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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 134
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Die doppelköpfige Schlange

An einem Nachmittag saß ich im Schatten des Säulengangs vor dem Hotel,
Und hier auch hatten, sowie in allen indischen Städten, Verkäufer ihre Matten ausgebreitet.
»Master«, bettelt bescheiden vom Garten her ein Indier und müht sich, einen Blick schnell aufzufangen
Und hält in beiden Händen Schlangen. Die Stimme voller armer Leute Leiden.
Er zeigt zweiköpfig eine lange, schwere Schlange, mit einem Kopf an beiden Enden.
Die Schlange streift den einen Kopf bald ab, wenn erst der andere Kopf ganz ausgereift.
So wandelt diese Schlange sich in jedem Jahr, daß stets ihr Anfang wird, wo erst das Ende war.
Ein Kopf hat lebend mit dem Giftzahn zugestoßen, der andere, nach Entwicklung strebend, hielt noch das Augenpaar geschlossen.
Wo jetzt ihr Haupt und ihr Verstand, trug sie zur nächsten Jahreswend' das Schwanzend' durch den Sand.
Und nur das Herz sich auch bei solchen Wunderschlangen stets an demselben Fleck befand.

 

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