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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 35
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Der Garten Pharaos

Die Insel Rhodes suchte ich im Nil noch auf. Dort ist ein alter Garten an des Stromes Rand,
Wo einst das Sommerschloß der Pharaonentochter stand, die da im Schilf ein ausgesetztes Kindlein fand.
Dort steht ein alter Weidenbaum noch an des Ufers steinigem Gefälle, ein hölzern Wasserrad an gleicher Stelle.
Dran geht ein Stierlein wohlgemut im Kreis. Das dreht das Rad, das schwer,
Und tut sein Tagewerk mit gleichem Fleiß, wie vor fünftausend Jahren und noch mehr.
Und in dem Garten blühen Blumenscharen, Beet bei Beet,
Und von den gleißen Wegen glänzen des Niles Kiesel, jene weißen, klaren.
Und alle Dinge in dem Garten zeigen ein vornehm feierlich Gebaren,
Als ob noch täglich hier die Pharaonentochter im frühen Tau aufsteht
Und sich beim letzten Sternenlicht ergeht.
Ihr Schleier euch entgegenweht,
Wenn ihr mit tausendjährigen Augen der Sehnsucht seht.

 

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