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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 54
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Die Schreibmaschine

Nur ich schlich ohne Wort zur Treppe hinunter in mein Schiffsbett, schloß mich ein
Und fühlte dort allein, ich werde fortgeschoben, mein Bett muß leer mit mir ins Ferne schweifen,
Ich hörte an der Decke Brett, von oben der Passagiere Füße im Walzertakte schleifen,
Und's nackte Herz schlug mir im Hals, im steifen. Ich saß und sah nur meinen Schatten
An allen Wänden in die Leere greifen.
Gar tröstlich klang in meine Stille, meine schwere, vom Nebenraum die Arbeit von zwei Händen,
Wie stetes Klappern einer Schere. Ein Mister saß dort stundenlang
An einer Schreibmaschine und schaffte nützlich wie die Schiffsturbine.
Er schrieb die Sonntagspredigt. Er war Priester.
Der Emsigkeit und Einfalt dieser Schreibmaschine, die immer im Geleise auf ihre Weise um die Erde wollte,
Zollte ich alle meine Achtung und grollte nur, wenn müde mal, die Hand an der Maschine stille stand.
Kaltblütig wird zuletzt, ewig gehetzt, die Sehnsucht, daß sie schon bei einer Schreibmaschine Rasselton
Sich an der Arbeit und der Fron ergötzt.
Das Herz, das müde sich gehämmert hat, setzt sich, verletzt vom Leben, hin, ergibt sich dem Geschick
Und sucht den Frieden in Mechanik und in dem praktischen Sinn von einem bloßen Apparat.
So mied ich gern den Tanz, der wehe tat, den Walzertakt, der mich am Blute angepackt
Und doch die liebste Tänzerin nicht bei sich hat.

 

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