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Die Geschichten des Majors

Hans Hopfen: Die Geschichten des Majors - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDie Geschichten des Majors
authorHans Hopfen
year1880
firstpub1879
publisherF. Schneider & Co.
addressBerlin
titleDie Geschichten des Majors
pages294
created20170831
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Geschichten des Majors

von

Hans Hopfen.

 


 

Berlin, 1880.
F. Schneider & Co.
(Goldschmidt & Wilhelmi)
Königliche Hofbuchhandlung.

 


 

 


 

                Das erste Buch, das ohne Dich entstand,
Das erste Buch, das nicht in Deiner Hand
Geruht, das nicht dein sichrer Blick, Auguste,
Geweiht, lang eh' ein Dritter darum wußte!
Die Erde deckt die kleine traute Hand,
Die erst der Tod der meinigen entwand;
Das Auge, das in Leidenschaft und Ruh
An meinem hing, die Erde deckt es zu.
Ach, Monde wechseln, Jahr vergeht um Jahr,
Die Sehnsucht bleibt dieselbe, die sie war.
All, was ich hab' und gelte, kann und bin,
Für einen Tag gäb' ich es gerne hin,
Für einen Tag, wie wir zwölf Jahre hatten,
Für deiner Stimme Klang, für Deinen Schatten.
Wüßt' ich nur, wo Dein Schatten zu umfangen,
Ich wäre lange schon ihm nachgegangen.

Ich weiß es nicht . . . und hab' so manche Nacht
An meiner Kinder Bette nachgedacht
Und meine Qual erkannt und meine Pflicht,
Und hab's erprobt, nicht wahr ist's, wenn sie sagen,
Die Zeit verring're großen Grams Gewicht.
Wir lernen mit der Zeit nur eben tragen.
Wir werden uns nur deutlicher bewußt,
Unwiederbringlich bleibe der Verlust.
Denn Anfangs da sie war von mir genommen,
Meint' ich, sie müsse, müsse wiederkommen.
Nun weiß ich's lange, nimmer kehrt zurück,
Was einst so treu mir war, mein blondes Glück,
Nie mehr tritt neben mir den gleichen Pfad
Mein kluger tapfrer Lebenskamerad!

Doch nicht umsonst bist Du mit mir gegangen,
Ich hab' so viel von Dir in Lieb' empfangen,
Daß, was ich thun mag, was ich laß' und wähle,
Mir blieb ein Duft von Deiner schönen Seele.
Durchtränkt von Deinem Sinn und Deinem Lieben
Ist all mein Denken und mein Sein geblieben.
Bei allem, was geschieht, frag' ich im Geist,
Ob, Gusti, Du mit mir zufrieden seist.

Wir irren all' im Leben wie im Dichten,
Nach unsrem Können nur soll man uns richten.
Was immer ich gekonnt, gewollt, gemußt,
Kein Mensch hat es so gut wie Du gewußt.
Nach Andren fragt' ich wenig und mein Spiel
Galt mir gelungen, wenn es Dir gefiel.

Nun kann ich nicht mehr hingehn und Dich fragen,
Und doch heißt's weiter leben, schaffen, wagen! . . .
Wohlan! Ich will! Von Neuem setz' ich ein.
Doch wie's auch fallen mag, ich denke Dein!
Und auf Dein Grab, wo unter Ahorns Grün
Von meinem Aug' bethaute Blumen blühn,
Leg' ich, geliebtes Weib, mit treuer Hand
Dies erste Buch, das ohne Dich entstand.

 


 

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