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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 23
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Der Begriff von oben und unten

Der gelbe blendende Wüstensand wirft Licht, wie die Lampe an einer Bühne Rand.
Und wie an einer bunten Theaterrampe, so jede Pyramide, beleuchtet von unten, wie eine Kulisse stand.
Das schwerblaue Himmelgefunkel darüber schien dunkel, wie steinerner Lapislazuli.
Und seltsam entwand sich, verschoben, vom grellen Sandlicht gehoben,
Im bunten Himmel, der wie ein Brunnen drunten, der Begriff von oben und unten.
Jede Pyramide schien draußen im Äther wie auf festem Boden zu stehen.
Und unter deinen Zehen wirst du den duftigen Sand und die Wüstenhelle wie einen luftigen Himmel ansehen.
Dir deucht dann, als müssen wir hier auf Erden wie an einer Saaldecke gehen,
Wie eine Fliege, die mit den Füßen kopfüber kreucht.
Und die Wüstenerde, als unirdisch, wird dir verwehen, damit der Himmel ein irdischer Boden dir werde.
So kopfüber kannst du dich wie im Wasser sehen, wenn der Sehnsucht große Wehen ins Unendliche steigen;
Wie die Kolosse der Pyramiden, die kopfüber ins Weltall zeigen.

 

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