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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 207
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Sonnenuntergang vor Madras

Das Schiff, es stampfte weiter auf seinem bilderleeren Gange, wo sich nur Schornsteinrauch und Wasser krampfte.
Am vierten Abend spannte sich lauter noch als alle großen Worte ein Abendhimmel aus, gleich sieben farbigen Meeren,
Und brannte, glühenden Metallen gleich, in einer chemischen Retorte.
Er zauberte vier Jahreszeiten: Frühling maiglockengrün, Sommer kornblumenblau, den Herbst weinrot,
Winter eisblumengrau und wie verglaste Streifen Schnee um Maste und die Raaen von dem Boot.
Die Anker fielen vor dem Madrashafen, wo wir den Lotsen trafen. Das Schiff stand schwarz und tot zum Himmel mit Spieren, mit den Riggen und dem Bug,
Als wär es ein Gerüste, das stattliche Gemälde trug, des Himmels siebenfachen Sonnenuntergang und drunter brandrot Länderein
Auf schwarzgeteerten Staffelein.
Ich hielt, geblendet von den Farben, vor meine Augen meine Hand, und staunte vor der siebenfachen Himmelswand,
Wo aus der Null des Nichts die Siebenzahl der Farben aufgerechnet stand.
So schafft auch Sehnsucht, geht sie qualvoll mit dir her,
Aus einem Leben Leben siebenfach und mehr.

 

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