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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 224
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Der Peradenyia-Park bei Kandy

Als wären die Täler statt voll Blätter voll Schlangenhaufen, ist mir am nächsten Tag noch der Nachtschauder durch die Kandylandschaft nachgelaufen.
Und es lag ein Behag und ein Genuß für mich in der Gefahr, bei dem Bewußtsein, daß Todeswollust auch in der seligsten aller Fruchtlandschaften war.
Dies brachte mir ein Zwielicht in die Tropenhelle. Es saßen Leid und Lust auch hier in diesem Paradies vor jeglichem Haus auf der Schwelle.
Ganz nah' bei Kandy ist ein reicher Garten. Dort stand ich, wie vor Felsen, vor erstarrten Giganten der Gummibäume,
Die ihre Wurzeln wie Klippenkanten hinstellten und mit dem Silbergrau ihrer Stämme die Luft wie mit einem Balkengebäude erhellten.
Dort gingen Wege unter blühenden Myrten, unter Muskatnuß und Nelkenbäumen; Kaffee, Brotfrucht, Tee und Kakao
Stellen ihre Gerüche mit Wucht dir entgegen, und ihr Atem ist dir vertraut, und die Gebirge von Gerüchen sind aufgebaut über Blättern und Zweigen,
Und über Gebirge von Erinnerungen und nicht auf ebenen Wegen mußt du durch die Tropengärten steigen. Auch wird man dir in ununterbrochenem Schweigen
Des wie aus Leder stillstehenden Gartens bestialische Bäume zeigen; die sind gefüllt mit den stärksten Giften, stehen wie Riesen, scheinbar grün wie die andern, eingehüllt
Und scheinbar tot, doch du bist schon von ihnen bedroht, willst du unter ihrem Laubdach wandern. Sie strömen Nachtdämpfe aus dem Leib ihrer Stämme,
Und schon ihre Nähe wirft dich in Todeskrämpfe. Sie sind pflanzengewordene Ungeheuer, die sich wie Schlangen mit Gift verschanzen,
Die mit friedlichen, grünen Lauben am Wege hocken und machen das Blut dir vor Entsetzen stocken, trittst du in ihren Frieden, den tauben.
Auch dieser Garten wurde mir schaudernd lieb wie mein Lebenstrieb, wie mein Lieben und Sterben,
Dieser Garten mit seinen Holzriesen, die sich wie Festungen erheben; mit seinen Fruchtbergen, die sich dir willig geben, mit seinen Gebirgen von Gerüchen, die um deine Gunst sich bewerben,
Und die dir nachlaufen mit Inbrunst; mit seinen farbigen Blumenbäumen, die mit Blütenhaufen, gleichwie mit gelb und roten Scherben,
Den Boden im Kreis rings um die Stämme färben; und lieb wurde mir auch sein Todesschweiß, Gift und Verderben.

 

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