Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Max Dauthendey >

Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 210
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
Schließen

Navigation:

Ankunft in Ceylon

Madras ich gern im Handumdrehn verließ. Doch mußt' ich dort in Quarantäne stehn zehn Tage,
Weil ich von Birma kam, wo Cholera gewesen samt der Blatternplage.
Ich sah im langen Warten im Hotel goldgelb den indischen Frühling jetzt erscheinen in dem Garten;
Und kahle Äste, welche zwischen den immergrünen Palmenlappen starrten,
Brachten viel wippend Laubwerk schnell zur Stell', und kleine Vögel lachten in langen Trillern laut und hell.
Sie machten meine Seele leicht zum Schmetterling. Frühling verwandelte des Hirnes sorgentrübe Bühne.
Ich sah die Blättersprossen an und wußte: ehe dies Laub des Jahres müd zu Staub zerfällt,
Ich meine Liebste wiedersehen kann.
Also verheißungsvoll zogen mich plötzlich alle Bäume an ihre grüne Brust heran,
Mehr noch als alle Tempel mit dem Götterwust. Und in dem Lenz-Elan
Setzt' ich mich auf die Eisenbahn und hetzte fort und stieg nicht aus, an keinem Ort,
Und setzte während einer Nacht im Dampfer, wie im Sprunge, übers Meer
Und stand am Morgen schon mit Koffer und mit Reisetasche in Ceylon froh ans Ufer hingestellt,
Vor Zimmetgärten und vor Kokoswäldern, vor Brotfruchtbäumen der Äquatorwelt,
Wo Buddha im Nirwana, auf seinem einen Ohre liegend, ewig träumend, die Seele und den Leib im Gleichgewichte hält,
Versäumte viele Tempel im Süden Indiens auf der Fahrt, damit ich Ceylon eiligst fand.
Ich stieg mit tempelmüden Augen in Ceylon an das schwüle Land,
In das Galle Face-Hotel dort hart am Strand, wo eine weiße Brandung aufrecht, wie aufgewühlteste Gefühle,
Um die granitnen Wellenbrecher bei Tag und Nacht entgegenstarrt mit Donner und mit Kühle.
In diesem mächtigen Hotelhaus hallt das Meer in allen Sälen, wie 's Tosen und Gebraus von einer Riesenmühle,
Als gingen hier die großen Wellenstürze auf Treppen, Korridoren, in Fenstern und in Toren ein und aus.
Auch rauschten drinnen Abendschleppen von europäischen Prinzessinnen;
Und Palmen bauschten sich, wie Pfau bei Pfau, im Park des Nachts voll bunter Lampen, rot und blau.
Zur Abendruh' die schönen Frauen im Strohgeflecht der weißen indischen Sessel saßen
Und drückten ihre seidenen Stöckelschuh' leicht auf den magischen und papageienfarbigen Rasen.
Die Herrn in Lack und Frack, die Damen in Brillanten reich zur Schau,
Gleichwie die Orchideenbeete, beladen schwer mit Tau.
Die Musikbande spielt zum Abendfeste im offenen Pavillon und zählt das Meer auch unter ihre Gäste.
Denn immer kommt die Brandung weiß gesprungen und steht, gleichwie ein krauser Fächer, hoch in die Nacht geschwungen
Und wirft sich stets vergeblich zu den Sternen.
Umlagert von den Fremden hier aus allen Fernen, ist hier in dem Hotel das Heimweh etwas abgemagert.
Und war ich vorher still verzagt und hätte mich ins fünfte Meer nicht gern hineingewagt,
Jetzt im Galle Face-Hotel, umgeben von Europas Welt, wo täglich jeder reist,
Bekam ich dreist zurück den Reisemut und kühles Wanderblut.
In Ceylon, wo die Schiffe täglich wie Räder einer Mühle wandern nach Japan, China, London,
Ging's Reisen mir nicht tiefer mehr ins Blut, als wie ein Schiffskiel in die Wasserhaut der unermeßlich tiefen Meeresflut.

 

 << Kapitel 209  Kapitel 211 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.