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Die Gred

Georg Ebers: Die Gred - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Gred, I. Buch
authorGeorg Ebers
year1889
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart, Leipzig, Berlin, Wien
titleDie Gred
pages1-9
created20021107
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1889
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Zehntes Kapitel.

»Der alte Schuhu soll mein gedenken bis ein anderer sein nichtsnutzig ›Hin!‹ ihm selber nachruft!« also wetterte um weniges später der Ohm Kristan vor den Ställen, worin der Mathes meinen Fuchs zäumte und andere Knechte die Herrenrosse sattelten.

Ich hatte mich heimlich dahin begeben, weil mir wohl bewußt, daß die Alten mir nimmer gestattet hätten, der Ann nachzureiten, und eben fuhr auch mein Herr Pathe in der schweren Sorge um den Liebling zu toben fort: »Und wovon haben wir gestern, der Meister und ich, uns dem ganzen Ritte hieher mit dem gottverlassenen Kinde geredet denn von den Untaten, so sich in der letzten Woche auf der Heerstraße und just hier im Walde begeben? Mit den eigenen Oehrlein hat sie vernommen, wie der Schürstab uns nötigte, sieben Aufsitzer als Geleit mitzunehmen, maßen sie vorgestern des Vorchtel und Schnöd vereinten Wagenzug überrannt und das Geleit sicherlich geworfen hätten, wenn selbigem nicht von ungefähr die Mannen Hilfe geliehen, so des Maurers und Derrers Gefährte beschirmet. Und dabei war es stockfinster, die Eulen zogen, die Füchse bellten, einen alten, narbigen Landsknecht konnte das Gruseln beschleichen. Eine Sünd' und Schand' ist's, wie die Schelme es treiben bis hart unter die Mauern der Stadt! Einem Tuchbereitergesellen haben sie die Ohren vom Kopf geschnitten, und wie ich dem jungen Wichsensteiner, dem Eber, und dem Gesindel, so sich an ihn gehänget, des Satanas Segen an den Hals gewünschet, vermaß sich die Ann, zu seinen Gunsten zu reden, sintemal er die grausame Art, mit der die Nürnberger seinen Vater, den Erzplacker, zu Tode gebracht, an ihnen heimzusuchen trachte. Als ob sie nicht wüßte, daß unser Land, seit wir den Eppelein von Gailingen gefangen, keine gleiche Mördergrube und Räuberhöhle gewesen! Wenn man weniger Staub verspüret auf den Straßen, sagte der Meister, so gescheh' es, weil das Blut ihn lösche. Und trotz alledem rennt nun die Blitzmaged mit dem alten Griesgram dem Satanas gerad' in die Arme!«

Wie ich mich hienach im Stall zum Aufsitzen richtete, wandte sich der Ohm Konrad in lautem Groll gegen Jung-Kubbeling, weil er dem Uhlwurm gestattet, die Ann in solche Fährnis zu stürzen; doch der Braunschweiger wußte sich wohl zu verantworten und schloß mit der Beteuerung, daß er eher geglaubt hätte, seinen Falken könne eines Tages statt der Federn im Schweif ein Löwenschwanz wachsen, als daß es seinen alten Totenriecher gelüsten werde, gemeinsame Sache mit einer jungen Maged zu machen. Er sei gekommen, um den Herren zu raten, das Roß zu besteigen.

Doch meines Herrn Pathen Frage, ob Jung-Kubbeling meine, sie stünden hier, um die Messe im Stalle zu hören, machte des Braunschweigers Rede ein Ende, und wie die Herren sodann den Knechten zuriefen, sich zu tummeln, saß ich allbereit im Sattel.

Nachdem ich hienach dem Endres geboten, das große Hofthor ungesäumt offen zu halten, bückte ich mich fein, trabte durch die Stallthür ins Freie und bot den Herren einen fröhlichen Morgen. Wie aber die anderen den Gruß erwidert, und der Waldohm mich gefraget, ob ich seine Mahnungen zur Fürsicht vergessen, und wohin ich zu reiten gedenke, versetzte ich schnell: »Unter gutem Geleit, das heißt unter dem Euren, dem Annelein entgegen.«

Da schlug der Waldohm mit der Gerte an den Stiefel und fragte mich unwirsch, ob ich auch bedacht, daß auf selbigem Ritt vielleicht Blut fließen werde, und schloß mit dem gütigen Rate: »Und so bleibst Du denn, Gredlein.«

»Ich bleibe gehorsam wie immer,« lautete meine fürwitzige Antwort, »und weil ich einmal im Sattel sitze, mein Oehmlein, bleib' ich im Sattel!«

Da wußte der traute Alte nicht, ob er den Spaß Spaß sein lassen, oder ein streng Gebot aussprechen solle, und während er und die anderen sich anschickten, in den Bügel zu steigen, rief er mir zu: »Laß doch bei solchem Ernst von den Possen, Du Tollkopf! Mit der Sorge um die Ann hätten wir, dächt' ich, übergenug! Also schnell, Gred, abgestiegen, und den Fuß aus dem Bügel!«

»Ungesäumt, Oehmlein,« versetzt' ich nun hurtig. »Ich springe ab, sobald wir die Ann gefunden. Eher bringt mich auch der Riese Goliath nicht aus dem Sattel!«

Da verließ den alten Weidmann die Ruhe, und während er sich auf dem großen Braunen zurechtrückte, rief er nur unhold und gebieterisch zu: »Mach mich nicht böse, Gred; Du steigst ab, und thust mir den Willen!«

Doch er hätte mich zu jener Stunde leichter bewogen, ins Feuer zu springen denn die Ann im Stich zu lassen, und so hob ich Zügel und Gerte, und während der Fuchs zum Galopp ansprang, und der Ohm Konrad mir noch einmal und unwirscher denn vorher zurief: »Du thust mir den Willen!« versetzte ich fröhlich: »Verlaß Dich darauf, sobald Du mich einholst!« Und wie der Blitz trug mich das Roß durch das Hofthor.

Die Herren jagten mir nach, und wenn anders es mich gelüstet, hätten sie mich bis an den jüngsten Tag nicht erwischet, sintemal mein ungarischer Zelter, den mein Hans bei der Fahrt an den Hof aus dem Stalle des Grafen von Cilly, der der Kaiserin Barbara Herr Vater, für mich erworben, weit schneller denn ihre schweren, ramsnasigen Hengste; doch ich begehrte nichts Besseres denn im guten Frieden die Ann mit ihnen zu suchen, und der Ohm war viel zu klug und milde gesonnen, um den Scherz, dem er doch nicht mehr zu wehren vermochte, auf die ernste Achsel zu nehmen, und so ließ ich sie mir denn bald näher kommen, und wir schlossen einen Vertrag, gemäß dessen nur alles vergeben und vergessen, ich aber gehalten sein sollte, bei der ersten Gefahr den Fuchs zu wenden und heim zu sprengen.

Waren nun die Herren auch trüben Mutes und ernstlich besorgt zu den Ställen gegangen, so hatten sie doch bei dem wilden Ritt hinter mir her den frohen Mut wiedergefunden, und ob mir auch selbst das Herz bang genug schlug, that ich das Meine, um ihn aufrecht zu erhalten, und dazu half mir des Jung-Kubbeling Anblick. Selbiger hatte nämlich den Weg zu der Stelle zu weisen, wo sie den Eppelein gefunden, und nun hockte er auf einem mächtigen Rappen, von dem die kurzen Beinlein mit den Katzenfellen gar wunderlich in die Lust hinein stachen.

Nachdem wir so eine gute Weile fürbaß getrabet, kam mir die frohe Zuversicht dannocht ins Wanken; denn waren die Ann und ihr Gefährte auch einige Zeit durch das Suchen zurückgehalten worden, hätten wir ihnen doch allbereit begegnen müssen, wenn sie sonder Aufenthalt zum Ziele gelangt und umgekehrt wären. Wie wir aber auf eine Lichtung gelangten, wo der Waldweg ein gut Stück zu überblicken, und dannocht nichts denn ein elend Kohlergefährt zu erschauen vermochten, war es, als lege sich eine kalte Hand mir gerade aufs Herz. Fort und fort blickt' ich scharf ins Weite, während eine ganze Heerschar von beklemmenden Denkbildern mir die Seele bewegte. Da sah ich die beiden in des rachedurstigen Eber von Wichsenstein und seiner wilden Raubkumpane Gewalt, da war es mir, als schleppe sie der habgierige Bremberger hinter das Zugthor seiner Burg, um – solches wäre noch das Glimpflichste gewesen – um hohes Lösegeld zu erpressen. Doch wenn der Abersfeld, der zügelloseste unter dem ganzen Rittervolk weit und breit, sie nun aufhob? – Das Blut gerann mir, wie ich solcher Möglichkeit gedachte; denn die Ann war so schön! Welchem Edelmann, der sie erbeutet, hätte sie nicht die Sinne entflammet?

Und nun kam mir in den Sinn, was ich von der römischen Lucretia gelesen, und wär' ich eines Zaubers mächtig gewesen, hätt' ich dem nächsten Raben am Wege einen Dolch in die Klauen gegeben, um ihn ihr zu überbringen. In meiner Seele Angst führte ich, während ich Zügel und Gerte zugleich mit der Linken umschloß, mit der Rechten das goldene Kreuzlein auf meiner Brust an die Lippen, und in stillem, brünstigem Gebet stellte ich sie unter den Schutz der gnadenreichen Jungfrau und der eigenen lieben Mutter im Himmel.

So kamen wir weiter und weiter, bis wir der Teiche bei Pillenreuth ansichtig wurden. Hart bei dem großen, den man den Königsweiher benamset, stund ein Wegweiser, und unweit desselbigen war die Stelle, wo sie den ausgeraubten Eppelein gefunden, und es war der rechte Platz für Strauchdiebe und Ritter vom Stegreif; denn er lag im Walde und abseit von der Heerstraße, die doch, kam es zur Flucht, schon bei Reichelstorf zu gewinnen. Auch gab es in nächster Nähe keine Burg oder Feste; denn das stattliche Bauwerk mit Wall und Graben, so sich am südlichen Rande des Königsweihers erhob, war nur das Kloster der friedlichen Augustiner-Nönnlein von Pillenreuth.

Die Wasser umgab mooriger Grund mit entlaubten Sträuchern, Röhricht, Riedgras und Schilf. Es war eine gar trübselige, unwirtliche Stelle.

Auf der sumpfigen Wiese, durch die der Weg zog, lag frisch gefallener Reif, und der Busch weiter gen Süden war ein Krähenhorst, dergleichen mir nimmer wieder begegnet; denn die schwarzen Vögel umkreisten ihn in dunklen Schwärmen und mit lautem Gekreisch, als erhebe sich in seiner Mitte Richtstatt und Galgen, und dazu schrillten und gurgelten aus dem Dickicht des Weiherufers andere Stimmen so trostlos traurig, als hätten sie das Leid der ganzen Welt zu beklagen.

Hier hielten wir an und riefen und riefen, doch nur Krähen und Unken erteilten Antwort.

»Hier ist es sicherlich gewesen,« beteuerte Jung-Kubbeling, und der Erbförster Grubner, der vor ihm abgesprungen, half ihm von der hochbeinigen Mähre.

Auch die Herren waren aus dem Sattel gestiegen und schickten sich an, dem Braunschweiger über die Wiese und zu der Stelle zu folgen, wo sie den Eppelein gefunden; doch jener wehrte ihnen, sintemal sie die Spuren zertreten würden, die er zu prüfen begehre.

Da blieben sie denn alle zurück und schauten ihm nach, und indes ich desgleichen that, wuchs mein Bangen, und ich glaubte zuversichtlich, die Krähe sei ein Unheil kündender Vogel, da ein großer, dunkler Schwarm den Kubbeling krächzend umkreiste. Dabei bückte sich selbiger, während er die Spuren auf dem bereiften Rasen erforschte, so tief, daß sein kurzer, zusammengeknickter Leib den Gnomen oder Wichtelmännlein gleich ward, so unter Wurzelwerk und in Felshöhlen hausen. Stumm und bedächtig ging er spähend und prüfend Schritt vor Schritt fürbaß, und nun nahm ich wahr, wie er den schweren Kopf bedenklich, ja wie in Kümmernis wiegte.

Da fröstelte mich wieder, und es dünkte mich, das graue Gewölk am Himmel werde schwärzer und schwärzer, und durch den Nebel über den Weiher hin zogen totenbleiche, luftige Gestalten in lang hinwallenden Sterbehemden. Die dicken schwarzen Raupen am Rohr ragten wie Grabsteine regungslos in die Hohe, und die grauen, seidigen Wedel des Sumpfgrases, so der kalte Hauch des Novembermorgens bewegte, schienen mir mahnend abzuwinken und wie Geisterhände zu dräuen.

Doch bald sollt' ich Krähen und Nebel und Schilf, ja den ganzen leeren Spuk, der mich geängstigt, um eines wohlbegründeten Schrecknisses willen vergessen; denn Jung-Kubbeling schüttelte das Haupt, und gleich darauf hörte ich, wie er den Waldohm und den Erbförster Grubner aufrief, ihm fürsichtiglich näher zu treten.

Jetzt stunden sie neben ihm und beugten sich ebenfalls nieder, jetzt schlug der Waldohm in die Hände, und von seinen Lippen drang ein angstvoll: »Barmherziger Himmel!«

Wenige Augenblicke später war ich auf den Zehen durch das feuchte, bereifte Gras an ihre Seite geeilet, und da wies sich denn wohl kenntlich eines zierlichen Weiberschuhes Spur, und man konnte so Sohle wie Stöckel aufs beste erkennen, und hart neben ihr sah man großer und breiter Männerfüße Eindruck, und die Hufeisen am Hacken lehrten Jung-Kubbeling, daß sie des Uhlwurm gewaltige Stiefel verursacht. Doch hatten wir die Gesuchten auch nicht angetroffen, so war ja der Forst überreich an Pfaden, aus denen sie an uns vorbeigezogen sein konnten; aber neben den Spuren der Maged und des Alten gab es noch drei andere. Sie ließen sich für die geübten Weidmannsaugen nur zu gut unterscheiden, und samt und sonders hatten sie Männerstiefel in das bereifte Gras getreten. Zwei davon stammten sicher und gewiß von fein geschnittenen Sohlen, wie sie nur geschickte städtische Schuster machen; ja, der einen folgte ein Streifen, der nur von einem Sporn herrühren konnte, während eine andere Spur so platt und groß war, daß sie gewiß dem Bundschuh eines Bauern oder Köhlers den Ursprung verdankte.

Eine grüne Stelle im Reif war nicht anders zu deuten, als daß sie von einem Manne herrühre, der sich auf den Boden lang hingestrecket; ja, das Hinterhaupt des Gefallenen hatte einen faustgroßen Eindruck im Reife verursacht.

Da lag es denn auf der Hand, daß die Ann und ihr Gefährte allhier von drei Räubern, zu denen ein Ritter und ein geringer Mann gehöret, überfallen worden waren, daß der Uhlwurm sich zur Wehr gesetzet und einen der Angreifer überwältigt oder den kürzeren gezogen und auf das Gras niedergesunken.

Ach, da gab es wohl keinen Zweifel; denn Jung-Kubbeling zeigte eine Spur der Ann, über die der gespornte Fuß des Ritters hingetreten, woraus deutlich erhellte, daß selbige keinenfalls später denn die Mannsbilder hiehergekommen. Auch im Wege fanden sich frische Tritte von Roß und Mann, und so stund es fest, daß schändliche Buberei die Ann und den Uhlwurm aufgehoben und von hinnen geschleppt hatte, ohne doch Blut zu vergießen; denn davon war auf der ganzen Fläche nichts zu gewahren.

Inzwischen war der Erbförster mit seinen Ganghündlein der Spur gefolget, die von der Stelle ausging, wo der Mann auf dem Rasen gelegen, und kaum waren sie in das Buschwerk gedrungen, als sich ein laut und ungestüm Gebell erhob und der Grubner uns anrief.

Da fanden wir hinter dem hohen Erlengebüsch, so noch unentblättert, ein aus Pfählen ruhendes Holzdach, das des Klosters Fischer errichtet, um die Netze zu trocknen, und darunter lag ein älterer Mann in Knechtsgewand, der doch wohl beim Streit mit dem Uhlwurm ums Leben gekommen. Aber Jung-Kubbeling hatte sich bald neben ihm auf die Kniee niedergelassen, und wie er fand, daß das Herz ihm noch schlage, kam er bald auf die richtige Fährte.

Der Knecht schlief hier einen Rausch aus, und dafür zeugte recht deutlich ein leerer Krug an seiner Seite; auch fanden wir ein klein Handgefährt, so voll von ähnlichen Gefässen, und wir atmeten nun auf; denn wenn der trunkene Gesell nicht selbst zu den Buschkleppern gehöret, hätten selbige ihn doch wohl aufgespüret und sich des guten Getränkes bemächtigt.

Während Jung-Kubbeling Wasser aus dem Weiher holte, prüfte der Ohm Kristan die Krüge im Wägelein, und gleich in dem ersten fand er seinen Malvasier.

Ob selbiger in das Kloster oder wohin sonst gehöre, sollte der Trunkene vermelden, und ein Strom kalten Novemberwassers brachte ihn bald zur Besinnung.

Da bot es denn zunächst einen gar ergötzlichen Anblick, wie der so jach aus dem Schlummer Geweckte das Wasser in stumpfer Gelassenheit von sich ablaufen ließ und uns mit weit geöffnetem Munde anstarrte, und es bedurfte auch etlicher Geduld, bis er mancherlei zu künden vermochte, was wir erst später recht deutlich und im einzelnen erfuhren.

Er war ein Knecht des Herrn Rummel von Nürnberg, der von Lichtenau ausgesandt worden, um den Nönnlein von Pillenreuth das gute Getränk zu überbringen; der Markt Lichtenau aber liegt hinter Schwabach und war früher dem Ritter von Heideck eigen gewesen, der ihn an die Stadt veräußert, von der ihn die Rummel, so allbereit damals ein alt und edel Geschlecht, samt dem Schlosse erstanden.

Wie nun am gestrigen Abend der Ritter von Heideck, des Schlosses früherer Besitzer, ein ehrenfester Edelmann, mit dem Herrn Rummel auf der Burg von Lichtenau beim Nachtmahl gesessen, war ein Reitender von Pillenreuth vor sie getreten mit dem Gesuch der Aebtissin um Hilfe gegen räuberisch Gesindel, so dem Kloster etlich Vieh entwendet. Da hatten die Herren alsbald beschlossen, den Schwestern Hilfe zu bringen, und als fürsichtige Männer noch selbigen Abend ein Handwägelein voll guten Weines gen Pillenreuth gesandt, weil bei den frommen Nönnlein kein rechtschaffen Getränk zu erwarten. Wie die Herren hienach an selbigem Morgen au die Stelle gekommen, wo die Buberei den Eppelein ausgezogen, hatten sie die Ann, die ihnen von der Forstmeisterei wohl bekannt, mitten beim Suchen nach des Herdegen Brief getroffen und ihr mit den bespornten Stiefeln Beistand geleistet. Endlich waren sie in sie gedrungen, ihnen in das Kloster zu folgen; denn die Lichtenauer Aufsitzer hatten sich allbereit in der Nacht auf den Fang begeben und waren vielleicht der Uebelthäter habhaft geworden, und mit ihnen des Schreibens.

Da hatte die Ann sich gern bereit gezeiget, solcher günstigen Ladung zu folgen, wenn es anging, denjenigen, so gewißlich von der Forstmeisterei kommen würden, um sie zu suchen, Kunde von ihrem Verbleib zu erteilen.

Nun hatte der Herr Rummel dem Knechte, der eben mit dem Wägelein daherkam, geboten, hier zu verziehen, um uns auf das Kloster zu laden; der Bote aber, der sich allbereit unterwegs mit des Wägeleins Inhalt vertraut gemacht, hatte sich selbiger Thätigkeit weiter ergeben, war zuerst auf den bereiften Rasen niedergetaumelt und endlich unter des Fischers Schirmdach auf längere Zeit zur Ruhe gekommen.

Leichteren Herzens denn ich nach jenem Berichte ist wohl selten eine Jungfrau ins Kloster gegangen, und obzwar es ja noch Grund genug gab zu zagen und zu bangen, stimmte ich doch gern ein in die Heiterkeit der anderen, und bevor ich wieder in den Sattel stieg, hatte ich etliche Küsse von bärtigen Lippen als Geleitsbrief für die Nönnlein empfangen; denn mein lieber Pathe war in seines Herzens überströmender Lust auf mich eingestürmt, um mir beide Wangen und die Stirn zu küssen; ich aber hatte ihm solches gern vergönnet und hienach lächelnd wahrgenommen, wie er Sorge trug, daß das Wägelein keinen weiteren Aufenthalt finde.

In dem Kloster selbst gab es neue Freude. Der Nebel hatte uns denen darin lange verborgen, und so fanden wir die Herren mit der Ann, der Frau Aebtissin und einer Novize, die des Ohms Endres Tucher von Nürnberg junge Tochter, mein lieb Bäslein, das auch der Ann wohl vertraut, beim Frühmahl; denn ob das Kloster auch sonst den Mannsbildern verschlossen, stund es doch seinem Herrn Schirmvogte immerdar offen. Da gab es denn ein gar glückselig Wiederfinden und froh Begrüßen, ja dem Ohm Kristan rannen beim Anblick der Ann zum zweitenmal an diesem frühen Tage helle Thränen auf das runde Kinn, so bei ihm dreifältig doppelt.

Wo aber etliche wohlbestallte Nürnberger Herren sich gütlich thun bei Speis' und Trank, und andere zu ihnen stoßen, da müssen sie niedersitzen und mithalten, und wär' es gar in der Hölle. Doch das Pillenreuther Kloster war ein gar heimlicher Ort, und seine Frau Aebtissin eine Edelfrau von feinen Sitten und wirtlicher Art, und so hatte sich denn im Handumdrehen die kleine Tafel verlängert und mit weißem Linnen, Tellern und allem Zubehör bedecket. Am Hunger und Durst fehlte es keinem nach dem Ritt durch den frischen Morgen, und wie seelenfroh war ich, mein Annelein heil und ungeschädigt wieder zu haben.

Bevor noch die Rosse im Stall an die Halfter gebunden, saßen wir allbereit an der Tafel, und es gab vom ersten Augenblick an ein gar aufgeräumt und lebensvoll Hinundwider; ich aber hatte mit dem Ritter von Heideck wacker zu streiten, sintemal er zwischen der Ann und mir zu sitzen begehrte und auf der verkehrten Meinung bestund, ein artiger Ritter sei einer Jungfrau immerdar ein erwünschterer Nachbar denn die allertrauteste Freundin.

Auch ward mir des Tafelns und der Neckerei bald zu viel, und am liebsten hätt' ich die Ann mir nachgezogen an eine einsame Stelle und dort unserer Teuersten gedacht.

Endlich kam die Erlösung; denn der Lichtenauer Gleven Feldhauptmann Jörg Starch, ein langer, hagerer Kriegsknecht mit klugen Augen, einer kleinen, aufwärts strebenden Stutznase und dichtem Knebel- und Schnurrbart, trat ein und vermeldete, indes er die Hand an die Sturmhaube legte, kurz und als schneide er mit den weißen Zähnen ein Wort vom anderen: »Gekappt, gefaßt! Das ganze Gesindel.«

Um weniges später waren wir alle auf dem Wall zwischen dem Weiher und Kloster, und da stund denn die armselige Buberei, die der Jörg Starch mit seinen Gereisigen umzingelt und aufgehoben, während sie sich an der Morgensuppe und dem Rest des gesottenen Fleisches geletzet. Sie hatten vermeldet, daß sie zu des Wichsensteiners Bande gehalten, doch wegen allzu harten Regimentes des Ebers von ihm abgesprungen und auf eigene Hand sich des Raubes befleißigt. Der Starch war freilich der Meinung, es müsse sich noch anders verhalten.

Wie selbiger ausgesandt worden, hatt' er noch keine Kunde von der Unthat besessen, die an dem Eppelein begangen; sobald er aber vernommen, daß sie jenen auch der Kleider entlediget, hieß er sie, sich in eine Reihe stellen und faßte sie einzeln ins Auge; sie aber boten einen fast kläglichen Anblick, und wären sie nicht der Barmherzigkeit so sehr bedürftig gewesen, hätte ihr Aufzug sicherlich zum Lachen genötigt; denn der eine hatte sich einen roten Weiberrock als Mantel zugerichtet, indem er ihn über das Haupt gezogen und Löcher hineingeschlitzet, durch die er die Arme gestecket, und ein anderer langer Gesell trug eines Barfüßlermönches braune Kutte und auf dem Haupte einer Bürgerin Marderhaube, die ihm eines Säuglinges Windel auf dem Haare festhielt.

Des Jörg Starch Forschung nach dem Verbleib der Kleider des Eppelein führte bald dahin, daß der eine auf sein gut und sauber Gewand, der andere auf die Weste, und der Stattlichste auf den Botenhut mit den Hahnenfedern wies, der von seinem verschlissenen Kittel scharf genug abstach.

Während nun der Starch in den einzelnen Stücken nach dem Briefe suchte, beugte der Uhlwurm ganz still den langen Leib so tief vor ihnen zu Boden, daß man hätte meinen mögen, er halte Ausschau nach einem vierblätterigen Kleeblatt; – unversehens aber faßte er einen dürren, kleinen Gesellen mit hohlen Wangen und einem ärmlichen Knebelbärtlein am spitzen Kinn, der bis dahin am kecksten von allen dreingeschaut, an die Schuh', befühlte ihren oberen Rand und rief ihm dabei dräuend ins Antlitz: »Wo sind die Schäfte?«

»Die Schäfte?« fragte der Kleine bestürzt. »Ich trage doch Schuhe, Meister, und Schuhe sind eben Stiefel, die bar der Schäfte, und die meinigen haben . . .«

»Es haben,« wiederholte der Uhlwurm höhnisch, »es haben die Ratten aus Deinen Stiefeln Schuhe gemacht und die Schäfte gefressen; oder waren's die Mäuse? Hieher, mit Gunst, mein Herr Hauptmann!«

Da folgte ihm der Starch, und nachdem er das hagere Bürschlein genötigt, sich des linken Schuhes zu entledigen, prüfte er ihn auf allen Seiten, strich sich den Schnurrbart höher und sagte gewichtig: »Fürtrefflich, Meister, das gibt zu denken! Ja, solches verleihet dem ganzen Handel ein neues Antlitz.«

Hienach schrie er das Bürschlein an: »Wo sind die Schäfte?«

Selbiger aber hatte Zeit gefunden, sich zu besinnen, und versetzte kecklich: »Ich bin nur ein arm, schwach Würmlein, Herr Hauptmann. Sie belasteten mich schwer, und so schnitt ich sie ab und warf sie in den Weiher, woselbst sich wohl jetzund die Karpfen daran letzen.«

Dabei warf er mit dem einen Auge einen Blick auf die Genossen, als wollt' er aus ihren Mienen das Lob seines hurtigen Witzes lesen, doch selbige waren viel zu schwer geängstigt, um ihm das Begehrte zu zollen, und ihm selbst ward der kecke Mut schnell gebrochen, da der Starch ihn am Kragen packte und fragte: »Siehst Du den Ast da drüben, mein Bürschlein? Kommt Dir noch ein ander unwahr Wort über die Lippen, so werd' ich ihn, so wahr ich eines Edelmannes Sohn, mit einer so langen und schweren Birne belasten, wie er noch keine getragen. Die Schlinge gerüstet, Sebald! Und nun, mein Liebling, drei Fragen: Hat der Bote die Stiefel getragen? Wie kommst gerade Du, der von euerer Bande einer der letzten, zu den tüchtigen Schuhen? Und endlich: Wo sind die Schäfte?«

Da bat der Kleine mit kläglicher Stimme eine Frage nach der andern zu stellen, weil es ihm sei, als brumme ihm ein Hummelschwarm im Schädel, und wie ihm der Starch den Willen that, versetzte er mit einem Blick auf die anderen, als woll' er sagen: »Das habt ihr davon, daß ihr meinen schnellen Witz nicht gewürdigt,« sie hätten die Stiefel allerdings dem Boten ausgezogen, und man habe sie ihm gelassen, weil sie den anderen allen zu eng gewesen, er aber mit einem kleinen und zierlichen Fuße begnadigt.

Dabei schaute er uns Weibsbildern, so er längst wahrgenommen, ängstlich und dannocht geckenhaft nach den Augen, und fuhr sodann fort: »Die Schäfte, die« – und nun stockte er wieder.

Aber nachdem der Starch abermals auf den Birnast gewiesen, stieß er wie in Verzweiflung herfür, die Schäfte habe ein anderer, der nicht mitgefangen, weil sie so gar schön und lang gewesen, für sich beansprucht.

Da lachte der Jörg Starch so hell auf und schlug so laut in die Hände, daß wir Mägede baz zusammenfuhren, und rief: »Also doch, also dannocht! Gottes Tod, ihr Halunken. Die Wichsensteiner Sau hat euch noch gestern geführet, und es ist nur ein teuflisch Ungefähr gewesen, so den Schelm fern von euch gehalten, da ich euch einfing. Keinem anderen denn einem rechten und echten Hauptmann hättet ihr Lumpengesindel in diesem Moorland die Schäfte gelassen, und ich weiß auch, wohin die Sau – denn ein Eber ist der Wichsensteiner Botenmörder nicht mehr – wohin die Sau sich begeben. Aufgemerkt, Sebald! In welchem Dorfe hier herum sitzet ein Schuster?«

»Zu Neuseß der krumme Peter und zu Reichelstorf der Hackspann,« lautete die Antwort.

»So,« fuhr der Starch hienach fort, »solches war uns zu wissen vonnöten, und nun, mein Bürschlein« – damit schüttelte er den Kleinen von neuem, – »nun heraus mit der Sprache! Ist die Sau, oder, damit kein Mißverständnis entstehe, ist der Wichsensteiner Eber gen Reichelstorf oder Neuseß geritten? Wer soll ihm die Schuh' an die Schäfte setzen, der Peter oder der Hackspann?«

Da schlug der Bedrohte die feinen Hände voller Bewunderung zusammen und rief: »Ist solche ausbündige Weisheit seit dem keuschen Joseph, der dem Pharao die Träume gedeutet, wohl jung geworden in Franken? Wer Euch betrügen will, Herr Obrist, der muß früher aufstehen denn wir armseligen, geschlagenen Tröpflein. Gen Neuseß ist er geritten, obzwar der Hackspann geschickter; doch Reichelstorf liegt zu nah' an der Straße, auf der Ihr ziehet, Herr Ritter, und wenn der Eber nur Eueres weitberühmten Namens Echo vernimmt, gestrenger Herr Freiherr und Obrist . . .«

Da wetterte der Starch ihn an: »Und ich, Dein weitberühmter Herr Obrist, wie heiß' ich?«

»Ihr?« fragte der Kleine, ohne sich einschüchtern zu lassen. »Ihr? Gütiger Himmel! Bei Tag und Nacht, bis zu diesem Augenblick ist es mir gegenwärtig gewesen; doch in dergleichen Aengsten vergäße ja solch ein arm Schneiderlein des leiblichen Vaters ehrlichen Namen!«

Da lachte der Starch und schlug dem Kleinen in aller Gunst eins hinter die Ohren, und indes hienach seine Reisigen, denen er aufzusitzen geboten, in den Sattel stiegen, rief er dem Uhlwurm zu: »Das Weitere kann ich Euch überlassen, Meister; denn Ihr wißt, wo Barthel den Most holt! – Die Leute gebunden, Sebald, und fest verwahrt, und sodann einen Schweinestall gerüstet; denn wenn ich heute abend den Eber nicht einbringe, will ich mein Lebtag statt Jörg Starch Matz Dummernick heißen. Ihr habt es vernommen!«

Damit begrüßte er uns, schwang sich auf den Hengst und ritt mit den anderen von dannen.

»Ein schneidiger Gesell nach dem Herzen Gottes,« rief der Herr Rummel dem Waldohm zu, indes er ihm nachsah. Und das war der Starch; denn wenn wir solches auch nicht abwarten konnten, erfuhren wir doch schon am folgenden Tage, daß er seinen guten adeligen Namen fortführen durfte, sintemal er den Eber von Wichsenstein in des Schusters Werkstätte einfing und ihn nach Pillenreuth schleppte, von wannen er später gen Nürnberg kam und an den Galgen.

In dem Uhlwurm hatte der Starch einen wackeren Ersatzmann gefunden; denn kaum war er verschwunden, als der Alte dem Schneider auch den rechten Schuh auszog, und nun ergab sich's, warum der Eppelein sich so ängstlich auf die Füße gewiesen; denn er hatte die ihm anvertrauten Briefe wirklich im Stiefel verwahret. Doch es fand sich nur einer unter dem oberen Leder der Sohle, den der Akusch an mich gerichtet. Nachdem wir aber den nunmehr barfüßigen Gesellen mit peinlicher Marter bedrohet, gestund er, daß er bis vor kurzem ein redlich Schneiderlein gewesen und bei der sitzenden Arbeit weiche Füße gewonnen. Da er nun die Botenschuhe angezogen, habe ihm etwas die Sohle gar peinlich geschunden, und wie er darnach geforschet, sei er unter dem Leder, worauf er getreten, eines großen Briefes ansichtig geworden, der mit einem Siegel verschlossen. Selbiger sei seiner Pein Grund und Ursach' gewesen, und darum habe er erst hineingeschaut, weil er wißbegierigen Sinnes und des Lesens als eines Schulmeisters Sohn bestens kundig; doch weil man dabei gewesen, das Feuer für das Nachtmahl zu entzünden, und es in der Feuchtigkeit sich zu brennen geweigert, hätten die anderen sich des trockenen Papieres bedienet, um die schwache Flamme zum Lodern zu bringen.

Da war denn nur noch zu hoffen, daß der Schneider sich etlicher Sätze aus dem Briefe entsinne, und er wußte auch zu berichten, daß er an eine Jungfrau des Namens Ann gerichtet gewesen, und so Rührsames von treulicher Minne unter großer Not und schmerzlicher Trennung enthalten habe, daß ihm, da er auch einmal ein Feinsliebchen besessen, das Weinen nahe gewesen.

Bei solcher Rede hatt' er wahrgenommen, daß die Ann diejenige, an welche das Schreiben gerichtet, und alsbald gab er ihr eine Menge der feurigsten Liebesschwüre zu hören, so er sicherlich dem »Amadis«, aber nimmermehr, wie er doch vorgab, dem Briefe entnommen. Eines konnte ihm indes nur aus des Herdegen Schreiben bekannt geworden sein, nämlich, daß der Briefsteller viel von Sklavendienst und gewaltig hohem Lösegelde, sowie von einer schlimmen Feindin und ihrem Hausherren geschrieben, gegen deren Ränke nichts auszurichten, es sei denn mit List und klüglicher Fürsicht. Selbigen Satzes aber wisse er sich fast genau zu entsinnen, maßen es ihm dabei in den Sinn gekommen, den Eber aufzureizen, mit seiner Schar geradenwegs ins Aegypterland zu ziehen und den unschuldigen Sklaven aus der ungläubigen Heiden Gewalt zu erlösen. Denn wenn er sich dem Leben an der Straße ergeben, so sei solches nur geschehen, weil man ihm vorgespiegelt, der Wichsensteiner habe nichts im Sinn denn den Armen wiederzugeben, was ihnen die Reichen genommen, und die Unterdrückten aus der Mächtigen Faust zu erlösen. Solches habe ihm keine Ruhe auf dem Schneidertisch gelassen, bis er die Nadel mit dem großen Küchenmesser der Meisterin vertauschet. Doch er sei bald inne geworden, daß Führer und Gesellen immer nur für das eigene Beste Sorge getragen. Auch sei er zu manchem Greuel und großer Schelmerei genötiget worden, gegen die sich alles, was in ihm, gar hart gesträubet; denn von seiner grundgütigen Frau Mutter her sei ihm eine weiche und rührsame Seele anerstorben, also daß er den Fliegen zur Winterzeit, wenn sie Not gelitten, Zucker gestreut, und es ihm sogar zuwider gewesen, in ein fleischfarben Gewand mit der Nadel zu stechen, aus eitel Furcht, ihm wehe zu thun. Weil die anderen den ausgezogenen Boten an der Straße liegen gelassen, sei er allein umgekehret und habe ihm mit dem eigenen Tüchlein die schwere Wunde am Haupte verbunden, und daß solches der Wahrheit entspreche, dafür werde das Tüchlein zeugen, in dessen Ecke seines Taufnamens »Pignot« Anfangsbuchstabe zu lesen, den seine grundgute Mutter selig hineingesticket. Er sei ein arm Waislein, und wenn . . .

Hier versagte ihm vor Schluchzen die Stimme, doch fand er den fröhlichen Mut bald genug wieder; denn die Ann hatte das P. in der Binde um des Eppelein Haupt wahrgenommen, und es stund auch um den armen Schächer nicht viel anders als er vermeldet. Darum nahmen wir uns sein als Fürsprecherinnen an, und wenn er frei kam, hatte er solches einer barmherzigen Handlung und dem Buchstäblein zu danken, so die »grundgute Mutter« dem Sohne in das Tüchlein gesticket. Er ist auch später zu Velden ein ehrsamer Schneidermeister geworden und, statt fürder für die unterdrückten Mitmenschen zu streiten, hat er des langen Weibsbildes, so er sich später trotz seiner Kleinheit zur Hausfrau erkor, hart Regiment in aller Demut ertragen.

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