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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 321
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Meermaskerade im Stillen Ozean

Der italienische Baron kam in dem Nachtmeer stets auf Deck, aus irgend einem Winkel hinter den Rettungsbooten her, und täglich war sein Schritt noch mehr beflügelt.
Und unterm Mondscheinschimmer stand er, wie glatt vom Glanz gebügelt, und hat dem unvollkommenen Mond von seinem Kopf, dem liebesroten, im Übermut die Hälfte angeboten.
Und überschwenglich ganz sah er die Sterne in dem Nachtmeer loten und lud die Passagiere ein zu einem Maskentanz auf Deck am nächsten Vollmondschein;
Und seine Lippen pfiffen flott des Tanzes Noten. Die Passagiere wollten alle sich im Tanz gern dreh'n. Der Kapitän hat dann den Maskenball auch niemandem verboten.
Und wie ein Papageienstall voll bunter Federn, so voll von Seidenstoffen aller Länder der Speisesaal am nächsten Tag voll närrischer Vorbereitung
Im Stillen Ozean gleich einem Bändermarkte lag. Denn viele hatten ihre großen Koffer im Packraum unten aufgeschlossen.
Und drunten saßen Herrn und Damenwelt und wühlten unverdrossen, bis alle Räume sich mit den zerknüllten Stoffen füllten. Aus Guinea Stroh und Federn,
Aus Japan Seide, Stickereien auf chinesischem Kleide, indische Schale, Schuhe aus bunten Ledern, sie alle lagen bergehoch am Boden in dem Speisesaale.
Unter dem grünen Abendhimmel, als kaum das Sterngewimmel zu spuken anfing überm hellen Wasserring, da öffnen sich Kabinenluken, und aus den Türen in des Schiffes Gängen
Gucken und drängen unter Schmuckgebimmel unechte Hindumädchen, Geishas und Sklavinnen mit Perlbehängen,
Japanerinnen, die den Fächer eifrig rühren. Und durch des Schiffes leuchtende Empfangsgemächer führen mit weißen Mänteln gefälschte Koreaner,
Schlitzäugige Chinesen und funkelnde Javaner die Damen sacht im Flüstern unter den Glühlichtlüstern, als hätt' das Schiff die Wesen aller Zonen,
Die um die sieben Meere wohnen, zu einem Liebesfeste paarweis aufgelesen und gleite jetzt mit üppigen Gedanken hin durch das Abenddüstern, mit seines Deckes hellen Planken,
Gleich einem bunten Phönixvogel, dem alle glühen Federn im Abenddunkel sprühen. Die Albatros, die ließen im letzten Licht an diesem Abend
Noch lange nicht des Schiffes Fährte los. Das Schiff, auf dem Musik manch Tanzstück spielt zu rot und blau bengalischen Feuergarben, hielt selbst des Sturmes Vögel vom Schlaf im Mond zurück.
Und noch der Morgenschein traf in Verbrüderung den Völkerschwarm, der Menschen närrische Scharen, um Schiffsschornstein und Masten Arm in Arm,
Als ob die bunten Nachtgespenster zu Fleisch und Blut geworden waren. An die Kabinentür zu mir kam früh schon, glücklich sehr, der italienische Baron,
Erzählte, daß ihn wirklich dieses Mal in Honolulu morgen früh mit seiner Angebeteten sein italienischer Konsul vermählte.
Und mancher tat, wie er, sein Maskeradeherz mit einem kecken Liebesschwur belasten, – Schwüre, die unterm Morgenhimmel mit dem Champagnerschaum zerbarsten.

 

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