Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Max Dauthendey >

Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 261
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
Schließen

Navigation:

Durch Japans Inlandsee

Draußen lag das emailblaue Morgenmeer, und das Schiff ging, wie ein unwirkliches Ding, wie ein schöner Gedanke, groß durch den Frühlingsmorgen,
Der zwischen den vergißmeinnichtblauen Küsten hinfloß, endlos und ohne Schranken. Das blankweiße Verdeck spiegelte des Himmels Bläue in jedem Schattenversteck,
Als blühten Veilchen am Bord in jedem Sonneneck. Und jeder Mensch stand von silbernen Scheinen umgeben am Schiffsrand.
Das Küstenband kam und verschwand und ging dann wie eine Girlande von beiden Schiffsseiten friedlich Hand in Hand,
Wie ein seliges Morgenwandern durch alle Zeiten. Und jeder Passagier gemütlich sorglos dem andern im Wege stand, als wäre die ganze Schiffswelt einander verwandt.
Solche helle Einheit strömte schon hier, an jeder Seestelle, der Anblick und die Nähe aus von dem schönen und sanften japanischen Land.
Voraus flogen Möwenscharen, wie aus Silberpapier, als ob sie ans Schiff an Seidenfäden gebunden waren und den Schiffskörper wie eine Kulissenwand spielend und flatternd zogen.
Dazwischen aber stürzen sie ins Wasser, blitzende Fische ergatternd von des Meeres silbernem Tische.
Nie mehr sah ich wieder, in einem Morgen vereint, in der Fern' und in der Näh' so viel Bläue und Licht, als über der japanischen Inlandsee
Aus den blauen Waldbuchten, aus den blauen Wasserschluchten und aus den blauen Himmelswuchten wie aus tausend Toren und tief wie aus des Landes Poren scheint.
Als hatte die Welt jeden Schatten verloren, so schwamm das weiße Schiff auf kristallenen Emporen; mit blauem Schliff lagen die Küstengestalten,
Vom blauen Wasser getragen und hochgehalten. Und es hätte mich nicht gewundert, wären zwischen Wasserhimmeln und Lufthimmeln
Die Schaumwellen alle zu Silberschimmeln geworden und hätten sich vor das Schiff gespannt, wie vor einen Wagen,
Und wären mit ihm in die Bläue gerannt. Einen Körper hatte das Land, das man immer sah, kaum,
Und das Kommen und Gehen der blauen Küsten war wie ein unendliches Geisterleben im Lichtraum.
Das Schiff, umgeben von dem großen Kristallstücke des Meeres, von dem Kristallstücke des Morgenhimmels und von der fernen blauen Kristallbrücke der Küste, die bewegt vorüberfloß,
War wie eine winzige graue Mücke, die ein einziger Diamant scharfgeschliffen einschloß; und jedem Herzen am Bordrand der Diamant seinen Blitz als Wanderstab in die Hand gab.

 

 << Kapitel 260  Kapitel 262 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.