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Gutenberg > Achim von Arnim >

Die Gleichen

Achim von Arnim: Die Gleichen - Kapitel 7
Quellenangabe
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typedrama
authorAchim von Arnim
titleDie Gleichen
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
volumeDritter Band
editorReinhold Steig
year
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091107
projectida347d67e
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Sechster Aufzug

(Weideplatz mit alten Eichen vor Neugleichen wie im ersten Aufzuge. Einige Freischöffen werfen in der Nähe von Plesse ein Grab auf und machen ein Ehrenbette von frisch ausgestochenem Rasen; während der Arbeit singen sie mit leiser Stimme.)

Chor: Freudig wird der Krieger Leben
In das blut'ge Licht gestellt,
Hell in Reihen, wie die Reben,
Wenn der Geist die Traube schwellt;
Reif zur Lese, reif zum Siege,
Gleich erfüllt von Geistesglut,
Treten sie aus grüner Wiege,
Und das Licht prüft ihren Mut.

Gegenchor: Keine birgt sich in dem Laube,
Was geschieht, geschehe allen,
Und der Winzer bricht die Traube,
Die am meisten ihm gefallen,
Reicht sie in des Herren Hände,
Daß er prüfe ihre Süße,
Gönnt dem Geist das sel'ge Ende,
Daß er zu dem Ew'gen fließe.

Schlußchor: Wer ersieht da eine Lücke,
Enger drängen sich die Reihen;
Zu dem Untergang, zum Glücke
Alle sich verbrüdert weihen.
Und der Winzer ob der Menge
Läßt das müde Messer sinken,
Und der Sonne Todsgepränge
Eilt ins Meer, die Sterne blinken.

Chor: Stille Nährerin der Wesen,
Ernste Mutter, dunkle Nacht,
Brächtest gerne ein Genesen
Jedem, der in Schmerzen wacht;
Legst nun hilflos deine Tränen
Auf die Lippen schön geschlossen,
Die sich tot nach Küssen sehnen,
Die sie lebend nicht genossen.

Gegenchor: Friedlich wird das junge Leben
In das frische Grab gelegt,
Liebe steht entseelt daneben,
Alle Welt fühlt sich bewegt;
Weiß doch nicht, was er will sagen
Dieser schmerzlich schwüle Druck,
Tränenschwere Wolken tragen
Seinen letzten Atemzug.

Schlußchor: Lerne in den Schmerzenstagen
Dieses höchste Erdenrecht,
Wie sich unsre Herzen schlagen
Hin zu göttlichem Geschlecht,
Das von droben regt im Schrecken
Tiefen Ernst der Erdenwelt,
Bis erhöht durch das Erwecken
Wir in Gleichheit ihm gesellt.

(Am Schlusse des Liedes legen sie Plesse in einen prachtvollen, mit dem Reichswappen gestickten, mit dem Kreuze bezeichneten schwarzen Mantel auf das Ehrenbette, bekränzen ihn mit Blumenkränzen, stellen eine Fackel zu ihm und ziehen fort. Zwei schwarz gerüstete Femrichter treten mit Fackeln aus der Kapelle.)

Erster: Bei Eurem Eid, es bleibt der Ort verschwiegen,
Sonst gräbt das dumme Volk die Fremde aus,
Weil sie mit Gift ihr Leben selbst geendet.

Zweiter: Die arme Frau muß fern von ihrer Heimat
Und ohne Sarg in kalter Erde schlafen.

Erster: Sie ruht im Vaterlande aller Christen,
In der geweihten Erde unsers Herrn.

Zweiter: Verschmäht zu sein war ihrer Liebe Lohn,
So sprach der Ritter Bernhard vor den Richtern,
Nun eint sie nicht einmal das Grab mit Plesse.

Erster: Ob Plesse wohl noch lebt? Es scheint mir doch,
Als ob die Luft durch seine Brust noch irre.

Zweiter: Der Geistliche wird bald die Kräuter bringen,
Die gegen solche Gifte wirksam sind;
Er lebte lange Zeit im Morgenlande
Im Dienste seines Klosters als ein Arzt.

Erster: Wer hätte von dem Hartmann das gedacht,
So einen edlen Herren zu ermorden
Und noch zu glauben, daß er recht getan?
In solchem Glauben steckt die rechte Sünde,
Die ganze Hoffart übermüt'ger Dummheit.

Zweiter: Den kann der böse Geist noch leicht entführen,
Der aus ihm spricht in schrecklichen Gedanken.

Erster: Bauchredner ist er, weiter ist es nichts,
In Augsburg hört' ich einen, der am Markt
Gar lustiges Gespräch mit dreien führte.

Zweiter: Das ist nicht lustig, wie der Hartmann spricht;
Der Stimme Seltsamkeit ist nicht mein Schrecken,
Es ist der Inhalt, der so herrisch, trotzig
Sich gegen alle Welt vernehmen läßt,
Als ob er ihr in nichts mehr angehöre.

Erster: Da wird er hergeführt, vielleicht wird hier
Am Ort der Tat die Strafe gleich vollzogen.

(Hartmann tritt auf zwischen den drei Freischöffen, die als Schlächter gekleidet sind.)

Erster: Du scheuest nicht die Nähe seines Blutes?

Hartmann: Ich scheu sie wohl, doch ich muß heut noch dienen,
Er reißt mich an den Haaren zu dem Stein,
Wo ich die Stimme aus der Erde hörte,
Die um Erbarmen rief für Ritter Plesse.
(Mit zweiter Stimme.) »Erhebt den Stein, hier findet ihr den Joseph.«

Zweiter (von denen aus der Kapelle): Wir haben Schaufeln, können hier abgraben,
So sinkt der Stein viel leichter auf die Seite.

Hartmann: So ist es wahr, ist Norbert, Gangolph tot,
Der Graf verwundet und die Burg gerettet?

Einer: Die flücht'gen Jäger werden eingefangen.

Hartmann: Was sprach der Graf vom Tode Ritter Plessens?

Einer: Der Plesse sei sein treuster Freund gewesen,
Der sterbend ihm die Burg errettet habe.

Hartmann: O hättet ihr mich losgelassen hier,
Ich hätt' sie auch errettet, denn es rief
Der Geist mich mächtig, doch da ward verhört
Und größres Unheil ward nicht abgewendet;
Nun sagt mir doch, was spricht der Herr von mir?

Einer: Er hat Euch bis zur Ewigkeit verflucht,
Weil Ihr zu vielem Unheil ihn verführt,
Auch um den Mord, von dem er nichts gewußt.

Hartmann (mit zweiter Stimme): »Hör, Hartmann, bist verflucht vom jungen Herrn,
Die Alten sind doch besser als die Jungen.«
(Mit eigner Stimme) O dieser Fluch, er stößt das Herz mir ab,
Verbannt, verflucht, verdammt um treuen Dienst,
Weil ich Verderben wandte von dem Hause,
Indessen andre wie die Würmer nagen
Im innern Holz, bis es zusammenstürzt.
Bereichern konnt' ich mich wie andre Diener,
Mit Müßiggang den reichen Lohn vergelten,
Und hätt' ich nur getan, was mir befohlen,
So wär' ich nun ein Greis, der hochgeehrt
Im Hause wie ein Vater wär' gehalten,
Und dessen Grab ein Ehrendenkmal zierte:
»Hier liegt ein treuer Diener unsres Hauses.«

(Der Stein sinkt über.)

Erster: Ein Engel liegt im Grab.

Hartmann: Es ist Graf Joseph!

Zweiter: Er scheint noch schwach, wir tragen ihn hinaus
Und legen ihn zum Ritter auf den Rasen.

Dritter: Seht, welche Schätze bei dem Knaben liegen!
Seltsamer Schmuck, wie ich ihn nie gesehen.

Hartmann: Das ist der große Schatz der dreien Brüder;
Wenn der gehoben, ist auch Fried' im Hause.

Erster: Seht, diese Seitenwand ist aufgesprungen,
Da lag er in der Truhe eingeschlossen.

Hartmann: Es bleibt der Schatz ein heilig Kirchengut,
Bis große Not die Grafen hält bezwungen.

Zweiter: Der junge Graf scheint kräftig aufzuatmen.

Hartmann (mit zweiter Stimme): »Ich habe dich zu deinem Ziel geführt,
Du hast den letzten Sprossen mir errettet,
Mein Stamm wird blühen durch die ferne Zukunft,
Ich bin nun frei von meiner ird'schen Sorge,
Die Freiheit nimm zum Lohn für deine Dienste.
Ich habe dich zu großer Kraft erzogen,
Bald wirst du sie in höherm Willen üben.«

(Hartmann sinkt auf die Knie nieder.)

Hartmann: Du läßt von mir in meiner letzten Stunde!

Erster: Mir war's, als ging ein schwerer Harnisch dicht
An mir vorüber, Spornen hört' ich klingen.

Zweiter: Mir auch, wir müssen uns dabei nichts denken,
Es ist viel Lärmen in dem Wald, verlaufne
Genossen der erschlagnen Brüder werden
Gefangen und gehenkt.

Erster: Hei. welcher Schlag!

Zweiter: Am Tore von Neugleichen.

Erster: Wem kann's gelten?

Hartmann (steht auf): Mir gilt's! Ihr rächend Richtenden seid schnell.
Ihr habt Gewalt, weil ich mich selber stell,
Und weil der alte Geist von mir geschieden.
O nehmt mich, den Verfluchten und den Müden,
Die Sonne naht, und sichtbar sind die Wege,
Ich komm, ihr Wissenden! Ich hör die Schläge,
Drei Späne hauet ihr vom hohen Tor
Und meinen Namen rufet ihr davor.
Ich kenn die Zeichen: keinem, der geladen,
Wird je verziehn in Mitleid und in Gnaden.
Ist dies der Tod, wenn Geist vom Leib geschieden,
So bin ich tot! Ich suche nur den Frieden,
Und dieser Leib ist mir ein fremdes Haus,
Die Feinde hausten drin, der Krieg ist aus,
Ich kann mich nicht verstehen mit den Leuten,
Ich möchte mich zum Tode gern bereiten.

(Er geht in Begleitung der Schlächter ab, die andern bleiben hinter den Büschchen als Wächter stehen.)

(Bernhard und der Geistliche treten von einer andern Seite auf.)

Bernhard: Wie solche Kraft im unscheinbaren Kraute
Kann eingeschlossen sein!

Geistlicher: Der Geist im Glauben,
Der Geist im Leibe, ungeheure Kraft
An engen Raum gebunden, der nur Zeichen
Von ihrem Dasein ist. Ein Glück, daß ich
Dies Kraut im Dunklen hab gefunden,
Wir müssen jetzt den Leib des Plesse suchen.

Bernhard: Die Richter haben uns viel Zeit verdorben,
Sie möchten alles wissen, tun doch nichts.

Geistlicher: Wir danken dem Gericht doch ein Bekenntnis,
Das keine Macht der Gräfin sonst entrissen,
Wie Plesse ward als Buhler angeklagt,
Daß sie die Liebe öffentlich gestand,
Die sie für ihn seit Jugendzeit empfunden.
Nie wollte sie dies Wort mir anvertrauen
Und beichtete mir doch die kleinste Sünde.

Bernhard: Was ging's Euch an, was ohne Schuld und Tugend
Ihr angeschaffen ist vom Herrn der Welt!

(Graf, Gräfin und Amra kommen.)

Geistlicher: Ach, Gräfin, unerklärlich ist bei dem
Gefühle, das mit Plesse Euch verkettet,
Wie Ihr den Rat des Papstes habt verschmäht,
Von Eurem Recht freiwillig abzutreten,
Die unvollzogne Ehe aufzulösen,
Die mit dem Grafen Euch verbunden hält.
Die Ehe war gelöst durch jenen Brief,
Den Hartmann uns von Rom heut überbrachte.

Gräfin: Mit Staunen höre ich des Papstes Willen,
So hat uns Hartmann nicht sein Wort gedeutet.

(Sie stützt sich halb ohnmächtig auf Amra.)

Graf: Auch mir verschwieg der eigensinn'ge Alte,
Daß noch ein Ausweg sei als Doppelehe.

Geistlicher: Mir sagte Hartmann, daß die Gräfin fest
Entschlossen sei, ihr Recht nicht aufzugeben,
Und niemand dürfe Euch davon nur reden,
Dem doppelten Geschicke zu entsagen.

Graf: So trieb sein Eigensinn ein böses Spiel.
Nun steh ich einsam, hab mich aufgegeben,
Was will ich noch, da keiner mich hier liebt! –
O lebte noch der Ritter, vieles könnte
Sich besser enden! – Ja, mir fehlt ein Freund,
Mein Herz es ist zerrissen und verworfen,
Es möchte sich an seiner Brust ausweinen,
Zerschlagen ist der Laute Freundschaftstrost.
Wo ist der Wunde, könnte ich ihn retten!
Was ist mein Leben wert, ein kleines Opfer!
Es gibt ein Gift, das Blut der Menschen löst,
O nehme meines Heizens Blut für ihn.

Geistlicher: Nicht zwingen läßt der Himmel sich durch Blut,
Denn frei vor allem ist des Himmels Gnade,
Doch schenkt er dem Gebete gern Erfüllung.
Hier tragt die Fackeln her zu diesem Rasen.

Gräfin: Er ist's, o halt mich aufrecht, starker Glaube,
Ich bitt Euch auf den Knien, frommer Vater,
O helft ihm, beten kann ich nicht, nur weinen.

(Joseph erhebt sich scheu und schweigend neben Plesse.)

Amra: O sieh Erhörung deinen nassen Blicken,
Ein Engel steigt empor an seiner Seite.

Bernhard: Der Wunde Gift entfließt ins heil'ge Wasser.

Geistlicher: Die Lebenswärme ist noch nicht entschwunden,
Die Pulse schlagen, wo Ihr Euch ihm nahet.

Gräfin: O könnte ich sein treues Herz erregen,
Mich hielte nicht die heil'ge Scheu zurück,
Die zwischen uns so manches Jahr gewaltet,
Ich sänk' an seine Brust mit tausend Küssen.

Graf (tritt zu Plesse und reicht ihm die Hand der Gräfin):
Laß alle Scheu verschwinden vor der Wahrheit,
Ihr seid vereinigt, denn wir sind geschieden.
Nimm deine Braut, du Toter, von dem Freunde,
Der von dem Leben leichten Abschied nimmt.
Sie ist nun dein, auf Erden wie im Himmel,
Dir sei sie in dem Händedruck vermählt.
Ich kann nur Opfer bringen für den Irrtum,
Nicht ungeschehn kann ich Vergangnes machen.
O hätt' ich immer in die Welt geschaut
Mit eignen Augen! Täuschen sie mich nicht,
Der Freund erhebt sich, staunet an die Gräfin,
Die ihm vermählt in seinem Schoße ruht.

Plesse: Wo bin ich, welche Träume um mich her,
Soll ich zur Wahrheit nimmermehr erwachen?
Mir ist so leicht, das Herz war mir so schwer,
Genesen bin ich ganz vom Biß des Drachen,
Aus dürrem Sande steigt ein Freudenmeer,
Aus Winterzeit die Frühlingslichter lachen.
Ist's wahr, ist mir die Himmlische beschieden,
Die ich gemieden um den ew'gen Frieden?

Gräfin: Laß deinen Blick nicht zweifelnd um dich schweifen,
Begreifen läßt sich nicht ein solch Geschick;
Der Himmel will nun alles auf uns häufen,
Was einzeln schon ein himmelreiches Glück,
Und durch den Jammer will er mächtig greifen
Und durch die Nacht mit seinem Segensblick,
Wir sollen ihn nun finden in den Strahlen,
Nach dem wir uns gesehnt in dunklen Qualen.
(Zum Grafen) O laß als Freund dich dankbar neu begrüßen,
Du hast die Händ' in deiner Hand vereint,
Dir soll die Zeit in höh'rer Lust verfließen,
Die du so lang im Überdruß verweint;
Was uns beglückt, das sollst du mitgenießen,
Den Herzensstrahl, der mit Vertrauen scheint.
Wir haben nichts einander zu verhehlen,
Und Freundschaft kann uns drei vor Gott vermählen.

Joseph (zu den dreien): O nehmt mich auf in eurem schönen Bunde,
Ich bin verlassen, bin euch nah verwandt.
Kam euch vom armen Joseph nicht die Kunde?
Die Brüder hatten mich ins Grab gebannt,
Der Stein erhob sich mir in dieser Stunde,
Ein neues Leben hab ich nun erkannt;
O zieht mich auf in eurem edlen Kreise,
Die Glocken klagten, daß ich eine Waise.

Graf: Auch dieser Wunsch ist mir vom Herrn gewähret,
Daß noch ein Kind der Väter Haus beglückt.
Ich hab es nicht gezeuget und ernähret,
Es ist durchs Unglück mein und mir geschickt,
Es soll vereinen, was der Streit verheeret,
Und bald als Herr von beiden Burgen blickt;
Uns eint vernichtend himmlische Verkettung,
Das Höhere ist stets des Niedern Rettung.

Amra: Reicht mir die Hand und zürnet mir nicht länger.
Ihr habet mich geliebt und auch gekränkt,
Der Freundschaft Bund umschlinget uns nun enger,
Als da die müß'ge Lust zu Euch gelenkt;
Denn ohne Hartmann, jenen mächt'gen Dränger,
Hätt' ich wohl nie die Hand zur Flucht geschenkt,
Ihr habt mich dem Geliebten zugeführet,
Der Dank für all mein Glück nur Euch gebühret.

Bernhard: Was ich erlangt, das hab ich mir erstritten,
Im harten Kampf gewann ich mir die Braut,
Doch ziemte es sich wohl nach Rittersitten,
Daß ich mein ganz Geschick Euch anvertraut.
Ihr habt so gern erfüllt mein feurig Bitten
Und habt nur auf mein liebend Herz geschaut,
Und ohne Neid habt Ihr die Braut verschenket,
Ich wußte nicht, wie tief ich Euch gekränket.

Graf: Ich bin euch allen tausendfach verschuldet,
Ich zürne nur mit meinem Unbestand.

(Es kommen die Burgmänner während dieser Worte mit dem Kreuze, den Leuchtern und heiligen Geräten von der Verfolgung der Jäger zurück, das Kreuz des einen ist von der Sonne hell erleuchtet.)

Graf: Doch wie die Sonne jetzt das Kreuz vergoldet,
Mein Herz auch seinen Retter wiederfand,
Er hat mich lang in Zweifelsnot geduldet,
Er reicht die Hand, ich tret zum heil'gen Stand;
Ich brauch kein irdisch Band hier abzubrechen,
Im heil'gen Dienst erstarken Zweifelsschwächen.
Wo ich gelobt, die Kirche zu erbauen,
Als ich mit zweien Frauen hier vereint,
Da will ich euch verlassen, mich beschauen
Im höhern Spiegel, der es wahrhaft meint:
Ich werde nahn der höchsten aller Frauen,
Wenn ich von allem Irdischen gereint.
Dir, Plesse, sei der Erbe übergeben
Von meinem Hause, du gingst rein durchs Leben.
Der reiche Schatz, von dem viel Leid vernommen,
Er ist gehoben in der Schreckensnacht,
Die neue Kirche soll ihn ganz bekommen,
Zur Unschuld wird am Altar Sündenpracht;
Er lag im Erdenschoße bang beklommen,
Nun glänzet er, dem Höchsten dargebracht,
Die Zeichen sind erfüllt, ich darf's verkünden,
Des Schlosses böser Geist wird Ruhe finden.

Chor der Burgmänner: Reiner wird der Himmel nimmer,
Klarer war noch nie die Luft,
Aus dem Osten steigt ein Schimmer
Wie ein Geist aus seiner Gruft:
Erdenlast ist ihm entfallen
Mit der Träne in den Staub,
Unterm Tau die Ähren wallen,
Waldnacht glänzt vom frischen Laub.

Chor der Freischöffen: Lehre uns im mächt'gen Tagen
Unsres Geistes Erdenrecht,
Wie dein Herz sich durchgeschlagen
Hin zu göttlichem Geschlecht,
Das von droben regt im Schrecken
Tiefen Ernst der ird'schen Welt,
Bis erhöht durch das Erwecken
Wir in Gleichheit ihm gesellt.

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