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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 219
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Nuwara Eliya

Ich hatte am Morgen Colombo verlassen, die Tropenzone mit ihren Fruchtgassen, ihrem Zimmetgeruch, der den Nacktesten noch umkleidet wie mit undurchsichtigem Tuch.
Und schon am Spätnachmittag, sechstausend Fuß hoch, luftleere Einsamkeit dich umwiegt, daß dein Blut unruhig in den Schläfen fliegt,
Bis endlich mitten in deinem Unbehag und Kopfweh vor dir Nuwara Eliya mit seinen Landhäusern liegt, wie eine kleine Flotte auf hoher See.
Frank, kühl und einsam blinkt schmucke englische Häuserrotte auf den Bergwiesen,
Wie ein europäischer Gedanke auf der Stirn asiatischer Riesen.
Mir war, als hätt' ich Europa erreicht wie ein Telegramm, das als elektrischer Funken mit Schnelle über die Erdteile kam.
War vor einer Weile noch mitten in der Urwälder Gefälle, hatte morgens noch über mir die Sonne gleich einem glühenden Keile
Und stand jetzt hier an eines Hotels echt englischer Schwelle, sah Landhäuser umhergestreut, Vorgärten, Erker, Straßenlaternen in der nebeligen Abendhelle,
Als würde ich noch heut' von einem heimatlichen Wiedersehn erfreut. Und nur noch das luftleere Gepoch in meinen Adern redete mir vom Hadern meiner Ungläubigkeit.
Unfähig zu denken, zu hören, zu sprechen, konnt' ich nur einem tiefen Schlaf noch Zeit und Glauben schenken,
War wie ein Vogel, der sich gar zu hoch verstiegen, und mußte schlafen unterm Fliegen.

 

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