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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 228
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Ceylon-Juwelen

Tagelang, mit der Geduld ewigem Faden, erwartete ich in Colombo das Schiff, denn ich sollte mich jetzt in das fünfte Meer verladen,
Und ich war wieder wanderfroh und hatte Lust, noch in drei neuen Meeren zu baden.
Ich saß wieder im Wandelgang im Erdgeschoß im Galle Face-Hotel. Hell hielten Juweliere dort ihrer Laden Spiegelscheiben blank,
In jedem gläsernen Schrank funkelten voll Überschwang die rosig blauen Ceylon-Rubine, die dämmerblauen Amethyste,
Die Mondsteine, die glasgrauen, als wären Spiele dort geisternder Augen von vielen Frauen, die ohne Körper leben und mit Schauen und Funkeln sich vom dunkeln Samte heben.
Mit hohen roten Mitramützen, aus feinen Binsenstrohen geflochten, standen vornehm die Juweliere, gleichmütig und unangefochten, unter den Kreuzfeuern von teuern, reichgeschliffenen Brillanten.
Und um sie brannten die Steine wie Lichtschnuppen, die abgefallen von ihren Dochten. Wie Magier, die ihre Kräfte kannten und sich mit keiner Miene rühren, saßen die Juweliere,
Lassen ihre Juwelen durch die Fenster auf den Straßen kostbare Gelüste in den Vorübergehenden anschüren.
Und unter den Türen erscheinen die Käufer, die meinen, daß sie sich die Edelsteine betrachten, und beachten nicht, daß die Seelen der Steine sie über die Schwelle brachten.
Wie schöne Frauen, die sich getrauen, mit ihrer Augen Scheine zu verführen, so ziehen die Juwelen mit Quälen und als Tyrannen ihre Käufer an, die sie sich aus der Masse von der Straße küren.
Die Edelsteine sind heikel in ihren Seelen, nicht jeden ziehen sie an, aber bei manchem werden sie nachts gleichwie zu Gewürmen und verlassen sein Hirn nicht und wollen ihn mit Bitten bestürmen,
Bis er nachgibt seinen unbewußten Schritten und seine Hand in die Tasche schiebt und sein Gold zahlt für ein Schmuckstück, das ihn liebt.
Denn kalt tut ihm der Schmuck rücksichtslose Gewalt an, und er wird für ihn zu einer Gestalt, der sein Gedanke Tag und Nacht galt.
Bis er unter dem Druck kaum noch schnauft, bis er kauft und den Preis hinlegt für den Schmuck, der sich in Liebe für ihn hinter den Glasscheiben aufregt.
Vergleicht man Juwelen mit Frauen und will von ihrer Liebe schreiben, so tat ich mich oft in Colombo beweiben.
Rubine, Amethyste und Mondsteine taten mir das Gold aus den Taschen stehlen, und viele taten mich in Liebe wählen.
Und als ich später zum Schiff ging, fand ich an jeglichem Finger der Hand einen anderen kostbaren Ring.
Denn das Herz hängt sich gern an irgendein glänzend Ding, ist ihm die Liebste zu fern;
Und mich hat es zu den Juwelen gedrängt. Und in meine Koffer schloß ich in Eile die Ketten aus Silber und Mondstein und Haarpfeile aus Rubinen ein.
Und ich konnt' sie kaum zählen. Es war mir, als reist' ich jetzt nicht mehr allein,
Bei den Silberketten, die licht flackern, sah ich der Liebsten Nacken,
Bei den goldnen Haarpfeilen dürft' ich in Gedanken in den Haarwellen der Liebsten weilen,
Und der Schmuck brachte mir flüchtigen Frieden und flüchtiges Glück,
Es stak für mich dran von der Liebsten Leib ein feuriges, glänzendes Bruchstück.

 

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