Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Max Dauthendey >

Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 150
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
Schließen

Navigation:

Benares, die Prächtigste

Die Stadt Benares, – »Prächtigste" nennen die Hindus ihre Gangesstadt.
Sechshundert Jahre vor Christo war sie schon in Indien die Allmächtigste genannt und lachte,
Als in Europa keiner noch an Rom, »die Ewige" dachte.
Ein Erschauern umfängt dich in Benares' urweltlichen Mauern,
Wo noch heute der Menschheit die heiligen Worte mehr gelten als Gold und Zeit,
Wo die leisen Gedanken die lauten Völker und Reiche überdauern.
Tausend Asketen noch heute den Leib zertreten und seine Nichtigkeit beweisen
Und alle Leiden hoch über die Freuden der Erde preisen;
Benares, das die Seelenlust entdeckte und Weltflucht in allen Seelen erweckte;
Benares, das noch nicht vergangen und nicht verlassen gewesen,
Dessen Tempelstraßen die langen Pilgerzüge noch täglich empfangen;
Wo täglich zum Ganges Hunderte Sterbende von weitem Land anlangen
Und das Wasser berühren mit erkalteten Wangen
Und schon den ersten Schimmer des Nirwana in den Nieren spüren, ehe sie die Augen schließen für immer. –
In diese heilige Stadt trat ich ein wie in ein Sterbezimmer.
Vorsichtig ging ich vorbei auf Zehen an denen, die sich quälen,
Und sah die Menschen von Leben, Lieben und Sterben den Tod hier wählen.
Sah gelassen auf solche, die ihr Herz im Leib nicht erfassen
Und, statt bei einer Liebsten, mit viel Gequäle nur bei der Seele saßen.

 

 << Kapitel 149  Kapitel 151 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.