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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 43
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Zwischendeck

Oft auch, an langen Nachmittagen, ließ ich die Blicke mit Behagen ins Zwischendeck hinunterfallen,
Wo auf geteertem Tuch und auf den Warenballen, die leisen indischen Händler, die Zauberer und Mekkapilger lagen,
Die, ohne viel zu fragen, von Afrika nach Asien weite Reisen wagen.
Sie tragen sich unschuldig grell in Kleidern, wie Jahrmarktmarionetten in bunten Seiden und Pailletten.
Sie machen feinen Lärm mit glänzendem Metall in ihren Nasenflügeln und mit Schmucksachen in den beiden Ohren,
Die also laut von ihrem Reichtum sprachen.
Andächtig reisen diese farbenfrohen Mohren und bohren ihre Augen in das Meer,
Als gingen ihnen wohlbekannte Geister, als Fische blank verkleidet, unter dem Wasser schützend nebenher.
Wenn sie vor Heimweh froren, haben sie manches Schmuckstück als Dank und Opfer ihnen zugeschworen.
Die alten und ergrauten Händler trauten sich nicht zu lauten Worten.
Sie hungern in Gebeten den langen Tag bei heiligen Amuletten.
Die jungen lungern gern vor kleinen Spiegeln und malen sich die Wangen und die Wimpern aus Toilettentiegeln;
Kauten Bananen oder banden sich viele meterlange Seidenstreifen zu Turbanen.
Doch mancher lag, auf Haufen Tau im Schiff halbtot und ohne Lebenszeichen,
Wie nur die steifen Leichen blau, und schlief zehn Tage, wie trunken tief, ohn' Speis', ohn' Klage;
So machte ihn der Abschiedsschmerz versunken.
Ein Zauberer hielt auch in seinem Schoß ein Mungo. Ein Tierchen, groß wie eine satte Ratte.
Es spielt gar fromm, doch läßt du es auf eine Schlange los, dann fliegt es wie ein wütend Wurfgeschoß
Und ruht nicht, bis es Schlangenblut genoß und Schlangenblut ihm durch die Zähne floß.
Es macht sich vor der Schlangenbrut gar wild und wie ein Löwe groß und kämpft, wenn's gilt,
Wie Sehnsucht, die voll Wut sich an dem Blut in deinen Adern stillt.

 

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