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Die Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!!

Ferdinand Draak: Die Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!! - Kapitel 4
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authorFerdinand Draak
titleDie Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!!
publisherMarschner & Stephan
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4. Das Komplott

Die Advokaten Wex in Hamburg, Heymann-Altona, die Aerzte Everts-Wandsbeck und Kreisphysikus Wallach-Altona

Die Denunciation bei der Staatsanwaltschaft war bald in die Oeffentlichkeit gedrungen, umfangreiche Gegenmaßregeln wurden ergriffen.

Eines Abends kehrte Drake nach Hause zurück, sein Dienstmädchen, welchem die verschiedenen Szenen im Hause leider nicht fremd geblieben waren, folgte ihm in sein Privatzimmer und theilte ihm geheimnißvoll mit:

»Herr Drake, ich stehe in Ihren Diensten und halte mich daher für verpflichtet, Ihnen Alles mitzutheilen, was in Ihrer Abwesenheit hier passirte!«

Drake's Neugierde war durch diese dunklen Andeutungen auf's Lebhafteste erregt.

»Das ist sehr gut von Ihnen,« sagte er nachdenkend, »aber ich erwarte, daß Sie sich streng an die Wahrheit halten.«

»Darauf können Sie sich verlassen, Herr Drake, aber ich würde eine Sünde begehen, wollte ich Ihnen nicht sagen, was sich heute hier zugetragen hat. Doch hören Sie:

»Der Vater Ihrer Frau war mit dem Doktor Everts und dem Advokaten Wex hier. Der Zufall wollte es, daß ich gerade im Korridor vor dem Wohnzimmer zu thun hatte, und da die Thür nicht ganz geschlossen war, mußte ich unwillkürlich Alles hören, was drinnen verhandelt wurde.«

»Was hörten Sie?« fragte Drake erregt.

»Ich hörte, daß man Ihrer Frau strengstens verbot, Ihnen auch nur das Geringste in der Sache mit dem Arzt einzuräumen, und dann wurde auch noch von etwas Anderem gesprochen, was ich aber mir gar nicht Ihnen zu sagen traue.« – – –

»Verhehlen Sie mir nichts! Sprechen Sie offen und ehrlich!«

»Nun gut, man sprach etwas von Einsperren in eine Anstalt. Doktor Everts erklärte dabei, er würde schon dafür Sorge tragen, daß ein in diesem Falle nothwendiges Gutachten über Sie ausgestellt werde.

»Der Advokat Wex fügte außerdem hinzu, daß er sofort gegen Sie Klage einreichen werde. Mehr konnte ich von dem Gespräch nicht verstehen.«

»Ich danke Ihnen für Ihre Mittheilungen,« erklärte Drake und entließ das Mädchen.

»Ah,« sagte er sich, – »also ein wohlorganisirtes Complott hat sich da gegen meine Person gebildet. Na, wartet nur, Ihr sollt alle die Rechnung ohne den Wirth gemacht haben.«

In höchster Empörung über die bodenlose Frechheit eilte er zum Hause hinaus und war im Begriff, sich direkt zu dem Schänder seines Hauses, dem Arzt Everts zu begeben, doch in dessen Wohnung war es dunkel und tiefe Stille herrschte in derselben.

Mißmuthig über sein erfolgloses Unternehmen, begab er sich wieder nach Hause. Seine Frau kam ihm auf dem Korridor entgegen, als er sein Zimmer betreten wollte.

Seine unfreundliche Miene mochte ihr auffallen.

Bekümmert sah sie ihn an, und eilte ihm nach, um ihn mit Fragen zu bestürmen.

»Frage mich nicht,« unterbrach er seine Frau abwehrend, »Dir allein habe ich zu danken, was geschehen, Du allein hast alles Unglück, welches über mich gekommen, verschuldet!«

»Mein Gott, so sprich doch, was habe ich gethan? – Was ist geschehen? Ich will ja Alles, Alles thun, um es wieder gut zu machen, doch verschweige mir nichts, erkläre Dich deutlich!«

»Gut,« erwiderte Drake, »ich will Dir nichts verschweigen, Du sollst Alles hören. Ich habe aus sicherer Quelle vernommen, daß während meiner Abwesenheit heut Dein Vater, der gewissenlose Arzt und der Advokat Wex in meinem Hause waren. Sie haben Dich sehr genau und bestimmt davon unterrichtet, wie Du Dich mir gegenüber verhalten sollst. Ja, noch mehr! Im hohen Rath dieser Bande – Deinen Vater muß ich leider nach diesem Vorkommniß zu dieser Sippe zählen – wurde sogar davon gesprochen, mich einsperren zu lassen, und der edle Doktor hat sich bereit gefunden, ein diesbezügliches Gutachten über mich herbeizuschaffen. Und um das Faß zum Ueberlaufen zu bringen, will der berüchtigte Advokat Wex einen Prozeß gegen mich in's Feld führen. Und diese Vorgänge verschweigst Du mir?«

Die Gattin stand sprachlos da und hielt sich krampfhaft an einer Stuhllehne fest. Es war ihr ein Räthsel, aus welcher Quelle er die Wahrheiten schöpfte. Endlich brachte sie brockweise hervor: »Mein Gott, ich habe ja heute noch nicht Gelegenheit gefunden, mit Dir zu sprechen!«

»Ja,« ergriff Drake sofort wieder das Wort, »dieser gewissenlose Arzt hat sogar in Folge des Gerüchts, das sich über die Affaire in meinem Hanse verbreitet hat, erklärt, daß die Weiber ihm nachliefen und er solle dann obendrein der Schuldige sein. Er hat Dich damit als den schuldigen Theil bezeichnet. Auf Deine Erklärung, der Arzt habe Dich vergewaltigt, darf ich deshalb nichts mehr geben, ich muß nach Lage der Sache sogar annehmen, daß Du mit dieser Sippe gegen mich eine Karte spielst! Wie verhält sich nun die Sache, kannst Du Dich diesen Anschuldigungen gegenüber rechtfertigen?«

Die Frau ließ sich in einer Ecke des Sophas nieder und preßte die Hände krampfhaft vor die Augen, gleichsam als schaudere sie vor dem Blick, welchen sie soeben in den gähnenden Abgrund von Bosheit, Niedertracht und Gewissenlosigkeit gethan hatte, zurück.

Plötzlich schnellte sie empor, als belebe sie ein rettender Gedanke, richtete sich hoch auf und den flammenden Blick fest auf ihren Gatten gerichtet, erklärte sie mit hinreißenden Worten:

»Dieser Dr. Everts ist ein Nichtswürdiger. Dieser Elende will auf mich die Schmach wälzen, mich für den schuldigen Theil erklären?«

»Er hat Dich also verführt?« fragte Drake hastig.

»Entehrt, vergewaltigt!«

»Und Du wirft die Aussagen vor Gericht wiederholen?«

»Er soll es büßen! was ich Dir hier sage, werde ich vor Gericht beschwören, und wehe ihm, wenn er das Gegentheil eidlich versichern will!«

»Aber was haben denn Dein Vater, der Advokat Wex und der Attentäter Everts heute in meinem Hause gewollt?« forschte Drake, der höchst erregt während der gemachten Enthüllung Seitens der Frau im Zimmer auf. und niedergeschrieen war.

»Der Everts ist wiederholt bei meinem Vater gewesen, und der Überredungskunst des verbrecherischen Arztes – Vielleicht auch seiner Bestechung – Du kennst ja des Vaters Geldverlegenheit, – ist es gelungen, meinen Vater ganz auf seine Seite zu bekommen. Er hat ihm vorgestellt, daß, nach dem was nun einmal geschehen, mein eheliches Verhältniß doch unrettbar erschüttert sei. Er hatte bei meinem Vater vielleicht nur allzu leichtes Spiel; steht dieser ja doch seit jener Zeit, da Du Dich, als ihm Hypotheken gekündigt wurden, weigertest, ihm größere Vorschüsse zu machen, mit Dir und Du mit ihm auf stetig gespanntem Fuße.

»Der Advokat Wex, den Du seinerzeit bestrafen ließest, hat seine Hände dabei gegen Dich im Spiele.

»Der Advokat hat meinen Vater versichert, er würde dafür sorgen, daß er, mein Vater, in den Besitz Deines Geschäfts und Deines Vermögens kommen sollte, sobald er es bewerkstellige, mich Dir gänzlich zu entfremden, und leider hat solchen Verlockungen mein Vater nur zu willig sein Ohr geliehen.«

»Ah, – also auch von dieser Seite kommt der Wind?« sagte der Gatte. »Nun, ich begreife. Diese drei sind heute in meiner Abwesenheit in mein Haus gedrungen und wollten Dich gegen mich beeinflussen.«

»So ist es gewesen, der Advokat Wex holte sogar ein Schriftstück hervor und versuchte mich mit seiner Ueberredungskunst zu überlisten, dasselbe zu unterschreiben. Er meinte, wenn ich unter das Dokument meinen Namen setzte, dann wäre die ganze unerquickliche Angelegenheit mit einem Schlage aus der Welt und ich könnte wieder ein frohes und glückliches Leben führen. Alle diese Zumuthungen habe ich selbstredend mit Entrüstung zurückgewiesen.«

Empört über diese Frechheit erklärte Drake: »Ich habe Euch Verbrecher jetzt in den Händen und ich werde doppelt Rache an Euch Schurken nehmen!«

Doch verfolgen mir den Verlauf der Sache weiter.

Von dem Advokaten Wex und dem Arzt Everts wurde eine fieberhafte Thätigkeit entwickelt, um die Anklage wegen Nachzucht Zu hintertreiben.

Eines Nachmittags, als Drake vom Geschäft nach Hause kam, wurde ihm vom Dienstmädchen gemeldet: »Ihr Schwager, der junge Meyer, ist mit einer Droschke gekommen und hat Ihre Frau abgeholt. Er gab an, seine Mutter wäre schwer erkrankt und diese habe den Wunsch geäußert, ihre Tochter noch zu sehen. Bestürzt über diese Nachricht ist Ihre Frau Gemahlin sofort mitgefahren.«

Wie stets durch Geschäfte stark in Anspruch genommen, bemerkte Drake kaum, wie die Stunden verrannen, ohne daß er weitere Nachrichten von seiner Schwiegermutter erhielt. Erst als er Abends zu Tisch gehen wollte und seine Frau nicht erblickte, wurde er unruhig, doch verhinderte ihn der Zwist, in dem er mit seinem Schwiegervater lebte, sich nach dessen Hause zu begeben. Auch als die Nacht hereinbrach, kam seine Gattin nicht heim. Er war nun fest überzeugt, daß eine ernstliche Erkrankung eingetreten sein müsse, so daß seine Frau es für ihre Pflicht gehalten hatte, die Nacht über bei der Mutter zu bleiben.

Am anderen Morgen war aber noch immer keine Nachricht eingetroffen, und nun sandte er das Dienstmädchen, um nach dem Verbleib seiner Frau Erkundigung einzuziehen. Recht bald kehrte das Mädchen zurück mit der erschütternden Meldung: »Ihre Schwiegermutter befindet sich durchaus wohl und Ihre Frau Gemahlin ist bei derselben weder gestern, noch heute eingetroffen.«

Bange Befürchtungen stiegen in ihm auf.

»Sollte etwa die Unglückliche den Beeinflussungen jetzt Gehör geschenkt haben, sich jetzt aus Schamgefühl weigern wollen, das Eingeständniß ihres Unglücks vor Gericht zu wiederholen, sollte es der List meiner Feinde gelungen sein, sie durch Vorspiegelung falscher Angaben aus meinem Hause zu locken, oder sollte ihr auch ein Unglück zugestoßen sein?« diese entsetzlichen Gedanken durchkreuzten sein Hirn.

Um Licht in diese Dunkelheit zu bringen, eilte er zur Polizei und berichtete über den Sachverhalt.

Auf dem Polizeibureau zuckte man die Achsel. Keine einzige Meldung über irgend eine derartige Verunglückung lag vor.

Er forschte selbst nach allen Richtungen nach dem Aufenthaltsorte seiner Frau, aber alle Bemühungen blieben erfolglos.

Er gelangte allmählich zu der Ueberzeugung, daß seine Frau durch seine Feinde mit List aus seinem Hause gelockt und gewaltsam an einem heimlichen Orte zurückgehalten würde, und daß sich der junge Meyer als Werkzeug zu diesem Zwecke hergegeben habe.

Diesen jungen Menschen werden wir später von seiner Schattenseite kennen lernen.

Gegen diesen Schurkenstreich war Drake zunächst machtlos und er mußte sich in das Unvermeidliche fügen. Was der Advokat Wex und der Arzt Everts nicht durch List erzwingen konnten, hatten sie durch Gewalt ausgeführt. Sie hatten dadurch erzielt, daß das Strafverfahren gegen Everts in dem Stadium hängen blieb, weil die Hauptzeugin nicht geladen werden konnte.

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