösen. Solches aber war ihm so schwer aufs Herz gefallen, wie ich allbereit vermeldet.

An brünstigen Gebeten für seiner Seele Heil hat es von unserer Seite gewiß nicht gemangelt, und da ich später erfuhr, wie vielen Unglücklichen sein Vermächtnis zum Segen gediehen, versöhnte mich solches allgemach völlig mit seiner sonderbaren Schenkung; und so ruf' ich denn über sein Grab ein laut: »Requiescat in pace!« – Er ruhe in Frieden!

Nachdem wir endlich mit dem Herrn Notarius Holzschuher reiflich erwogen und überrechnet, was uns durch des reichen Blutsfreundes Ende anerstorben und was wir selbst aus unserer und der Base Metz Habe in nicht zu ferner Zeit zu erzielen vermöchten, hatten wir es in Schrift und Zahlen vor uns, daß uns noch ein gut Teil des verlangten Sündengeldes fehle. Zwar war das Im Hoffsche Geschäft für sich allein von höherem Werte, doch des Großohms letzter Wille machte es auf zwanzig Jahre unantastbar. Dazu wies uns der Herr Notarius an manchem Beispiele nach, wie es in selbiger Zeit geradezu sündlich sein würde, sich liegender Gründe um jeden Preis, das heißt um ein Dritteil des wahren Wertes, schnell zu entäußern. Endlich bestätigte selbiger, daß es dem Vormundschaftsamt gegenwärtig nicht gestattet sei, auch nur ein Pfund Heller von unserem väterlichen Erbe zur Zahlung zu bringen.

So lag es denn schwer genug auf uns, während der Doktor Holzschuher mit dem Ohm Kristan und dem Meister Pernhart leise flüsterte und dabei dies und das zu Papier brachte.

Endlich erhoben sich die Herren, und da ich nun dem wackeren Notarius ins Antlitz schaute, ward mir wie es dem welken Grase sein mag, wenn ein reichlicher Regenguß es benetzt hat; denn aus seinem mannhaft schönen Antlitz sprach mir frohe Zuversicht entgegen. Aehnliches verhieß auch des Ohms Kristan und des Meisters Pernhart Ansehen, und wo selbige drei die Streitmacht führten, schien der Sieg mir gesichert.

Nun erfuhren wir auch, was sie verhandelt. Wenn sich der rechte Mittelsmann fand, ließ sich der Sultanus vielleicht bestimmen, die Forderung zu ermäßigen; doch sollte die ganze Summe im Auge behalten werden. Von unserer Habe ließ sich mancherlei zwar nicht verkaufen, wohl aber beleihen oder verpfänden, und der gute Wille der Freunde und Mitbürger sollte uns zu dem anderen verhelfen. Endlich schienen die Herren noch etwas heimlich im Schilde zu führen; doch da sie es uns nicht freiwillig kündeten, unterließen wir, darnach zu fragen.

Beim Abschied ersuchten sie uns, den Aufbruch zu verschieben und ihnen freie Hand zu lassen. Da mußten wir uns denn fügen, obzwar in mir das Schopperblut siedete bei dem Gedanken, nun thatenlos warten zu müssen und um eines Sohnes unseres Hauses willen, der keinem etwas Gutes erwiesen, andere in unserem Namen gleichsam zum Bettelstabe greifen zu sehen. Doch ich fühlte wohl, daß Trutz und Hoffart hier übel am Platze, und da ich mich mit der Ann und der Base Metz auf dem Heimwege darüber aussprach, ging die letztere mich plötzlich mit der Frage an, ob ich, wenn der Lorenz Stromer sich in des Herdegen Lage befände, nicht willig von dem Meinen steuern werde, und weil ich solches bejahte, versetzte sie, dann sei alles richtig, und da sie ebenso gesonnen, lasse sie die Herren ohne die geringste Scheu in des Herdegen und auch in ihrem Namen von Thüre zu Thür gehen. Freilich gelt' es zu zeigen, daß wir, die die Nächsten dazu, auch die Willigsten zum Geben.

Da brachte denn die Ann noch am nämlichen Tage alles, was sie an Geschmeide besaß, bis zu den Pathenpfennigen, so sie im Sparkästlein verwahret, – und darunter befand sich ein gar kostbar Kreuz von Demantstein, so ihr der Kardinal vor etlichen Monden verehret.

Wie nun selbiger Tag sich zum Abend neigte, klopfte die Ann nochmals bei uns an, und ihres Kommens Grund war leider kein froher; denn ihr Großohm, der alte Organist Adam Heyden, unser Freund vom Turme, fühlte das letzte Stündlein nahe und hatte uns zu sich beschieden.

So geschah es denn, daß uns zwei einander folgende Tage je an ein Sterbebett führten. Auf beiden trat ein Greis den Gang in jene Welt an, und es war, als sei ihr Ende so nah' aneinander gerückt worden, auf daß es unsere jungen Seelen zum Vergleichen und Nachdenken bringe.

Da ich heute die steile Turmstiege überwältigt, nachdem ich gestern die breite, mit Matten belegte Treppe des reichen Im Hoff-Hauses leichten Fußes hinaufgeflogen, kam mir in den Sinn, der beiden Verstorbenen Lebensbahn sei diesen Treppen gar wohl vergleichbar, und so jung ich auch war, mußt' ich mir dannocht sagen, daß des schlichten Mannes stufenreiche Stiege, die er zuletzt nur noch keuchend erklommen, zu einem höheren, lichteren Ziele geführet denn die breite Treppe des reichen, fürnehmen Kaufherrn.

Da es mir aber endlich vergönnt gewesen, den guten Alten die Augen schließen zu sehen, hörte ich auf mit dem Vergleichen, maßen es mir widerstund, das Andenken des Mannes, dem wir doch Großes dankten, wissentlich zu trüben.

Allbereit um Mittag hatte der Organist das Sakrament aus der Hand des Vikares zu Sankt Sebald, Nikolaus Laister, seines greisen Freundes, empfangen. Außer uns, dem Kirchenmeister Hans Richter, der seinem Herzen nahe stund, und den Pernharts hatte er keinem Einlaß gestattet, und anfänglich achtete er nicht unseres Kommens, da er dem taubstummen Bruder der Ann ein Andenken gereichet, so er selbst zierlich für ihn geschnitzelt, und Frau Giovanna hatte hiernach Not, den Kleinen von ihm zu lösen, da er sich mit stürmischer Zärtlichkeit auf ihn geworfen; denn was dem Taubstummen die Seele bewegte, das zwang ihn, es mit ausbündiger Heftigkeit nach außen zu kehren. Wie nun der Bub es so arg trieb, daß es die Ruhe der anderen störte, faßte ihn die Mutter bei der Hand, um ihn in die Nebenkammer zu ziehen, doch der sterbende Alte winkte ihm mit einem Blick und einer Geberde, die keiner zu schildern vermöchte, bittend zu, und alsbald biß der zwölfjährige Knabe die Zähne zusammen und stellte sich still und bescheidentlich an die Thür.

Da nickte der Alte ihm zu, als habe er ihm etwas Gutes erwiesen. Hienach schloß er die Augen eine gute Weile und forderte dann mit kaum hörbarer Stimme von dem alten Bacharacher, den ihm die Base gesandt.

Da reichte ihm die Ann den Becher, und auf seinen Wink kredenzte ich ihm den Wein; er aber trank, indes Frau Giovanna ihn aufrecht hielt, mit sichtlichem Behagen.

Darauf umspielte das alte liebe Lächeln sein Antlitz, und indem er des Bechers Fuß mit den zitternden Fingern faßte, und es duldete, daß ich ihm hilfreiche Hand lieh, rief er mit klarer Stimme: »Noch einmal: Prosit, Elslein! Hast droben lange genug auf den alten Schatz gewartet! Ein Prosit auch meiner trauten, schönen Stadt Nürnberg!«

Dann schöpfte er Odem und fuhr fort, als folge er einer alten Gewohnheit: »Prosit, Adam! Schön Dank. Heyden!«

Damit leerte er den Becher, den ich ihm führte, bis auf den Grund, und wie er hienach zurücksank und stumm vor sich hin sah, brach ich das Schweigen und bemerkte, dieweil mir solches in der That als etwas Besonderes aufgefallen, er gedenke in seinem alten Spruch ja nunmehr auch unserer guten Stadt.

Da nickte er mir denn freundlich zu und fuhr mit einem fragenden Blick auf den Kirchenmeister fort: »Eigentlich läg' es dem rechten Christen wohl ob, für die gesamte Menschheit zu beten! Wohl, wohl; doch sie ist so groß, so gewaltig groß – und wie jedermann hab' auch ich neben der ganzen großen meine eigene kleine Welt, und das ist mein lieb, alt, ehrenfest Nürnberg. Ueber sein Weichbild bin ich nimmer hinaus gekommen, und es umfaßt ja auch alles, was mir wert ist und teuer. Nürnbergs Bürgerschaft ist meine Menschheit, unsere Stadt und was das Auge vom Turme aus erreicht, meine Welt, meine gesamte Welt gewesen, wie klein sie auch sein mag. Unter unserer guten Stadt konnt' ich mir immerdar etwas Rechtes denken, etwas fein und dicht Umschlossenes, Ganzes. Der anderen großen Welt Grenzen zu finden, das hab' ich nimmer vermocht.«

Aber seine Welt war doch weiter denn er selber dachte, klang uns doch aus dem stillen Gebet, das er hienach sprach, auch meiner Brüder Namen deutlich ans Ohr, obzwar uns Land und Meer von ihnen trennten. Eine lange Weile blieb hienach alles stumm, während er auf das beinerne Kruzifix an der Wand schaute; endlich aber bat er Frau Giovanna, ihn etwas höher aufzurichten, trank noch ein weniges, blickte sich liebreich und doch nachdenklich in unserem Kreise um und sagte dann leise: »Da hab' ich recht lange in mich hineingeschauet und auf den da am Kreuze. Das ist ein Vorbild! Und ich? Ich scheide gern, und wollt ihr wissen, was mir das Sterben so leicht macht? Wenig hab' ich bedurft und für mich selber behalten, und indes ich fortgab, was andere sparen, ist mir die Gewißheit geworden, daß alles Gute, das wir anderen thun, das Beste ist, so wir uns selber erweisen. Das ist es, das!«

Darauf streckte er die Hand aus, und nachdem wir sie an die Lippen gezogen, rief er: »Mein Gott, ich danke dir, sage ich jetzt! Was morgen sein wird, du allein weißt es! Gred – Ann, meine armen Kinder! Möchte doch ein schöner Tag des Wiedersehens für euch kommen, möchte doch der Himmel die Jünglinge in der weiten Ferne gnädiglich schützen. Hier, ganz in der Nähe, da ist es die Kreutzerin mit ihren Waislein – ihr kennet sie, ihr und der Magister – die der Hilfe am meisten bedürftig, und was man anderen Gutes thut, das . . . Aber nun kommet schnell, kommet alle, und auch die Kinder!«

Da ließen wir uns vor seinem niederen Lager auf die Kniee nieder, er aber streckte die Hände aus und sprach deutlich: »Der Herr segne und behüte euch, der Herr erhebe das Antlitz auf euch und sei euch gnädig.«

Hienach atmete er tief auf, die Hände sanken ihm, und Frau Giovanna schloß ihm die Augen.

Ja, diesem schlichten Manne war das Sterben leicht geworden! Keinen hab' ich gekannt, der von Wenigem mehr gegeben, und friedvollere, heiterere Züge sind mir auf keinem Sterbebette wieder begegnet.

Des Großohms Leichenbegängnis war groß und fast prächtig. Der gesamte Rat und viele vom Adel gesellten sich dem Zuge. Glockengeläute, Chorgesang, Trauerflor, Kerzen, Weihrauchduft und dergleichen gab es übergenug bei selbiger Bestattung. Nur etwas fehlte, und das waren Thränen; – nicht die der Leichenbitter und Klageweiber, sondern jene, so des Bekümmerten Auge im stillen vergießet.

In dem großen Im Hoff-Hause war es gar geräuschlos und feierlich hergegangen vor dem Begräbnis, während aus dem Turm, wo der alte Adam Heiden entschlafen, die Glocken, wie alle Tage zur Taufe und Hochzeit, zur Andacht und Trauer riefen; doch vor dem Pförtlein, so auf die enge Turmstiege führet, sah ich eine Menge von Mägeden und Buben mit ihren Müttern, und obzwar die Blätter gefallen und die letzten Blüten draußen erfroren, trugen doch die meisten einen grünen Zweig oder einen winzigen Strohblumenstrauß in den Händlein, um ihn dem alten gütigen Freund auf den Sarg zu legen. Der Mesner hatte zu thun, die vielen abzuwehren, so ihm noch einmal ins Antlitz zu schauen begehrten, und da man ihn, zwei Stunden nachdem man den Ohm beigesetzet, hinaustrug auf den Friedhof, gab es ein gar seltsam Leichengefolge; denn der Schnee stob durch die Gassen, und die fürnehmen Herren, so ihm gewogen gewesen, wärmten sich daheim nach der Bestattung des Großohms. Aber hinter seinem Sarge her schritten dannocht mancherlei ehrbare und aufrechte Leute, und ihnen folgte eine lange Schar von solchen, denen der Wind durch das Loch im Aermel und über das unbedeckte Haupt pfiff. Aber just unter selbigen gab es manch dürftig Weiblein, das sich mit Tuch oder Hand an die Augen fuhr, und mancher Witib Kind, so sich das Gürtelein fester zog, da es den hinaustragen sah, der es so manchmal gesättigt.

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