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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 227
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Das liebliche Kandy

Ich glaube nicht, ich hätte Kandy so sehr als den süßesten Ruheplatz empfunden, hätte ich nicht vorher die luftleere Höhe von Nuwara Eliya überwunden,
Jene Bergzonen, wo der Kopf dir leer und wie unter der Glocke einer Luftpumpe schwer wird, wo deine Gedanken und Gebärden wilde Wesen werden wie Fakire in gepeitschten Askesen;
Wo nur am Südhang Blumen leben, aber sonst Kiefern und Wälder aus Moos dich, ohne Sang, lautlos, und wie verschrumpfte Gesichter, umgeben.
Und hier in Kandy wußt' ich zugleich: eine halbe Tagreise tiefer war das Meer und Colombos Zimmetreich, war jenes Chaos aus Früchten, Sonne, Süße und Meersalzen,
Tat die Hitze die Zimmetwege walzen, und gleich einem glotzenden Riesenspiegel war die See bei den strotzenden Kokosgärten,
Hitzig, gleich einem Brennglas, wo die Salzluft an der Pflanzenhitze sog und fraß, als wenn sie beim Chaos am Futtertrog saß.
Aber wie ein glänzend Eiland zwischen hoch und tief, zwischen Luftleere und dem Meere, schlief in der Mitte das winzige Kandy
Und rief alle Beter im Schwarme vom Erdteil Indien, wie die Liebste den Geliebten, in die heimlichen Arme.

 

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