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Publius Cornelius Tacitus: Die Germania - Kapitel 11
Quellenangabe
typetractate
booktitleDie Germania
authorC. Cornelius Tacitus
translatorAdolf Bacmeister
year1868
firstpub1868
publisherVerlag von Paul Neff
addressStuttgart
isbn
titleDie Germania
pages72
created20091205
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Volksversammlung.

Ueber minder bedeutende Angelegenheiten berathen die Häuptlinge, über die wichtigeren die Gesammtheit. Indessen auch wo dem Volke die Entscheidung zusteht, wird die Sache von den Häuptlingen durchgesprochen. Für diese Berathungen haben sie, wenn kein unerwarteter Zufall eintritt, ihre festen Tage, und zwar gelten Neumond oder Vollmond als günstigste Zeit für die Staatsgeschäfte. Der Germane rechnet aber nicht wie wir nach Tagen, sondern nach Nächten; so wird beraumt, so wird berufen; Herrscherin ist die Nacht; in ihrem Gefolge der Tag.

Eine Schattenseite germanischer Freiheit ist es, daß die Versammlungen nicht gleichzeitig, nicht zur gebotenen Frist zusammentreten und oft zwei und drei Tage mit Warten verloren gehen. Im Rathe selbst setzt sich jeder nach Belieben, und zwar in Wehr und Waffen. Der Priester gebietet Schweigen; ihm steht hier auch das Recht der Ahndung zu. Sodann ergreift der König, der Häuptling das Wort, jeder überhaupt welchen Alter, Geburt, Kriegsruhm, Beredsamkeit befähigen; und jeder mehr auf das Gewicht seiner Meinung als auf die Gewalt seines Machtspruchs gestützt. Findet eine Ansicht keinen Beifall, so geht ein verneinendes Murren, gefällt sie, so tönt das Klirren der Speere durch die Versammlung. Waffenklang ist das ehrenvollste Zeichen des Beifalls.

Caput XI.

De minoribus rebus principes consultant, de maioribus omnes, ita tamen ut ea quoque, quorum penes plebem arbitrium est, apud principes pertractentur. Coeunt, nisi quid fortuitum et subitum incidit, certis diebus, cum aut inchoatur luna aut impletur; nam agendis robus hoc auspicatissimum initium credunt. Nec dierum numerum, ut nos, sed noctium computant; sic constituunt, sic condicunt; nox ducere diem videtur. Illud ex libertate vitium, quod non simul nec ut iussi conveniunt, sed et alter et tertius dies cunctatione coeuntium absumitur. Ut turbae placuit, considunt armati; silentium per sacerdotes, quibus tum et coercendi ius est, imperatur; mox rex vel princeps, prout aetas cuique, prout nobilitas, prout decus bellorum, prout facundia est, audiuntur, auctoritate suadendi magis quam iubendi potestate. Si displicuit sententia, fremitu aspernantur; sin placuit, frameas concutiunt; honoratissimum assensus genus est armis laudare.

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