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Die geheimnisvolle Ranch

Max Brand: Die geheimnisvolle Ranch - Kapitel 36
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDie geheimnisvolle Ranch
publisherTh. Knaur Nachf. Berli
yearo.J.
translatorFranz Eckstein
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180131
projectid20b5c588
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35

Schließlich kamen sie zu einem Fluß, der durch eine schmale Schlucht brauste, weißlich blitzend in der Sonne. Nachdem O'Shay einen Augenblick lang gezögert hatte, wandte er sich flußabwärts, und sie marschierten bis in den Nachmittag hinein kräftig drauflos. Dann mündete das Flüßchen in einen größeren Strom. Zu beiden Seiten erstreckte sich ein breiter werdendes Tal, mit dunklen Wäldern bedeckt, und als sie in dieses Tal hineinblickten, sahen sie in trüber Ferne eine Gruppe von Häusern stehen.

»Das ist Tolman«, sagte O'Shay, »hier in der Nähe müssen wir das Ende dieser Fährte finden.«

Templar war dafür, in irgendeinem Haus außerhalb des Dorfes einzukehren oder aber im Wald von dem Wildbret zu leben, das sie selber schießen würden. O'Shay verwarf diesen Vorschlag; denn, wie er sagte, die Bewohner von Tolman seien es gewöhnt, daß fremde Leute nach langer Wanderung zu Fuß einträfen, und stellten keine Fragen an sie.

O'Shay behielt, wie gewöhnlich, recht, und sie schritten weiter in das Städtchen hinein. Seine Bewohner gingen singend in den Straßen umher, blieben stehen, um ein Dutzend glatter Kühe zu bewundern, die zum Melken nach Hause getrieben wurden, standen geräuschvoll plaudernd an offenen Türen und Fenstern, und die Luft war gesättigt vom Duft des brodelnden Abendbrots, der aus sämtlichen Hütten drang.

Sie blieben stehen, um ein Sechsgespann zu beobachten, das einen schwer mit Bierfässern beladenen Wagen zog. Als der Wagen über eine tiefe Wasserrinne rollte, kam er ins Schwanken, ein Faß wurde wackelig und stürzte krachend zu Boden.

Der Kutscher begann bereits zu fluchen, da schritt O'Shay durch die ratlose Menge, in der jeder seine Ratschläge zum besten gab.

O'Shay setzte allen Argumenten dadurch ein Ende, daß er sich niederbeugte und das Faß an beiden Enden mit seinen mächtigen Fäusten packte.

Ein einziger Ruck seiner Beine, Arme und Schultern, und das Faß wälzte sich auf den Wagen hinauf.

Ein lautes Geschrei erhob sich, aber all der Lärm war nichts gegen das Erstaunen des Fuhrmanns, der die Hand auf O'Shays zitternde Schulter legte und gelassen sagte: »Sie sind ein Mann! Kommen Sie, trinken Sie eins mit mir!«

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