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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 25
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Der Klang der Totenkammer

Auch tief im Innern der Pyramide ward meinem Herzen kein dauernder Friede, sondern ein schauernd Erinnern.
Beim Schallen und Hallen der Schritte, die von den Mauern fallen,
War da ein Klang, wie ein Sang im Gang einer Muschel.
Und bei dem Läuten und Klingen in der Pyramide Mitte, umfingen mich Liebesgedanken mit dem seltsamen Bedeuten:
Daß Lieben und Sehnen noch in das Steinherz des Todes dringen und sich nicht scheuten
Und unter dem Wüstensand sich ihres Atems noch freuten.
Daß Liebende, beim Hinuntersteigen zu den schwanken Reichen der Leichen nicht dem Sterben versanken;
Daß sie noch unter der Erden zu einer Geige werden,
Die, im Geschweige der Totenkammer, mit Sang aus den Steinen drang;
Daß die Geliebte, wie ein Geigenlied unsichtbar, auch unter den Toten noch um mich war.

 

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