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Die Geschichte des Tom Jones / Theil VI

Henry Fielding: Die Geschichte des Tom Jones / Theil VI - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Geschichte des Tom Jones / Theil VI
authorHenry Fielding
year1848
firstpub1749
translatorDr. A. Diezmann
publisherGeorg Westermann
addressBraunschweig
titleDie Geschichte des Tom Jones / Theil VI
pages143
created20080618
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Erstes Kapitel.

Etwas Einleitendes.

Hat ein komischer Schriftsteller seine Hauptpersonen so glücklich gemacht als es ihm möglich ist, oder hat ein tragischer Dichter die Seinigen zu dem äußersten Grade menschlichen Elendes gebracht, so halten beide ihr Geschäft für abgethan und ihr Werk für beendiget.

Gehörten wir zu den tragischen Schriftstellern, so wären wir, wie der Leser gestehen wird, so ziemlich bei diesem Puncte angekommen, da es für den Teufel oder einen seiner Stellvertreter auf Erden schwer sein möchte, noch größere Leiden für den armen Jones als die zu ersinnen, in welchen wir ihn in dem letzten Kapitel verließen, und was Sophien betrifft, so dürfte ein gutherziges Weib schwerlich einer Nebenbuhlerin größere Angst und Unruhe wünschen, als sie in diesem Augenblicke fühlen mußte. Was bleibt also übrig zur Vervollständigung der Tragödie als eine oder ein Paar Mordthaten und einige wenige Moralsentenzen?

Es scheint uns jedoch eine schwerere Aufgabe zu sein, unsere Lieblinge aus ihrer jetzigen Angst und Noth herauszubringen und endlich an der Küste des Glückes an das 2 Land zu setzen. Was Sophien betrifft, so ist es mehr als wahrscheinlich, daß wir ihr zuletzt irgend einen guten Mann verschaffen werden, entweder Blifil oder den Lord oder einen Andern; der arme Jones dagegen ist durch seine Unklugheit in so arge Noth gekommen, so ohne Freunde und von so mächtigen Feinden verfolgt, daß wir fast verzweifeln, ihn wieder herauszuarbeiten und er vielleicht doch an dem Galgen stirbt.

Soviel versprechen wir, daß wir trotz der Vorliebe, die wir vielleicht für den Bösewicht haben, den wir unglücklicher Weise zu unserm Helden gemacht haben, ihn nicht mit dem übernatürlichen Beistande unterstützen wollen, der uns unter der Bedingung in die Hände gelegt worden ist, daß wir nur bei wichtigen Gelegenheiten davon Gebrauch machen. Wenn er also keine natürlichen Mittel findet, sich aus seinem Ungemache herauszubringen, so werden wir um seinetwillen der Wahrheit und Würde der Geschichte keine Gewalt anthun, denn eher wollen wir berichten, er sei gehangen worden (was sehr wahrscheinlich geschieht), als dem Glauben unserer Leser zu nahe treten.

Darin hatten die Alten einen großen Vorzug vor den Neuern voraus. Ihre Mythologie, die damals einen festern Glauben bei dem gemeinen Volke fand, als irgend eine Religion jetzt, gab ihnen immer Gelegenheit, einen Lieblingshelden zu befreien. Ihre Götter standen immer des Winkes des Schriftstellers gewärtig, seine Absichten auszuführen, und je außerordentlicher die Erfindung war, um so größer war auch die Ueberraschung und die Wonne des gläubigen Lesers. Jene Schriftsteller konnten leichter einen Helden von einem Lande nach dem andern, ja aus einer Welt in die andere versetzen und ihn wieder zurückbringen, als es einem beschränkten neuern möglich ist, ihn aus einem Gefängnisse zu befreien.

3 Die Araber und Perser hatten einen gleichen Vortheil bei der Abfassung ihrer Mährchen durch die Geister und Feen, an die sie glauben als an einen Artikel ihres Glaubens nach der Autorität des Korans selbst. Uns ist keine solche Hilfe zur Seite. Wir sind blos auf natürliche Mittel beschränkt und wir wollen also versuchen, was durch diese Mittel für den armen Jones zu thun ist, ob mir gleich, die Wahrheit zu gestehen, etwas in das Ohr flüstert, er habe das Schlimmste noch gar nicht gekannt und es sei ihm vorbehalten, noch etwas Schrecklicheres zu erfahren, als er bis dahin vernommen.

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