Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ferdinand Draak >

Die Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!!

Ferdinand Draak: Die Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!! - Kapitel 10
Quellenangabe
pfad/draak/gefahr/gefahr.xml
typeautobiography
authorFerdinand Draak
titleDie Gefahr ist groß!!! Jeder schütze sich!!!
publisherMarschner & Stephan
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101231
projectid5090a2da
Schließen

Navigation:

10. Der bestochene Geh. Medizinalrath Dr. Wolff in Berlin

Nach langem Harren erhielt Drake eine Vorladung zum Termin beim Gericht in Berlin. Ihm war bei dieser freudigen Nachricht zu Muthe, wie einem Ertrinkenden am Meeresgrunde, der von der tosenden See hilflos hin und her geschleudert worden, plötzlich aber an die Oberfläche geworfen, das rettende Gestade erreicht.

Er folgte der Ladung. Der anwesende Richter sah den Eintretenden bedeutungsvoll an und verwundert wiegte er den Kopf hin und her.

»Es handelt sich,« begann er dann, sich an den gleichfalls Vorgeladenen Geh. Medizinalrath Doktor Wolff wendend, »um die Unzurechnungsfähigkeits-Erklärung des Kaufmann Drake; indeß habe ich aus den Akten, die mir von dem anderen Gericht, bei dem die Sache bisher geschwebt, zugesandt wurden, nicht den geringsten Anhaltspunkt zu finden vermocht. Das scheint ja fast, als habe das Gericht in Altona seine ganz besondere, von allen übrigen Gerichten abweichende Methode!«

Drake athmete bei diesen Worten hoffnungsfreudig auf.

»Es befinden sich zu Drake's Gunsten drei gleichmäßig lautende Gutachten bei den Akten. Sie rühren von wissenschaftlichen Autoritäten her. Es unterliegt daher nicht dem geringsten Zweifel, daß er sich der vollsten geistigen Gesundheit erfreut. Machen wir darum der Sache, die in Altona mir doch ganz eigenthümlich aufgefaßt zu sein scheint, ein Ende, und lassen wir es genug sein des grausamen Spiels, das man bisher mit dem Angeklagten getrieben hat. Wir wollen Drake einige Geldstücke zeigen, und wenn er diese kennt, die Klage einfach abweisen.«

»Erlauben Sie, Herr Richter!« – entgegnete der medizinische Sachverständige, sich in die Brust werfend. – »So schnell vermag ich nicht, mich mit Ihrem Vorschlage einverstanden zu erklären. Wenn ich auch nicht zweifele, daß der Angeklagte die Geldstücke kennt, so handelt es sich bei ihm doch um äußerst pikante Sachen, über die ich so schnell nicht hinweggehen kann. Ich muß Sie bitten, mir die Akten auf einige Zeit behufs eingehenden Studiums zu überlassen, auch anzuordnen, daß sich Drake öfter bei mir in meiner Privatwohnung einfindet, damit ich mich eingehend mit ihm beschäftigen kann.«

»Ja, Herr Doktor!« – warf der Richter ein, – »Das wird nicht wohl angehen; die Akten müssen dem Medizinal-Collegium übersandt werden!«

»Sie vergessen, Herr Richter,« – entgegnete der Arzt etwas verletzt, – »daß ich selbst Mitglied des Medizinal-Collegiums bin, und daß mir die Akten zur Bearbeitung und Berichterstattung doch unbedingt überwiesen werden!«

»Gut, Herr Doktor! Die Akten werden Ihnen ausgefolgt werden!« – erklärte der Richter dann.

»Ein recht seltsames Protokoll!« – brummte er dann, als er Barts Machwerk nochmals durchblätterte.

Drake verlieh froh bewegt das Gerichtsgebäude und er sagte sich: »Endlich ist die entsetzliche Angelegenheit in die Hände eines unparteiischen Richters gelangt, der den gegen Dich geführten Schwindel in Form einer Gerichtsverhandlung herausgefunden und offen anerkannt hat. Und nachdem der ehrliche Richter den Doktor Wolff auf die Schwindeleien des Richters Bart aufmerksam gemacht, wird auch dieser Sachverständige, der nebenbei Deinen Feinden fern steht, nicht anders urtheilen können und überall der Wahrheit die Ehre geben.«

Mit Spannung sah er deshalb dem weiteren Verlauf der Sache entgegen.

Vierzehn Tage nach jener Gerichtsverhandlung, die für Drake so außerordentlich günstig ausgefallen war, erhielt der Verfolgte eine Einladung von dem Geh. Medizinalrath Doktor Wolff, ihn in seiner Behausung zu besuchen. Er folgte der Einladung um so lieber, als er sich sagte, daß nunmehr die empörende Angelegenheit zu seinen Gunsten entschieden werden müsse.

Der Mann kam ihm freundlich entgegen.

»Nachdem ich die Akten und Gutachten genau geprüft habe,« erklärte Doktor Wolff, »komme ich zu der festen Ueberzeugung, daß hier eine ganze Reihe von Schurkereien gegen Sie verübt wurden. Zu meinem großen Bedauern, und Erstaunen muß ich Ihnen dies offen bekennen! Ja, ich muß Sie geradezu fragen: Glauben Sie nicht, daß hier nach irgend welcher Seite hin Bestechungen und Beeinflussungen vorliegen? Sie haben doch diese Sie so sehr berührende Angelegenheit aufmerksam genug verfolgt; Sie werden sich auch ein Urtheil über dieselbe gebildet haben. Nicht wahr?«

»Ganz gewiß,« erwiderte Drake zurückhaltend. »Sie können es mir aber nicht verargen, Herr Doktor, wenn ich mein Urtheil nicht so geradewegs ausspreche! Ich habe sehr traurige Erfahrungen bis jetzt gemacht –«

»Daß Sie mißtrauisch wurden?« unterbrach ihn der Arzt. »Nun, das ist leicht begreiflich. Ich gebe Ihnen jedoch mein Ehrenwort, daß ich Ihre Bemerkungen in strengster Verschwiegenheit bewahren will! Nicht als sachverständiger Arzt stehe ich jetzt vor Ihnen, sondern als Mensch! Privatim möchte ich erfahren, schon aus wissenschaftlichen Gründen, wie denn die auswärtigen Sachverständigen dazu kommen, solche Urtheile über Ihren Geisteszustand auszusprechen. Geschah dies wirklich nur aus Irrthum? Ich weiß allerdings recht wohl, daß sehr viele auswärtige Aerzte recht leichtfertig vorgehen! Ihr Fall ist jedoch so außerordentlich, daß er einzig in seiner Art dasteht. Hier müssen andere Ursachen als wissenschaftliche Irrthümer vorliegen!«

Er sah dabei Drake vertrauenerweckend an und indem er ihn freundlich einlud, neben ihm Platz zu nehmen, sprach er:

»Sagen Sie mir ohne Scheu Ihre Meinung. Gerade von Ihnen möchte ich in den ganzen Verlauf der Handlungen und deren Triebfedern eingeweiht sein, um mir dadurch ein klares Urtheil bilden zu können. Noch einmal – ich versichere Sie der strengsten Diskretion!«

Konnte Drake gegenüber diesen ehrlich klingenden Worten Mißtrauen hegen?

Er schlug in die dargebotene Rechte des Arztes ein und sprach dann frei und ohne Rücksicht seine Meinung aus.

»Die Verhältnisse des Doktor Wallach, welcher in der Sache ein Gutachten gegen mich abgegeben hat, sind mir nicht bekannt. Ueber ihn kann ich mir also ein Urtheil nicht erlauben. Nach Lage der Sache muß ich aber behaupten, daß er gegen mich parteiisch gehandelt hat, und zwar im Interesse seines Kollegen Everts, dessen Ruf und ganze Existenz auf dem Spiele standen und der sich, wie aus den Akten klar und deutlich hervorgeht, eine strafbare Handlung in meinem Hause hat zu Schulden kommen lassen. Der Doktor Hendemann dagegen ist unbedingt durch den Doktor Everts beeinflußt morden. Denn bei diesem habe ich Doktor Everts wiederholt angetroffen, zur Zeit als Hendemann die Akten zur Berichterstattung in Händen hatte, während nach dessen Behauptung beide auf feindlichem Fuße standen. Außerdem wirft das Verhalten Hendemann's ein zweifelhaftes Licht auf seinen Charakter. Von mir in die Enge getrieben, zog er ohne Weiteres seine mündlich abgegebene Erklärung: »Ich sei gemeingefährlich geisteskrank und deshalb auch die Einsperrung meiner Person in die Irrenanstalt unbedingt erforderlich, zurück, eine Thatsache, die wohl beweist, auf welch' schwachem Fuße sein ärztliches Gutachten stand.«

Mit scheinbar großer Theilnahme und Zustimmung lauschte der Arzt den Mittheilungen Drake's, welche dieser ruhig und wohlüberlegt abgab.

Er berichtete dann noch, in welcher Weise sein Prozeß bisher geführt worden sei und welches Unrecht er dabei habe leiden müssen.

Der Arzt erhob sich mit ernster Miene.

»Herr Drake, jetzt sehe ich klar! Ich komme zu der Ueberzeugung, daß man Sie ungerecht behandelt hat. Sie brauchen nicht wieder zu mir zu kommen. Die Sache ist hiermit erledigt.«

So konnte dann Drake mit der Ueberzeugung den Arzt verlassen, daß nun baldigst die Wahrheit siegen werde. Hatte doch Doktor Wolff offen erklärt, er zweifle nicht daran, daß die ersten über den Geisteszustand Drake's abgegebenen Urtheile nur in Folge schurkischer Ungerechtigkeiten abgegeben seien!

»Es giebt noch ehrliche Menschen,« sprach Drake froh bewegt zu sich.

»Noch ist nicht die ganze Welt von dem Teufel der Selbstsucht, der rücksichtslosen Gier nach Geld vergiftet! Ich werde bald triumphiren und dadurch nicht nur selbst von meinen Feinden befreit werden, sondern auch dazu beitragen können, daß andere Menschen glücklich werden. O, die Zurückweisung der gegen mich erhobenen Anklage, die Enthüllung des schurkischen Complots wird heilsam wirken! Diejenigen, welche ihr Amt mißbrauchen, werden, von Furcht ergriffen, ihrer gerechten Bestrafung entgegensehend, nicht mehr solche teuflische Pläne in Zukunft schmieden.

Aber welche bittere Enttäuschung sollte ihn auch hier wieder treffen.

Seine geschworenen Feinde hatten ihn nicht aus dem Auge gelassen, sie waren von dem stattgehabten Termin, dem Ergebniß der Verhandlung vollkommen unterrichtet.

Wie bereits erwähnt, hatte Drake in der Umgebung seiner Feinde einen Vertrauten, der ihm oft genug Mittheilung über die Maßnahmen der Gesellschaft machen konnte. Von diesem Vertrauten traf eines Tages ein Brief ein mit der Meldung:

»Doktor Wallach ist nach Berlin abgereist, jedenfalls um mit dem Doktor Wolff Rücksprache zu nehmen!« Drake ballte die Hände!

Seine Feinde waren unermüdlich bei der Arbeit.

Gewiß wollten sie jetzt den Sachverständigen beeinflussen, daß er so urtheile wie sie selbst!

Und würde sich der Medizinalrath Doktor Wolff beeinflussen lassen? Würde er, der dem Verfolgten gesagt hatte, er halte die bisherigen Urtheile der Aerzte für Schurkereien, jetzt selbst ein Schurke werden? – –

Und wiederum langte nach 14 Tagen ein Brief jenes Vertrauten an, mit der Nachricht, daß die Akten mit dem Gutachten von Dr. Wolff in Berlin nach Altona zurückgekommen seien. Dem Schreiben war eine Abschrift des Gutachtens zugleich beigefügt.

Drake durchflog das Schriftstück in begreiflicher Aufregung, dann wurden seine gerötheten Wangen immer blasser, die Hand, welche das Schriftstück hielt, sank herab, ein schwerer Seufzer entrang sich der Brust des Gequälten.

»Trage es, armes Herz! Schon Schmählicheres hast Du erduldet!« murmelten tonlos seine Lippen.

Das Gutachten des geheimen Medizinalrath Doktor Wolff schloß sich vollständig dem Urtheil des Doktor Wallach an, ja es war nicht viel mehr als eine Abschrift dieses Urtheils.

In demselben heißt es unter Anderem mit Worten: Es handelt sich bei Drake nicht um eine gewöhnliche Geistesschwäche oder nur Schwachsinn, es handelt sich um eine Beleidigung des Dr. Everts. An einer anderen Stelle leistet Wolff's Logik folgende Probe: »Drake spricht mit einer seltenen Gewandtheit folgerichtig und exakt.« Während er an einer anderen Stelle sagt: »Drake spricht sehr undeutlich und ist schwer zu verstehen.« Dann heißt es: »Drake's Benehmen war sehr höflich und gemessen;« an einer anderen Stelle dagegen: »Drake war sehr aufgeregt und schalt auf alle seine Wiedersacher.«

Mit diesem offenbaren Blödsinn begründete das Mitglied eines Medizinalkollegium Wolff sein amtliches Gutachten. Zur Warnung Jedermanns sei hier angeführt, daß dieser Held der Wissenschaft in Berlin Bellealliancestr. 17 wohnt.

Nachdem Drake dieses Monstrum eines ärztlichen Gutachtens gelesen, rief er:

»Also Lug und Verrath überall!«

Dahin war der Traum auf Freiheit!

Die Verschwörung seiner Gegner war mächtiger als er – mächtiger als die Wahrheit!

Trübe Stunden kamen für den Unglücklichen. In seiner verzweifelten Stimmung sprach er oft die ergreifenden Worte seines Lieblingsdichters Schiller vor sich hin, welche dieser ebenfalls in trüber Zeit, betäubt von dem wirren Geschrei siegreicher Thoren, ausgesprochen: Die Worte des Wahns.

»Drei Worte hört man, bedeutungsschwer,
Im Munde der Guten und Besten.
Sie schallen vergeblich, ihr Klang ist leer,
Sie können nicht helfen, noch trösten,
Verscherzt ist dem Menschen des Lebens Frucht,
So lang' er die Schatten zu haschen sucht.

So lang' er glaubt an die goldene Zeit,
Wo das Rechte, das Gute wird siegen –
Das Rechte, das Gute führt ewig Streit,
Nie wird der Feind ihm erliegen;
Und erstickst Du ihn nicht in den Lüften frei,
Stets wächst ihm die Kraft auf der Erde neu.

So lang' er glaubt, daß das blühende Glück
Sich dem Edlen vereinigen werde –
Dem Schlechten folgt es mit Liebesblick;
Nicht dem Guten gehöret die Erde.
Er ist ein Fremdling; er wandert aus
Und suchet ein unvergängliches Haus,– – –«

In den Augen des kampfgeprüften Mannes blinkte eine Thräne. »Also sterben!« rief er schmerzlich, »sterben muß der Gute – hier bleibt er ein Fremdling? Und wozu denn erst kämpfen und ringen, wozu die mühevolle Qual, welche auf den meisten Menschen lastet von der Stunde der Geburt an? Hätte da nicht jener griechische Dichter Recht, der da sagt:

»Schön ist der Tod – doch besser wär's,
Die Mutter hätt' uns nie geboren?«

Wahrlich – Drake konnte jetzt fast verzagen und es gehörte viel sittliche Kraft und große Geistesgabe dazu, um nicht wirklich das zu werden, was jene Aerzte über ihn vorlogen: ein Geisteskranker!

Gewaltige Anstrengungen mußte der Verfolgte machen, um sich diesen trüben Stimmungen zu entreißen, die ihn zur Entsagung, zum Verzicht auf Glück und Leben hinführen mußten!

Er suchte in der Einsamkeit Sammlung und Ruhe.

»Will diese Qual denn noch kein Ende nehmen?« – seufzte eines Tages der von des Geschickes Mächten so hart verfolgte Drake, indem er sinnend in seinem Zimmer auf und niederging.

Gedanken mancherlei Art beschäftigten ihn, und wieder kamen ihm Zweifel darüber, ob seine verschwundene Ehefrau, von seinen Feinden bethört und umgarnt, wirklich die Klage gegen ihn unterschrieben habe.

»Ich vermag es nicht zu glauben!« – rief er. – »Was man auch mit ihr aufgestellt haben mag, dazu wird sie sich gewiß bei vollem Verstande nicht hergegeben haben, sie, die mir so fest versprochen hatte, vor Gericht ohne Scheu die lautere Wahrheit über Everts Angriff auf ihre Ehre zu bekennen!«

Plötzlich blieb der Auf- und Niederschreitende stehen, griff sich nach der Stirn und rief:

»Uebrigens es giebt ja ein einfaches Mittel, dies festzustellen: die Scheidungsklage!« Wieder setzte er seine Zimmerwanderung fort und sprach zu sich selbst:

»Hm, die Scheidungsklage, die Scheidungsklage!«

Er setzte sich an seinen Schreibtisch, stützte den Kopf auf den Arm und spann den Faden des Gedankens weiter aus. Plötzlich ließ er den Arm sinken und mit der Hand auf den Tisch schlagend, rief er mit strahlenden Augen:

»Ja, dieser Schritt allein löst alle Räthsel und macht mit einem Schlage aller Noth ein Ende.

»Wenn das Gericht die Scheidung ausspricht,« – setzte er sein Selbstgespräch fort, – »dann ist das ganze Intriguengewebe meiner Widersacher durchschnitten, und der Entmündigungsantrag kann nicht länger aufrecht erhalten werden, weil die Frau, deren Unterschrift er trägt, als Geschiedene hierzu nicht mehr das Recht besitzt!

»Ein guter Gedanke!«– rief er vergnügt aufspringend.

»Endlich habe ich den Weg aus dem Labyrinth gefunden!«

Und sofort unternahm er, der an schnelles, thatkräftiges Handeln Gewöhnte, die geeigneten Schritte zur Einleitung der Ehescheidungsklage wider seine Ehefrau, wozu hinreichend Grund vorhanden war.

Seiner persönlichen Sicherheit wegen begab sich Drake zu dem Professor Dr. A. Eulenburg und dem gerichtlichen, Sachverständigen Dr. Levin in Berlin und ließ sich abermals auf seinen Geisteszustand untersuchen. Beide Autoritäten stellten nach längerer Untersuchung ihr Gutachten dahin aus, daß jede geistige Störung bei ihm ausgeschlossen sei.

Nun war der Vielgeprüfte wieder im Besitze zweier starker Waffen seinen Verfolgern gegenüber. Auch diese Zeugnisse sandte er dem Richter Bart mit dem Antrage, diese Sachverständigen eidlich zu vernehmen. Dies schlug freilich wieder der parteiische Richter ab, indessen die Gutachten verhinderten doch den Gewaltstreich, den die Feinde Drakes bereits ausführen wollten: die zwangsweise Abführung in eine Irrenanstalt.

Drake's letzte Hoffnung zum Siege.

»Und dräut der Winter noch so sehr
Mit tückischen Geberden –
Und führt er Eis und Schnee einher,
Es muß doch Frühling werden!«

So jubelte Drake, so durfte er hoffen und vertrauen, als er endlich nach langem, langem Warten eine amtliche Mittheilung erhielt, die geeignet schien, seine kühnsten Wünsche in Erfüllung bringen zu wollen.

Es war eine Vorladung zum Termin, in dem die Scheidung mit seiner verschwundenen und gewaltsam zurückgehaltenen Frau ausgesprochen werden sollte.

»Sieg! und endliche Rettung aus meiner verzweifelten Lage!« rief er tiefbewegt aus. »Sobald ich das Erkenntniß über die Scheidung besitze, ist das ganze teuflische Unternehmen meiner unerbittlichen Feinde mit einem Schlage zu Wasser geworden!«

Diese für Drake so frohe Botschaft wirkte auf seine Gegner wie ein Blitz ans heiterem Himmel. Sie erkannten sofort die Gefahr, die ihnen drohte. Eine große Unruhe, eine Verwirrung herrschte im feindlichen Lager.

Einige der Galgenvögel, die bei den studirten Schurken Handlangerdienste verrichteten, wurden durch Drake's energischen Widerstand ängstlich und fürchteten bereits, daß das ganze Unternehmen einen verhängnißvollen Ausgang für sie nehmen könne. Sie setzten sich, um sich aus der Schlinge zu ziehen, mit einigen Drake nahestehenden Personen in Verbindung, durch deren Vermittelung sie eine Aussöhnung mit ihm zu erlangen suchten.

»Aber wie kommen Sie dazu, sich zu solchen schändlichen Handlungen herbeizulassen,« wurde ihnen entgegengehalten; »daß Drake völlig geistig gesund ist, weiß Jeder, der ihn kennt!!«

»Wir wissen wohl, daß Drake nicht verrückt ist,« erwiderten die Missethäter, »es hat sich hierbei überall nur um sein Geld gehandelt. Im Uebrigen haben wir auch keine Schuld an dem ganzen Prozeß gegen denselben, die Advokaten und Aerzte, allen voran Wex und Everts, haben uns wider besseres Wissen dazu verleitet.«

Diese reuigen Sünder waren Meyer, derjenige Bösewicht, der Drake mit offenem Messer auf der Straße überfiel, sowie dessen Sohn, der die verschwundene Frau aus dem Hause Drake's gelockt hatte.

Drake wurde recht bald von dieser Thatsache in Kenntniß gesetzt. Sofort begab er sich mit den Zeugen zu einem Notar, wo dieselben bereitwillig das Gehörte zu Protokoll gaben und dann das Dokument mit ihrer Namensunterschrift versahen.

Diese offene Erklärung ließ Drake vom Notar beglaubigen und überreichte sodann dieses Schriftstück dem Richter Bart mit dem Antrage, diese Zeugen eidlich über ihre Aussagen zu vernehmen; doch vergebens.

 << Kapitel 9  Kapitel 11 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.