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Publius Cornelius Tacitus: Die Germania - Kapitel 45
Quellenangabe
typetractate
booktitleDie Germania
authorC. Cornelius Tacitus
translatorAdolf Bacmeister
year1868
firstpub1868
publisherVerlag von Paul Neff
addressStuttgart
isbn
titleDie Germania
pages72
created20091205
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Aestier. Sitonen.

Jenseits des Suionenlandes liegt starr und fast bewegungslos noch ein anderes Meer als Saum und äußerste Zone des Erdkreises, was man darum glauben darf, weil der letzte Glanz der sinkenden Sonne sich bis zu ihrem Wiederaufgang erhält, so hell, daß er die Sterne verdunkelt. Der Volksglaube will ferner beim Auftauchen der Sonne einen Klang vernehmen, Göttergestalten und ein strahlenumgebenes Haupt erblicken. Dort steht, und die Sage hat Recht, der Grenzstein der Schöpfung.

Nun also an der Ostküste des suevischen Meeres hin, so schlägt es dort an die Gestade der Aestischen Stämme. Ihre Sitte und äußere Erscheinung ist suevisch, die Sprache steht der britannischen näher. Sie verehren eine Göttermutter; ein äußeres religiöses Zeichen sind die Figuren von Ebern, welche sie tragen. Ein solches Bild ist Schutz und Waffe gegen alles und schirmt den Diener der Göttin mitten im Feindesheer. Eiserne Waffen sind selten, das gewöhnliche ist eine Keule. Im Anbau von Korn und anderen Früchten zeigt der Aestier mehr ausdauernden Fleiß als es der bequeme Germane sonst zu thun pflegt.

Aber auch das Meer durchwühlen sie, von allen die einzigen, welche den Bernstein, in der Landessprache Glesum, in den Untiefen des Strandes und auf diesem selbst sammeln. Das eigentliche Wesen oder die Entstehungsgesetze des Bernsteins haben diese Barbaren nie untersucht oder ergründet. Lange Zeit sogar blieb er mit andern Auswürfen der See liegen, bis römischer Luxus das Wort für die Sache fand. Die Eingeborenen wissen nichts damit anzufangen; im rohen Zustande sammeln sie ihn, unbearbeitet bringen sie ihn zu uns und staunend nehmen sie die Bezahlung an. Man erkennt indessen den Stoff doch als ein Baumharz, denn man sieht gewisse Arten von Landthierchen und sogar geflügelte Insekten durchschimmern, welche in der flüssigen Masse hängen und beim allmählichen Verhärten von ihr umschlossen bleiben. Wie in den fernen Gegenden des Morgenlandes wo Weihrauch und Balsam ausschwitzt, so gibt es also wohl auch auf den Inseln und in den Landschaften des Abendlands gesegnetere Wälder und Haine; von den Strahlen der nahen Sonne ausgepreßt und in Fluß gesetzt rinnt der Stoff in das nächste Meer und wird durch die Gewalt der Stürme an die gegenüberliegenden Gestade geschwemmt. Eine Untersuchung des Stoffes, welche den Bernstein dem Feuer aussetzt, ergibt, daß er entzündlich ist wie Kienholz und eine fettige, geruchverbreitende Flamme entwickelt; allmählich verdickt er sich wieder zu einer pech- oder harzähnlichen Masse.

An die Suionen schließen sich die Stämme der Sitonen; bei sonstiger Gleichheit in dem einen Punkte von jenen verschieden, daß ein Weib an ihrer Spitze steht; so tief sind sie nicht allein unter ein freies, nein selbst unter ein Sklavenvolk herabgesunken.

Caput XLV.

Trans Suionas aliud mare, pigrum ac prope immotum, quo cingi cludique terrarum orbem hinc fides, quod extremus cadentis iam solis fulgor in ortus edurat, adeo clarus ut sidera hebetet; et sonum insuper emergentis audiri formasque deorum et radios capitis aspici persuasio adiicit. Illuc usque, et fama vera, tantum natura. Ergo iam dextro Suevici maris litore Aestiorum gentes adluuntur, quibus ritus habitusque Suevorum, lingua Britannicae propior. Matrem deum venerantur; insigne superstitionis formas aprorum gestant; id pro armis omniumque tutela securum deae cultorem etiam inter hostes praestat. Rarus ferri, frequens fustium usus. Frumenta ceterosque fructus patientius quam pro solita Germanorum inertia laborant. Sed et mare scrutantur, ac soli omnium succinum, quod ipsi glesum vocant, inter vada atque in ipso litore legunt. Nec quae natura quaeve ratio gignat, ut barbaris, quaesitum compertumve; diu quin etiam inter cetera eiectamenta maris iacebat, donec luxuria nostra dedit nomen. Ipsis in nullo usu; rude legitur, informe perfertur, pretiumque mirantes accipiunt. Succum tamen arborum esse intellegas, quia terrena quaedam atque etiam volucria animalia plerumque interlucent, quae implicata humore mox durescente materia cluduntur. Fecundiora igitur nemora lucosque, sicut Orientis secretis, ubi tura balsamaque sudantur, ita Occidentis insulis terrisque inesse crediderim; quae vicini solis radiis expressa atque liquentia in proximum mare labuntur, ac vi tempestatum in adversa litora exundant. Si naturam succini admoto igne tentes, in modum taedae accenditur, alitque flammam pinguem et olentem, mox ut in picem resinamve lentescit. Suionibus Sitonum gentes continuantur; cetera similes uno differunt, quod femina dominatur; in tantum non modo a libertate, sed etiam a servitute degenerant. Hio Sueviae finis.

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