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Die Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!!

Ferdinand Draak: Die Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!! - Kapitel 9
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authorFerdinand Draak
titleDie Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!!
publisherMarschner & Stephan
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9. Eine Hetzjagd auf Menschen im wahren Sinne des Wortes

In Berlin sollte Drake über die geheime Fortsetzung der Berathungen seitens des Richters Bart und des Sachverständigen Wallach nach der verhängnißvollen letzten Verhandlung Aufklärung werden.

Der Richter ließ Drake eine Verfügung nach Berlin zustellen des Inhalts:

»In Sachen c. Drake hat das Gericht beschlossen, den Irrenarzt Dr. Jessen in Hornheim bei Kiel als weiteren Sachverständigen zu ernennen und wird der Provokat Drake aufgefordert, sich unverzüglich zu dem neuernannten Sachverständigen zu begeben und sich zu einer längeren Beobachtung in dessen Irrenanstalt aufnehmen zu lassen.

»Widrigenfalls die zwangsweise Hinführung des Provokaten erfolgen wird.

gez.: Bart.«

Die Leimruthe war also fix und fertig, mit der man Drake jetzt endgiltig fangen wollte.

»Allerdings eine großartige Zumuthung!« rief Drake aus, als er diese Verfügung las, – »Ob es denn wirklich auf Erden einen solchen Dummkopf geben mag, der in eine so plumpe Falle geht? Mich wenigstens hätte der Seelenverkäufer nicht für so einfältig halten sollen! Ich glaube schon, das würde ihnen passen, wenn ich so blindlings und arglos in mein Verderben hineinginge. Hm, das würde einen Jubel geben! Vorläufig aber will ich Euch, Ihr studirten Helden, die Spitze bieten und Euch mit Eurer eingebildeten Wissenschaft nach Gebühr in die Enge treiben. Und das schwöre ich Euch, Biedermänner im Staatsdienste, die Ihr nicht fähig leid, Euch auf ehrliche Weise ein Stück Brod zu erwerben, lebendig sollt Ihr mich in Eure Klauen nicht bekommen. Zunächst werde ich es mit einer Beschwerde versuchen und sollte ich auch hiermit wieder abgewiesen werden unter dem nichtigen Vorwand, daß ich, so lange die Sache nicht erledigt sei, nicht gehört werden könne, werde ich zu anderen wirksamen Mitteln greifen, daß Euch das Hören und Sehen vergeht.«

Eine Beschwerdeschrift war bald angefertigt und bei dem zuständigen Gericht eingereicht. Zugleich beantragte Drake, die ganze gegen ihn geführte ungerechtfertigte Anklage dem Gericht in Berlin zur Erledigung zu überweisen.

Die Beschwerdeinstanz – eine Ferien-Kommission – zusammengesetzt aus verschiedenen Gerichtshöfen, die der Advokaten- und Aerztesippe völlig fern stand, entschied dahin, daß dem Antrage des Beschwerdeführers Folge zu geben und die Sache nach Berlin zu überweisen sei. Natürlich gerieth die ganze Seelenverkäufergesellschaft in nicht geringe Aufregung, als sie vernahm, in welches Stadium die Angelegenheit getreten war. Durch diese Verfügung war ihnen ein dicker Strich durch die Rechnung gemacht, sie konnten über ihr Opfer nicht mehr willkürlich verfügen. Am meisten schien diese Entscheidung den Richter Bart aufzuregen.

»Dieser Kerl,« zischte er aus seinem zahnlosen Munde hervor, als ihm diese Verfügung eingehändigt wurde. »Verfluchter, verfluchter Kerl,« – unterbrach er sich – wüthend warf er das ganze Aktenstück zu Boden und lief, wie der Löwe im Käfig, im Zimmer auf und nieder.

»Was hat denn der Richter nur heute vor?« – dachte der Hilfsschreiber im Nebenzimmer, der bei dessen Lärmen und Toben von seiner mechanischen Arbeit aufschrak. Dabei trat der Mann zur Thür, blickte durch's Schlüsselloch und sah Bart wie einen Besessenen umherspringen.

»Schändlich, schändlich, abscheuliche Blamage! Dem Antrage eines wahnsinnigen Menschen wird Folge gegeben! Einem anderen Richter, und noch dazu an einem anderen Orte werden die Akten geschickt! Was wird man in Berlin beim Studiren der Akten von mir und der Führung des Prozesses denken! Es ist ganz unerhört, entsetzlich!«

»Ha, ha,« – murmelte der ehrliche Gerichtsschreiber. – »Dem Bösewicht ist es in die Glieder geschlagen, daß ihm endlich auch 'mal andere Leute in die Karten gucken werden!«

Durch diese Verfügung schien der mit der größten Energie und Zähigkeit geführte Plan zu Wasser geworden zu sein. Die vereitelte Hoffnung, Drake in ihre völlige Gewalt zu bekommen, reizte die Gegner auf's Aeußerste und sie griffen jetzt wiederum zu den letzten Mitteln, zur Brutalität.

Ungeduldig erwarteten die Feinde seine Anwesenheit an seinem Geschäftsorte und hatten Vorkehrung getroffen, daß ihnen seine Ankunft sofort mitgetheilt wurde. Er sollte denn auch, als er sich dort wieder aufhielt, bald inne werden, daß seine Gegner beharrlich ihre Maulwurfsarbeit gegen ihn fortsetzten. Geschäftswege führten Drake eines Tages durch eine der belebtesten Straßen. Plötzlich sprang einer der gedungenen Galgenvögel hervor, rempelte Drake an und machte Miene, mit einem offenen Messer auf ihn loszuhauen; zugleich schrie der Bösewicht aus voller Kehle:

»Der wahnsinnige Drake hat mich auf offener Straße angefallen. Hilfe, Hilfe!«

Schnell hatte sich eine große Anzahl Neugieriger angesammelt. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß ein Drake bekannter Herr des Wegs kam und sich dem Menschenauflauf näherte. »Was hat der Mensch da vorhin behauptet?« fragte dieser mit drohender Stimme. »Der behauptet, Herr Drake hat ihn angefallen! Herr Drake ist viel zu klug, als daß er sich an solchem Auswurf der Menschheit vergreifen sollte. Meine Herren!« wandte sich jetzt Drake's Freund an die Volksmenge. – »Sie kennen doch den schamlosen Prozeß von dem Richter Bart gegen Drake durch die Zeitung. Dieser freche Mensch da ist eines der Subjekte, das sich hat für schnödes Geld von den Advokaten und Aerzten kaufen lassen; er heißt C. M. Meyer und wohnt Alter Steinweg 79.«

Nach dieser Auseinandersetzung nahm das Publikum sofort Drake's Partei und der Attentäter ergriff die Flucht.

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