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Die Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!!

Ferdinand Draak: Die Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!! - Kapitel 6
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authorFerdinand Draak
titleDie Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!!
publisherMarschner & Stephan
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6. Neue List des Kreisphysikus Wallach

Unter den zahlreichen Briefen, welche für Drake täglich mit der Post eingingen, befand sich eines Tages einer, dessen kurzer Inhalt lautete:

»Euer Wohlgeboren ersuche ich ergebenst, mich doch »in den nächsten Tagen während meiner Sprechstunden »besuchen zu wollen. Ich habe mich in einer höchst »wichtigen Sache mit Ihnen zu besprechen! Doktor »Wallach, Kreisphysikus.«

»Ah!« rief Drake, »Du Knabe, Deine Handlungsweise kenne ich ja bereits, indessen Deine persönliche Bekanntschaft fehlt mir. Gewiß werde ich Dich besuchen, um womöglich von Dir selbst zu erfahren, was Du mit Deinen Genossen gegen mich im Schilde führst und wie weit Eure maulwurfsartige Arbeit bereits gediehen sei.«

Er begab sich also nach der Wohnung des Kreisphysikus.

»Ah, mein verehrtester Herr Drake!« rief das winzige Männlein mit dem ewig süßlichen Lächeln und rieb sich die dürren Hände. – »Endlich geben Sie mir einmal die Ehre Ihres werthen Besuches. Bitte, nehmen Sie Platz!«

Drake setzte sich auf den ihm zugeschobenen Sessel und fragte kurz:

»Sie wünschen?«

»Zunächst einmal, mich mit Ihnen ungestört unterhalten zu können!« – versetzte der durchtriebene Jünger Aeskulaps.

Drake sah Wallach fest an und sagte:

»Fassen Sie sich kurz, Herr Doktor! Weshalb haben Sie mich aufgefordert, zu Ihnen zu kommen? Meine Zeit ist gemessen!«

Der Physikus schlug die Augen nieder vor Drake's unverwandtem, offenen Blick, räusperte sich und antwortete dann kleinlaut:

»Vor Allem muß ich Ihnen wiederholen, daß es mir außerordentlich angenehm ist, mich einmal eingehend mit Ihnen unterhalten zu können!« – Dabei rückte er unruhig auf seinem Sitze hin und her.

»Ich bitte Sie nochmals, ohne Umschweife zur Sache zu kommen!« – sagte Drake bestimmt – »Worum handelt es sich?«

»Es ist« – versetzte das Männchen, in seiner Verlegenheit die Worte ruckweise hervorstoßend – »eine –«

»Was – eine, ein schlechtes Gewissen haben Sie, und deshalb bleiben Ihnen die Worte in der Kehle stecken!« unterbrach Drake den Helden der Wissenschaft. »Ich werde Ihnen sogleich weiter beweisen, daß Ihre Handlungsmeise von unlauteren Motiven geleitet ist; Sie haben sich vor einigen Tagen in meiner Nachbarschaft umhergetrieben, in einem öffentlichen Lokal erklärt, ich sei geisteskrank und haben sogar den Hauswirth als Zeugen gegen mich zu gewinnen gesucht. Sie scheinen nicht so viel Bildung und Verstand zu besitzen, um beurtheilen zu können, daß Sie mich dadurch nicht allein beleidigt, sondern auch in meiner ganzen Existenz geschädigt haben!« –

»Ich, ich,« hob Wallach zu seiner Vertheidigung an, »war vom Gericht –«

»Blödsinnig waren Sie und sind Sie auch noch,« fuhr Drake fort. »Wenn das Gericht etwas von mir will, wird es mich zu finden wissen, mit Ihnen habe ich nichts abzumachen; am allerwenigsten aber in Ihrer Privatwohnung.«

Verblüfft fuhr das Männchen zusammen. Drake aber erhob sich und verließ festen Schrittes das Gemach, ohne daß es Wallach versucht hätte, ihn zurückzuhalten. –

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