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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 159
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Bootfahrt

Ich saß auf strohgeflochtenem Sessel, auf winzigem Verdecke von einem grünen Boot.
Das glitt am Ganges hin, vorbei an Menschentreiben ohne Eile, hinaus auf eine Meile unterm Morgenrot.
Die Horden nackter brauner Indier laufen wie dunkler Erde Haufen am Uferrand.
Mann neben Weib und Kind und arm und reich beisammen stand,
Halb in dem Wasser, halb am Land, halb unter Schleiern, halb verhüllt von Schirm und Hand.
Nicht einer unter Hunderttausend ganz bloß und ohne Scham dastand.
Das Baden, nackt in dichten Reihn, ohne ganz nackt zu sein, schien mir ein Kunststück hier, geübt von groß und klein.
Auf manchem Würfelstein lag ein Asket für sich allein mit staubigem Haar, in Andacht tief verzückt,
Und hat zum ersten Sonnenstrahl auf seinen Knien Gebet und Anrufung beglückt geschrien.
Als böte er sich selber dar, die Arme weit gebreitet, dem Strom, dem Himmel und der Morgenröte
Und wünschte heut', daß ihn der neue Tag mit seinem Lichte töte.

 

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