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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 21
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Unter den Pyramiden

Es standen die Pyramiden mit gewaltigen Flächen
Und schienen wie Wesen, deren Gedanken die Erde vermieden,
Die alle irdischen Grenzen durchbrechen,
Der Mathematik des Weltalls zu dienen und der Sterne Geschick.
Wie steinerne Wesen, die mit wahrsagenden Mienen in deiner Seele lesen,
Die Jahrtausende tragen, ohne Alter, ohne Klagen,
Und nicht nach Sekunden und Stunden mehr fragen.

 

Diese gigantischen Prismen schienen wie Nägel in den Himmel geschlagen.
Nicht der helle bewegliche Sand konnte solche Gewalten tragen;
Das waren Gestalten, die sich hinaus in die blaue Leere wagen,
Um die Tiefe des Äthers nach ihrem Anfang und Ende zu fragen.
Wie die Gedanken der großen Sehnenden, die ohne Zagen und ohne Wanken,
Ihre Nahrung aus der Unergründlichkeit tranken.

 

Wer zu einem der großen Steinkeile eine Weile hinaufsah,
Dem geschah, daß der Leib und die Glieder versanken.
Und wie Pfeile, hinaus in den Raum, flogen die Geister mit Windeseile
Und fielen zum Äther, wie Vögel in einen blauen, unirdischen Baum.

 

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