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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 187
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Ein Wiedersehen im Hotel

Und kaum an Land, da fand ich schnell im Speisesaal von dem Hotel
Unter der Gäste Zahl ein Angesicht, dem ich noch immer gerne nahestand
Und dem ich in Gedanken einst als leidender Gefährte mich verband.
Die Dame aus dem Roten Meer, die einäugig halbblinde, mit einer schwarzen Binde überm rechten Auge,
Die ich nur schwer vergaß, bei der ich einst zehn Tage auf meinem Deckstuhl Seit' an Seite saß,
Diese erkannte ich an einem Tisch, wo sie in Fröhlichkeit jetzt frisch
Mit ihrem Liebsten ihren Luncheon aß.
Finden wir uns, dacht' ich, auf dieser engen Erdengass' in Weltgedrängen,
In einem Speisesaal in Birma jetzt zum zweitenmal,
Du schöne Dame, du Tiefsehende mit schwarzer Augenbinde, die aller Blicke auf sich zieht, und ich, der Sehnsuchtblinde,
Der mit den beiden Augen die Frauen alle bis auf eine flieht!
Endlos schien mir die Erde bei diesem Wiedersehen, endlos die Wege, die sich um die Erde drehen,
Als ob ich meine Liebste niemals wiederfinde und mich unendlich, wie ein Heerwurm, um meine Sehnsucht ewig winde.
Ich fand zum Gruß kein Wort. Mir war, als stünde hinterm Stuhl der Dame
Der Schatten meiner Liebsten dort und käm' mir nah,
Als ich des Tropenhelmes blauen Schleier im leisen Luftzug winken sah.

 

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