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Die geflügelte Erde

Max Dauthendey: Die geflügelte Erde - Kapitel 110
Quellenangabe
typepoem
authorMax Dauthenday
titleDie geflügelte Erde
publisherAlbert Langen
printrunDrittes bis fünftes Tausend = Zweite Auflage, 1922
editorbruce.welch@gmx.de
year1922
firstpub1910
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130726
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Auferstehungszeichen an indischen Waffen

Zum Vestibül vor dem Hotel, darin ich kühl zur Mittagsstunde lag, brachte man täglich Waffen zum Verkaufe hin.
Da sah ich Tigerscheren mit drei Eisenzungen. Bei einem leisen Druck am Knaufe sind die drei Zungen aufgesprungen,
Wie beide Schneiden eines Schnabels mit einer dritten Schneide in der Mitte.
Stieß man damit in eines Tigers Eingeweide, so riß die Schere Wunden im Fleische dreifach breit.
Solch' Todeswaffen sind in Indien mit einem Lingamzeichen eingeweiht,
Das einen Mörder feit; ein Einschnitt, bloß wie eine Erbse groß.
Ist mit gefeiter Waffe ein Mord geschehen, können die Geister des Getöteten sofort zum neuen Leben übergehen.
Verboten ist dem Indier die Waffe ohne Lingamzeichen,
Doch mit ihm kann er schuldlos ein jedes Leben aus dem Leben streichen.
Er nahm das Leben einer Kreatur nicht fort; er änderte nur dieses Lebens Form und seinen Ort. –
Wie doch Gedanke und das Wort auf dieser Erd' umständlich viel erfinden, dacht' ich.
Kein Lingamzeichen, Liebe nur allein, kann einen Mörder von dem Mord entbinden.

 

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