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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 331
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Des Montezuma Schloß

Ich trat in das Indianerhaus; dort in den höhlenartigen Zimmern stellten Indianer ihre Waren aus. Da hockten einige am Boden an den Webestühlen,
Und andre knüpften dicke Teppiche und sangen monotone Lieder, die ihnen kaum halblaut aus ihren Zähnen schlüpften. Und keiner hat aus seinem Liede aufgeschaut.
Die Zimmerwände waren aus gestampftem rotem Lehm und mit den Teppichen, in blau und grauen Scharen, breit verhangen;
Und an gequerten Stangen, dicht an der Zimmerdecke, glänzten gebauchte Krüge, Körbe, Töpfe, die mit grellgelben, schwarzen, roten Zickzacklinien im Dämmerlicht in deine Augen sprangen.
Nach einer Weile bin ich wieder aus diesem Urwelthaus hinausgegangen. Da lagen immer noch der Engel rosenrote Zelte bei Gezelt im Weltabgrunde aufgeschlagen.
Nicht eines fehlte, doch mir war, als hätte mich der kurze Blick in das Indianerhaus für Tausende von Jahren weit zurückgetragen,
Als ob der Ort gleich einem Zaub'rer handelte und mich in einen andern Leib verwandelte. Ich fühlte dieser sterbenden Indianerleute dumpf Geschick,
Die untergingen, weil sie nicht den angebornen Blutblick stillen konnten und jetzt an Webestühlen in den Hütten wohnten und waren sonst wie Katzen wild gewesen
Und wußten in dem Gräsertau die Fußspur eines Feinds im Morgengrau zu lesen. Sie saßen heute noch mit ihrem Haar schwarzblau,
Als ob es blank aus Adlerflügeln war, prachtvoll zur Schau, verdurstend ohne Blut und ohne Beute, gleich einer Bergforellenschar,
Die ohne Quellenwasser war; gleichwie im Stalle, eingeschlossen ohne Jagd, verschlafen eine Hundemeute. – Auf halbem Weg, im Abgrundschacht,
Zeigten mir dort Indianerleute ein Höhlenhaus, das in die Felsenwand gemauert stund, das nannte noch des Volkes Mund des Montezuma Schloß.
Da, wo der Koloradostrom im Zickzack hin am Grunde floß, dort lag es wie ein graues Maskenangesicht, im Schlund beleuchtet von dem felsenroten Abgrundlicht,
Als ob es dort in ewiger Mitternacht am Rand von einem roten Feuer stand. Der Grand Kanon lag, wie des Montezuma Kron' gezackt,
Tief in das Erdeninnere verbissen. Nahm man auch einst dem letzten König der Indianer all sein Land, die Krone hat ihm keiner noch entrissen.
Und wieder, ohne Widerstand, war ich der Trauer in dem Lande hier verwandt, die, wie in ewiger Dauer, als »der Gigant des Todesschauer« über den Rotgesichtern der Indianer stand.

 

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