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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 197
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Birmanische Holzarchitektur

Gold, Purpurfarbe und Holz schienen mir die Dreiheit in Birma, die der Stolz aller Bauten ist.
Kein Stein und kein Eisen, immer aus weichem geschnitztem Holz, aus Holzsäulen und Brett
Kloster und Palast in Birma entsteht. Überall aus den dichten Palmendickichten
Richten sich die abenteuerlichen grauen Klosterdächer hoch,
Die mit ihren dünnen Schnitzereien wie Spinnenwerk durchsichtig,
Vielfach ineinander gestülpt, wagehalsig sich aufbauen
Und ausschauen wie hölzerne Ungeheuer; wie die zackigen, grauen Aschengerüste,
Zerbrechlich übriggeblieben von fortgeflattertem Feuer.
Die Bewegung von Flammen ahmen die Schnitzereien von jedem Dach nach,
Flämmlein, die vereint zum Himmel flacken, und jedes birmanische Dach
Erscheint, als wäre es erstarrt aus Feuerschlacken.
Jede geschnitzte Götterfigur im Flammentanz beharrt mit Gewändern, die aufflatternd wie Feuer sich packen.
Und ihre Zackenlinien eilen wie Blitze, die sich zerhacken.
Überall schaut dieser spitze, hölzerne, flammengliedrige

Dachspuk aus den Palmenhainen,
Wo Kloster sich an Kloster baut, als ob graue, widrige Geister sich um einen Feuerbeschwörer vereinen.

 

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