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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 140
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Die Palme in der Todesstille

Eine Sagopalme hoch auf dem Terrassenrand tanzt,
Ihre Fächerblätter hat Hitze und Sand und Sturm zerfranzt.
Sie steht wie ein grüner Turm, niemand hat sie dorthin gepflanzt,
Sie lebt auf der hohen Wand im Mondschein und Mittagbrand
Und schaut, wie des Fürsten Seele, allein auf den Flußstrand in das flache Land hinein.
Nur ein Geier sich unter Schrei'n manchmal hin zu ihr fand,
Und der Rauch von Scheiterhaufen, die unten am Strom vereinzelt stehen.
Im Ufergebüsch gehen, mit einer Leiche in weißer Leinwand auf den Schultern,
Vier Indier; sie laufen flink und eilig auf schnellen Zehen.
Bei den Todesstillen, die in den Sälen im Schloß wie Heilige stehen,
Wehen die Wolken von den Scheiterhaufen, und jeder Totenbrand am Strand
Reicht den Todesstillen auf den Schloßterrassen die Hand.

 

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