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Die geheimnisvolle Ranch

Max Brand: Die geheimnisvolle Ranch - Kapitel 37
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDie geheimnisvolle Ranch
publisherTh. Knaur Nachf. Berli
yearo.J.
translatorFranz Eckstein
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180131
projectid20b5c588
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36

So wurde der Wagen vor den Seiteneingang des Hotels gefahren, und die Fässer wurden über eine Rutschbahn in den Keller hinabbefördert. Templar half bei der Arbeit kräftig mit. O'Shay fand Gelegenheit, ihm heimlich zuzuflüstern: »Wir sind Viehtreiber, die Arbeit suchen.«

Nachdem der Wagen abgeladen war, bestand der Kutscher darauf, eine Lage zu spendieren. Sowie sie den Schankraum betraten, wurden sie von einer zahlreichen Menge umringt. Der Wirt selber nahm den frohen Anlaß wahr, um alle Anwesenden freizuhalten. Die Sache wuchs sich zu einem richtigen Fest aus. Der Abend rückte vor. O'Shay schien in ein tiefes Gespräch mit einem Graubart versunken, der von Zeit zu Zeit aufstand, um scherzhafte Lieder von der alten Grenze zu singen. Rauch füllte den Raum. Stimmen blökten und plärrten. Dem nüchternen John Templar kam das alles wie der vollendetste Blödsinn vor. Er verließ das Hotel, um unter den Sternen etwas frische Luft zu schnappen. Als er um die Ecke des Gebäudes bog, stürzte unter den Bäumen hervor eine mächtige Gestalt auf ihn zu. Es war O'Shay, und O'Shay befand sich in heftiger Erregung.

»Johnny, mein Junge«, sagte er, seinen Freund umarmend, »ich glaube, ich hab's!«

»Ich will mir's anhören, Danny.«

»Wer ist in der letzten Zeit durch Tolman gekommen? Das wollten wir doch wohl erfahren, wie?«

»Ja, das war es wohl.«

»Gut, Söhnchen. In den letzten zwei Tagen war ein alter Mann hier, hat sich hier umgesehen, ob er da droben eine Sägemühle aufstellen könnte; aber er verlor den Mut, als er hörte, daß es schon einmal so eine Mühle gegeben hat, an dem Fluß nördlich von dem Städtchen; die fing groß an, und nach ein paar Jahren war sie bankerott, und seither steht sie still. Dann war ein Kerl da, der Arbeit in den Bergwerken suchte; ein großer Kerl mit einer Narbe am Kinn.«

»Das klingt schon besser«, sagte Templar mit erwachendem Interesse.

»Und heute morgen, ziemlich früh, kam ein junger Herr auf einem abgehetzten Gaul angeritten. Er redete spanisch und sagte, er hätte gehört, daß es in der Gegend von Tolman gutes Weideland für Schafe gäbe. Mein alter Freund sagte ihm, wenn er in südlicher Richtung durch das Tal ritte, würde er recht gutes Grasland finden, obgleich die Winter alle sehr hart seien. Nun hatte der alte Knabe den jungen Hidalgo nach Süden reiten sehen, und dann ging er selber in nördlicher Richtung in die Hügel über dem Fluß hinauf, um nach seinen Fallen zu schauen, und als er da droben war, blickte er zufällig ins Tal hinunter, und da sah er aus dem Wald einen Reiter hervorkommen und über die freie Fläche neben dem Fluß nach der alten Sägemühle reiten. Das interessierte ihn natürlich, weil sich niemand in die Nähe der alten Mühle traut. Dort spukt es so mächtig, Junge, daß das selbst am hellichten Tag ein ganz gruseliger Ort ist.«

»Du glaubst, ein Mexikaner könnte der Täter gewesen sein?« fragte Templar.

»Mich hat auch die Beschreibung ein bißchen interessiert, die der alte Knabe von dem Mexikaner gab«, sagte O'Shay. »Er hätte so ungefähr ausgesehen wie sechzehn oder siebzehn Jahre. Und war von einer besonders gelben Sorte. Mehr gelb als braun, gerade gewachsen und mager. Er hatte ein angenehmes Lächeln, bei dem einem ganz warm ums Herz wurde, und ganz schwarze Augen, etwas schräg, anders wie bei den meisten Menschen –«

»Mein Gott!« stieß Templar hervor. »Hongkong?«

»Ich weiß nicht. Ich dachte bloß, wir könnten mal zu der alten Mühle hinüberrutschen und nachsehen, was den Mexikaner an diesem Gespensterhaus so interessiert hat!«

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