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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 217
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Fahrt in das Innere Ceylons

Ein Bahnzug trug mich ins Bergland hinein, wo dicker Palmenwald hauste, seine grünen Blattfedern krauste wie eine Straußenschar,
Und ein Gedränge von Palmschäften und Palmblättern war, das überwucherte die Bergabbänge. Gelbe Wälder, graue Wälder, blaue, im kalkigen Licht, im gereizten,
Und die Sonne stand darüber gleich einem weißen, gespreizten Pfaue, und die Palmen ragten wie Türme voll Gepränge;
Ein Palmbaum trieb den andern vor Üppigkeit in die Enge. Über Hügel, hoch in die Bergbügel, stieg der Zug und wehte nach sich den Rauch wie verhängte Zügel.
Und wie auf Schaukeln, in Tälern, liegt zu Füßen das Land, als ob es sich zwischen Bergen in grünen Hängematten wiegt.
Es entstanden Landschaft und Ausblick, von Baumschatten umrahmt.
Es öffneten Bergabhänge Fernsicht auf Täler und Bergwelt, von Wäldern, Wolken, Schlagschatten, Baumgruppen und Ebenen umstellt.
Wie ein Theater, auf welchem die Puppen Berge sind und die Talkessel Bühne und kühne Linien die Leidenschaft agieren,
So öffneten sich hundert Tale zugleich, wie hundert Fernblicke über hundert Schicksale,
Und liefen zusammen, und hundert Landschaften vor einen Blick kamen, als fänden sich hundert Bilder in einem einzigen Rahmen.
Und alle die Täler liegen wie Spiegelungen im Morgenbilde, und drinnen die Baumgruppen, Bergfelder und Wälder
Wie dunkle Atzungen sind auf einem Silberschilde. Mein Zug arbeitet sich in den Bergreihen hoch, kroch an den Abhängen hin
Und folgte seinen zwei Schienensträngen. Aber meine Augen sind bald wie Vögel vorausgeflogen,
Machten oftmals den Weg in die Höhe und Tiefe und über die Bergbogen.
Doch ein Berg hält den Blick über alle Täler fest und dreht ihn zum Strick.
Und auch im Geist sich nie mehr dein Auge von jenem Berge reißt.
Es ist der Adamspeak, der sagenhafteste Berg in Ceylons Inselland.
Er gleicht einer blauen Arche, hingestellt am Himmelsrand, und wirft einen dreieckigen Schattenzipfel quer durch die Luftwelt.
Mit seinem kurzen Plattendach sieht dir der Berg stundenlang über die breiten Kesseltäler nach,
Wie ein altes Riesenfundament aus blauen Vorzeiten. Und deine Gedanken legen zurück den Weg, den weiten,
Bis zu den ersten Menschen, zum ersten Mann, der Hand in Hand mit dem ersten Weib dort stand und sich sein Paradies hier fand.

 

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