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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 20
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Der Wüstensand

Wie Mauern steht die Wüste vor den Straßen und steht schroff auf und hebt sich in Terrassen
In eine Welt, die sich dem Tod allein als Herrscher unterstellt.
Und, wie die Träger vom Portal, stehen die wuchtigen Pyramiden,
Gleich Steingebirgen, bei dem Totensaal.
Ich fürchtete von weitem schon des stillen Sandes und der Wüstenruh' brennende Qual.
Als ich den Wagen an dem grünen Tal verließ und mir mein Fuß, zum erstenmal im Leben,
An jenen vielverschrienen Sand anstieß, fand ich mich sanft von einem Wohlgefühl umgeben,
Das allen Schreck vergessen hieß.
Der Urwelt Dasein, die den Mensch kaum kennt, die, blendend, das Unendliche, Allüberlebende und Tötende zugleich sich nennt,
Berührte mich, beim ersten Schritt im Sand, mit ihrer Weltallruh',
Daß ich gleich bis zum Scheitel in tiefer Wüste stand, und nicht nur mit dem Schuh.
Beglückend, wie ein Blumenland und wie ein Garten, der voll Sonnenfarben
Sich Kränze sichtbar, doch unfaßbar, wand,
Mit rosig, himmelblauen und irisfarbenen Grübchen,
Wie ein geschmücktes Kind, das man, zum Küssen, in goldner Wiege fand,
Lag da, erschreckend schön, zu meinen Füßen,
Der altdämonische und tote Sand.

 

Als hab' die Liebste hier zur Nacht gewandelt
Und hab' bei jedem Schritt an mich gedacht,
So hat jed' Grübchen in dem Wüstensand mich angelacht.

 

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