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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 265
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Fahrt nach Osaka

Eines Morgens brachte mich eine Stunde Eisenbahnfahrt hin nach Osaka; Telegraphenstangen vorbeisprangen, lichtgelbe Rapssaaten und blaue Leinfelder
Und die bewässerten Erdstrecken der Reisäcker, die im Frühjahr sich mit Wasserspiegeln wie weite Seen bedecken.
Als ich in Vierecken die Äcker vorübergehen sah und ich hie und da an einem Kiefernwaldsaum vorüberschwebte,
Wußte ich kaum, daß ich eine halbe Erdkugelhälfte fern im Weltraum fort von der Heimat lebte. So ähnlich wie nur daheim in Franken,
So wie im Herzen von Deutschland stand die japanische Erde da unterm Regen mit ihren dunkelgrün gestreiften Flanken.
Aus dem grünen Weizenfeld sahen die blauen Kornblumen, und Regenwolken schleiften wie eines Müllers weiße Säcke über die Ackerkrumen.
Als wär' der Himmel wie ein grauer Esel bepackt, und Mühseligkeit und Arbeit und Schläge gingen, ohne ihren Trott zu ändern,
Auch hier, wie in allen Ländern rings um die Erde, im gleichen Takt.
Und nur die Leidenschaft, die Liebe allein, kann gleich den verklärten Kornblumen, die an den Feldrändern in blauen Bändern saßen, sich mit blauen Träumen befassen;
Und wie der Weizen, der über die Kornblumen fortschaut, nützlich heißt und die Kornblumenmassen ein Unkraut nennt, so muß sich oft die Liebe ein Unkraut vom Unverstand schelten lassen.

 

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