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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 128
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Im Taj-Mahal-Garten

Ich ging im mondklaren Garten den harten Marmorpfaden nach.
Die Zykaden waren in Scharen in allen Palmen wach.
Es fahren leidenschaftliche Gerüche in schwülen Schwaden aus den Büschen,
Gleichwie aus wohlriechenden Frauenhaaren.
Es schauen die mondblauen Palmenstauden, wie Gesicht bei Gesicht, sich an im lauen Licht.
Unken rufen hohl aus den Lotosblättern an den Brunnenstufen,
Und ein indischer Pirol singt laut und trunken, in nächtlicher Sehnsucht und Liebesbrunst versunken.
Im Nachtdunst ist im Garten die Ruhe von einem Saal.
Aber es ist, als nahst nicht du dich, auf deinem Schuhe
Vorwärtsschreitend, dem Grabmal.
Die Kuppel schwebt dir entgegen, wie eine Lawine weiß zum Tal.
Ihre Höhe bleibt blau oben im Sternkreis,
Aber ihr Fuß hat sich in Terrassen zu deinem Fuß hingeschoben.
In weißen Gassen lassen dich Treppen aufsteigen,
Weiße Steinmassen schweigen und zeigen die haushohen Flügel der Türe,
Die sich aus weißem Marmor schnitzen und hängen, vom Mondhimmel,
Bläulich, wie feinste Gewebe und Spitzen.

 

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