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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 53
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Bordspiele

Bordspiele waren täglich zum Zerstreuen, und um dreihundert Passagiere zu erfreuen,
Arbeiten abends, daß die Nerven nicht erschlaffen, Klavier und Phonographen.
Wild wurde in dem Schiffsbauch musiziert. Man ließ die Fische nicht im Meere schlafen.
Auch taten schwarze Fräcke sich den Damenschleppen zugesellen,
Tanz war auf Deck im Wettstreit mit des Meeres Wellen, in Mondscheinnächten, in den spiegelhellen.
Man flirtete um Diamanten, lehnt sich an seidige Gewänder und dehnt die Nacht, die warm war zum Ersticken,
Und wähnt, daß unten, wo der Kielschaum in der Tiefe gähnt, weißblaue Blumen um Balkone nicken.
Man ließ die Zigaretten im Dunkeln funkeln und im Seewind sprechen
Mit Feuern, die entzückte Atemzüge dir beteuern, und ist, als wolle man mit vollem Kurse, wie Verrückte,
Nicht nach der Küste steuern, verführt zur Tiefe wagehalsiger Lüste.
Verborgen hinter den Kabinenwänden verwickelten sich unsichtbare Dramen, wie jene Schicksalslinien in den Händen.
Man tat in Herzen wie in Koffern kramen, man fühlte nichts vor Scherzen und nichts vom aufgewühlten Meeresschoße
Und nicht die Meereseinsamkeiten, die kreisenden. Man lebte, Herrn und Damen, in einem reisenden und dampfumhüllten Liebesschlosse.

 

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