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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 132
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Der Taj Mahal am Tag

Ich ging noch einmal am Tag zum Taj Mahal,
Als das Mittagslicht über dem Garten lag.
Der war grün voll Behag, voll Lauben, Blumentöpfen und Ranken,
Aber vom Marmorbau, von den vier Köpfen seiner vier Türme an den Flanken,
Von den weißen Marmorterrassen wich das Mondlicht auch mitten am Tage nicht.
Und doch waren alle die Marmormauern keine Schranken, waren nicht zwischen Leben und Tod gestellt.
Tod und Lebensgedanken gingen und kamen im Garten drinnen wie die Mienen lm Weltallgesicht.
Die Lauben unter den Palmen harrten der Fürstin und alle Treppen schienen auf sie zu warten.
Ich ging auf den gepflasterten Terrassen hin und sah am Rand
Hinab zum Fluß, an dem der Grabgarten stand.
Ich sah wie von einem Dache über das flache, staubgraue Land.
Große Schildkröten schwammen gleich Böten den Strom herauf,
Sie hoben die Köpfe auf über die Wasserfläche,
Und das Flußwasser führte laute Gespräche.
Sieh nur hinaus auf die Brut der Schildkröten, sagte die Flut,
Wie die Schildkrötenbrut die Heimat hat zugleich im Sand und im Wassergebraus,
So sind die Liebenden im Leben und im Sterben gut zu Haus.

 

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