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Die geheimnisvolle Ranch

Max Brand: Die geheimnisvolle Ranch - Kapitel 40
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDie geheimnisvolle Ranch
publisherTh. Knaur Nachf. Berli
yearo.J.
translatorFranz Eckstein
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180131
projectid20b5c588
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39

McArdle erreichte im selben Augenblick die Tür und stieß sie weit auf. Hongkong zappelte in seiner Faust, während er sie vorwärtsstieß. McArdle, der Templar erblickte, wie er auf ihn losspringen wollte, schrie: »Zurück da! Sie muß zuerst dran glauben!«

Condon keuchte: »O'Shay – wir verhandeln!«

Templar rief plötzlich: »Danny, ich kann es nicht ertragen! Laß Condon mit dem Geld laufen! Ich will sie retten. Danny, hörst du?«

O'Shays Erwiderung ließ sich nicht mehr in ärmliche Worte fassen. Er schritt hin und her, Condon mitschleifend. Er hob den Mörder von der Erde auf und drohte, ihm den Schädel an der Wand zu zertrümmern. Schließlich aber ließ er ihn los, und Condon taumelte gegen den Tisch zurück.

»Sie haben Templars Vorschlag gehört, O'Shay«, sagte er. »Das Geld und meine Freiheit für das Mädel. Sind Sie einverstanden?«

»Lieber tot sein, als so etwas erleben!« ächzte O'Shay. »Lassen Sie sie also los, McArdle! Lassen Sie sie los, und fahrt beide zur Hölle!«

Daraufhin ließ McArdle sie los. Es schien, als hätte die Hongkong, die Templar kannte, sich aufgelöst, als wäre alle ihre Kraft von ihr gewichen. Beim ersten Schritt fing sie zu taumeln an; Templar sprang zu und fing sie in seinen Armen auf, während O'Shay die beiden Verbrecher fluchend aus dem Zimmer jagte. O'Shay wurde durch einen scharfen Zuruf Templars in seinem Toben gestört.

»Was soll ich machen, Danny? Sie ist ohnmächtig! Sie ist tot! Mann, Mann, sie haben sie umgebracht!«

O'Shay kniete neben der hingestreckten Gestalt nieder und legte seine Ohren auf des Mädchens Brust. »Tickt wie ein Uhrwerk«, erklärte er. »Still, du Dummkopf!« flüsterte Templar, der jetzt endlich den hohen Kragen der chinesischen Jacke aufgeknöpft hatte. »Mann, sie ist weiß wie Schnee.«

Schließlich drehte sie den Kopf O'Shay zu; ihre Augen öffneten sich matt und glanzlos.

»Wo ist er?« flüsterte sie.

»Ich liebe dich!« erwiderte Templar.

Sie fing zu sprechen an; dann verstummten beide Stimmen. O'Shay richtete sich auf. »Johnny!« sagte er. »Lassen wir die beiden laufen?«

»Mir ist's einerlei, was aus ihnen wird«, erwiderte Templar glücklich. »Bei Gott, Liebe, ich weiß deinen Namen nicht!«

»Ich bin Elisabeth – Crane –«

»Crane!« riefen die beiden Männer wie aus einem Munde. Sie starrten einander an.

Sie erzählte: »Wir wußten aus seinen Briefen aus dem Gefängnis, daß er dem Mann, der ihn verraten, der ihn den Gerichten ausgeliefert hatte, nie verzeihen würde. Als er entlassen wurde, sprach ich mit ihm und bat ihn, wieder zu uns zu kommen. Aber er war wie Eisen. Ich folgte ihm nach dem Westen. Ich wußte, daß er jetzt der Führer all der Leute war, denen Condon unrecht getan hatte!«

»Was hat er denn den andern getan?« fragte O'Shay.

»Er ließ sie vor Gericht völlig im Stich, half ihnen nicht mit einem Pfennig. Er behielt die ganze Beute für sich. Als ich nach dem Westen kam, war mir klar, daß ich unter einem anderen Namen würde auftreten müssen. Da fiel mir die chinesische Maske ein. Ich wollte Condon beschützen, damit Vater sich nicht eines schrecklichen Verbrechens schuldig mache.«

»Wir haben Condon verfolgt und ihn erwischt!« sagte Templar. »Wir können ihn abermals verfolgen und ihn einholen, bevor Ihr Vater da ist. Wer glaubt zu wissen, wohin er sich gewandt hat?«

»Sagen Sie uns Ihre Meinung!« sagte O'Shay. »Sie haben diese Fährte schneller gefunden als wir andern; vielleicht gelingt es Ihnen jetzt abermals.«

Sofort sagte sie nachdenklich: »Wenn ich Condon wäre – vor dem Tode fliehend – würde ich mit dem Kanu über den See fahren und es dann treiben lassen und dann das Tal hinaufwandern und mir einen Weg durch die Berge suchen.«

»Ich kenne die Berge«, sagte O'Shay. »Ich glaube, Sie haben recht. Sie marschieren talaufwärts. Die Talwand wird ein wenig sanfter, geht in welliges Gelände über. Dann in Hochwald und unwegsames Gelände.«

»Hier werden sie, glaube ich, nach rechts abbiegen«, sagte das Mädchen. »Ich bin jetzt schon so lange hinter Condon her, daß ich zu wissen glaube, wie er arbeitet. Er wählt fast immer den schwierigsten Weg. Gibt es keine Abkürzung von hier bis zu diesen Bergen, wo die Talwände in zerklüftete Felsen übergehen?«

»Gewiß«, erwiderte der Dicke. »Sehen Sie, wie das Tal sich windet! Wenn man hier in gerader Richtung durch das Hinterland marschiert –«

»Dann versuchen wir es!« rief Elisabeth Crane.

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