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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 62
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Tropenglut

Man konnte meinen, in der Tropensonne, die hier sogar im Januar schon sengend war,
Rasiert die Sonnenglut dir unterm Hut vom Kopf das Haar.
Wie Panzerplatten drückt sie dich bis zum Ermatten auch noch im Häuserschatten.
Mit eines Raubtiers Wut wirft sich auf dich der Sonnenball und nimmt zum Atemholen dir den Mut.
Aus allen Poren stürzt ein Wasserfall, und du beneidest die halbnackten indischen Mohren.
Als Europäer sitzt du im Hotel, im Frack und Smoking, und im hohen Kragen bis an die Ohren,
Und möchtest doch am liebsten nur, als der Natur vornehmste Kleidung,
Die braune Leibesfarbe nackter Indier tragen.
Denn nicht mal mehr mit deinem Schatten magst du dich weiterschleppend plagen.
Wo nehm' ich nur die Lust zum Weiterreisen her? fragt' ich mich vor dem kochendheißen Sonnenmeer;
Die Sonnenhitze war, gleichwie ein Lavameer in einem Kraterschacht, gleichwie ein Meer hier Nummer acht,
Das ich zu allen sieben Meeren, rings um die Erde, durchgemacht.
Die indische Sonne rührt sich größer als der Himmel und brennt noch bei der Dunkelheit, bei Nacht.
Man spürt auch jeden Fixstern noch aus weiter Fern' her glühen,
Als wären tausend helle Ofen im Finstern um dich aufgemacht.
Glut lockt die Glut, und reich, voll Pracht, entfacht im Blut sich jeder Herzenswunsch,
Daß er die Sonne und die Sterne dunkel macht.

 

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