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Die Geschichte des Diethelm von Buchenberg

Berthold Auerbach: Die Geschichte des Diethelm von Buchenberg - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorBerthold Auerbach
titleDie Geschichte des Diethelm von Buchenberg
publisherGesellschaft für Literatur Leuchtfeuer-Verlag Hamburg
year1925
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Fünftes Kapitel

Während die Brüder draußen vor dem Tor sich über das Leben ihres Meisters besprachen, saß dieser drin beim Sternenwirt im hintern Stübchen vor einer Flasche vom Besten, die der Sternenwirt zu Ehren seines Gastes auftischte und dabei seine Familienverhältnisse darlegte.

Halb klagend, halb ruhmredig erzählte er, wie sich die Zeiten ändern: er selber sei noch Metzger gewesen und habe dabei gewirtet, jetzt aber müsse ein Wirt alle Sprachen kennen, und ein Handwerk daneben zu treiben sei garnicht denkbar; sein Wilhelm sei aber auch in Genf und »auf der Universität von allen Kellnern, im Schwan in Frankfurt gewesen«.

Diethelm zeigte sich diesen Mitteilungen besonders teilnehmend und aufmerksam, denn es ist dem bangenden Herzen oft nichts erwünschter, als durch Aufnahme fremden Schicksals sein eigenes zu vergessen. Während der Sternenwirt erzählte, hatte sich eine von dessen Töchtern und der Sohn angelegentlich mit Fränz beschäftigt und waren oft in lauten Scherz ausgebrochen. Der Sternenwirt rückte nun, von der Teilnahme seines Zuhörers ermutigt, weiter heraus: wie glücklich ein vermögliches Mädchen mit seinem Wilhelm werden könne, er wolle den Engel in der obern Stadt kaufen und ausbauen und sei ohne Rühmens der geschickteste Wirt. Diethelm nickte einverständlich und bemerkte nur, daß der Wilhelm noch jung sei und wohl noch ein paar Jährchen warten müsse, und der Wirt stieß eben mit ihm an, als der Reppenberger eintrat. Diethelm nahm ihn beiseite und vernahm, daß nichts zu verkaufen sei und höchstens ums halbe Geld.

»Sag nur, ich behalt' den Posten auch noch«, rief Diethelm plötzlich laut und sagte dann, daß es alle hören konnten, leichthin zu dem Wirt:

»Kannst mir nicht auf eine Stunde fünfhundert Gulden geben?«

»Auf eine Stunde kann's schon sein«, erwiderte der Wirt, »es hat mir ein Händler tausend Gulden aufzubewahren gegeben. Nicht wahr, du bringst mir's gleich wieder? Von wegen, wenn's mein wär', könntest's behalten, so lang du willst, wär' mir sicherer als im Kasten. Es ist halb Silber und halb Papier. Was willst?«

»Die Taler, der Steinbauer hört das Geld gern klappern, er traut ihm eher.«

Diethelm empfing ein graues Säckchen mit den Geldrollen, er übergab die kleine Last dem Reppenberger zum Tragen, befahl der Fränz, ihn hier zu erwarten und ging mit seinem Geleite stolz durch das Marktgewühl. In der Post brach er alle Rollen auf und zählte und klimperte mit dem Gelde, das er dem Steinbauer einhändigte; das graue Säckchen betrachtete er dann eine Weile still und steckte es endlich zu sich, wobei er es an Spottreden auf den Steinbauern nicht fehlen ließ; dieser zählte aber- und abermals die Häufchen ab und hörte auf nichts.

Vor dem Hause atmete Diethelm tief auf und sagte dem Reppenberger, daß er tausend Gulden haben müsse, und wenn er sie aus dem Heiligenkasten stehlen sollte.

»In dem Nest muß Geld sein, hilf's holen«, ermahnte er den Reppenberger. Dieser wußte auch Rat: der Kastenverwalter hatte einen großen Posten bereit, aber nur auf Hypothek oder Wechsel. Von ersterer konnte bei Diethelm keine Rede mehr sein, er hatte nichts Unbewegliches als sein Haus und die Wiesen, und das war die letzte Sicherheit der Frau. Er hätte auch diese, wie er wohl wußte, zu einer Unterschrift bewegen können, er durfte es für sich selbst nicht tun; denn mit Aufnahme einer Hypothek wäre all' sein Ansehen vernichtet; vor dem Wechsel aber hatte Diethelm eine Höllenscheu, der Reppenberger mochte das einen albernen Bauernaberglauben

Die Furcht vor einer Wechselschuld erschien ihm jetzt in der Tat nur als ein Aberglaube, und der Wein erfrischte ihm das Herz wie noch nie. Auf die Bitten der Wirtsleute und der Fränz versprach er, über Nacht zu bleiben und den Honoratiorenball

So traf Diethelm die beiden Brüder mitten im Gespräch über ihn; er war voll guter Laune, als ihm Medard das Geld für die verkauften siebzig Paar Hämmel übergab, händigte er ihm ein namhaftes Trinkgeld ein und befahl ihm, ein Fuhrwerk zu nehmen und rasch nach Buchenberg zu fahren, dort der Meisterin Bescheid zu bringen und alles herzurichten zur Aufnahme der neuen Waren und Schafe. Bald fuhr Medard mit seinem Bruder in die linde Nacht hinein, Buchenberg zu.

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