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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 198
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Die vierhundertfünfzig Pagoden

Vom Schloß in Mandalay fuhr ich hinein ins Feld.
Dort sind aus kalkigem Gestein vierhundertfünfzig kleine und weiße Pagoden aufgestellt.
Wie Haufen Schnee mit blauen Schatten, gleichwie ein weißes Schollenmeer,
Stehn diese blendenden Pagodenmassen um eine große weiße Hauptpagode
In weißen Gassen ringsumher. Und jede ist wie eine helle Bienenzelle,
In jeder steht auf gleicher Stelle, gleichwie in einer Grabkapelle, ein Tafelstein,
Drauf ritzte man die Sprüche einer ganzen Seite des heiligsten der indischen Bücher ein.
Das heilige Buch mag nun verbrennen, verlorengehen: man wird den Wortlaut immer kennen.
Dies Buch bleibt unzerstörbar für alle Zeiten jetzt zu sehen mit den vierhundertfünfzig Seiten aus weißem Stein.
Wie Liebesworte, die den Stürmen widerstehen und graben sich im Regen tiefer ein
Und leben stark, – unendlich und erhaben lebt hier ein Buch in hundertfachen Türmen.

 

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