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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 127
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Der Taj Mahal

Der Taj Mahal im Mondschein

Wenn ich auch am Tag von Agra viel Mächtiges sah,
Immer steht diese Stadt in meinen Gedanken im Mond mir nah',
Sie, die den Taj Mahal, das zärtlichste Denkmal der Liebe, hat.
Einem Fürst war die geliebteste Tote zu wert für ein trauerndes Grab,
Er stellte einen Schloßbau hin, einen kühnen, der toten, angebeteten Frau,
Ihrer Ruhe er ein Schloß gab, marmorweiß im Grünen.
Im Mondschein trat ich ein durch das Gartenportal,
Schon die Gartenpforte ist ein Schloß allein.
Sechsundzwanzig Kuppeln stehn am Dach in Reihn
Und darunter der Torsaal, der führt in den Garten hinein.
Vor mir lag der Gartenhain wie ein Marmortal,
Mit weißen Platten belegt, unbewegt hing eine silbrige Wolke am Gartenende,
Ein weißer Riesendom, hochschwebend über dem Palmengelände.
Die Domrunde schimmerte in der Mondstunde,
Wie eine mächtige Muschel am grünlichen Meeresgrunde.
Ein marmorner Kanal führt vom Torsaal ab
Mitten durch den Garten. Ich ging am Wasser entlang unter Palmen zum Grab,
Die weiße Kuppel schwebt wie vom Himmel herab,
Wie ein weißer Berg, dem nicht Mauer, nicht Stein einen Halt gab.

 

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